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Der unheimliche Siegeszug des Aceto Balsamico

Bei meinem letzten Besuch in Italien fiel mir auf - nicht ohne leichtem Ver­druss -, dass in vielen Restaurants zum Salat, neben dem selbstver­ständ­li­chen "Olio d'Oliva Vergine" standardmäßig "Aceto Balsamico" ge­reicht wurde. Ich musste jedes Mal ausdrücklich einen "normalen" Weinessig bestellen. Die Balsamico-Mode hatte sich auch im Ursprungsland dieses Essigs durchgesetzt.
Die wenigsten nicht italienischen Konsumenten wissen, dass der echte Bal­samico früher niemals für Salat verwendet wurde, sondern nur tropfenweise zum Würzen von Käse, Fleisch und anderen feinen Gerichten. Seinen Erfolg als Salatwürze verdankt der Balsamico ausschließlich einem Missverständnis. Denn er heißt ja Essig, und so dachte man im Ausland, dass er auf den Salat gehöre. Die Nachfrage stieg!
Und weil der Aceto Balsamico Tradizionale so kostbar wie die weißen Trüffeln aus Alba ist und auch hinsichtlich des Preises der Extraklasse der Nahrungs­mittel gehört, musste eine preiswertere Variante her.

Aceto BalsamicoDaher begann die Industrie, eine Nachahmung des Balsamico herzustellen. Der in Super­märk­ten verkaufte Balsamico hat zwar eine vage Ähnlichkeit mit dem echten "Aceto Balsamico Tradizionale di Modena", ist aber eine Mischung aus gewöhnlichem Weinessig mit eingedicktem Traubensaft. Durch die Bei­mischung von Zucker, Karamell für die typische braune Farbe und bestimm­ten Aromen versucht man, jene Stoffe nachzuahmen, die der echte Bal­samico im Lauf von Jahrzehnten aus den Eichenfässern auf­nimmt. Auch in den Kel­lern der Industrien lagern Fässer, doch im Gegensatz zum wahren Balsa­mico bleibt der Essig nur wenige Wochen darin und wird dann an die Märkte in aller Welt geliefert.
Bei besseren Sorten wird eine kleine Menge echter "Balsamico Tradizionale" beigemischt. Der Begriff "Balsamico" ist nicht geschützt und kann deshalb von jedem Essig-Hersteller verwendet werden.

Schon seit Jahrhunderten wird in der Emilia diese köstliche Flüssigkeit her­gestellt, die eigentlich mit Essig nicht viel zu tun hat. Balsamico besteht aus einer Mischung von Trauben, und der Most wird nicht vergoren, sondern durch Kochen eingedickt, so dass nur noch ca. 30–70 % übrig bleiben. Dabei findet keine alko­ho­lische Gärung statt. Dann wird dieser Most in Fässer aus Eichen- oder Kas­tanienholz gefüllt. Die Besonderheit liegt hier in den verschiedenen Größen der Fässer: Aus den großen Fässern bis hin zu kleinen Fässchen wird der Most im Lauf der Jahre von Fass zu Fass umgefüllt. Sie werden auf dem Dachboden gelagert, so dass sich die Fässer im Sommer erwärmen und im Winter aus­küh­len. So wird der Fermentationsprozess Jahr für Jahr wiederholt. Aus einem Fass mit hundert Litern erhält man so natürlich nur wenige Deziliter des End­produktes.

Die Alterung ist sehr wichtig. Erst nach der Phase der Gärung und der Reifung setzt nämlich der Alterungsprozess ein, und der führt zu einem Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bestandteilen des Produktes. Es verändert sich der Geschmack, und der Zucker und die Säure kreuzen sich und schaffen die Harmonie, die für den Balsamico so typisch ist.
Der echte "Aceto Balsamico Tradizionale di Modena" muss mindestens 12 Jahre (mehr als 25 Jahre für die Qualität "extravecchio") gelagert worden sein und darf nur verkauft werden, wenn ein Konsortium von Herstellern in Mo­de­na den Verkauf nach strengen Qualitäts- und Geschmacksprüfungen freige­ge­ben hat. Von den besonders alten Sorten ist nur noch wenig vorhanden, da vor 25 Jahren der derzeitige Balsamico-Boom noch nicht abzusehen war. So kommt es, dass ein 12-jähriger Aceto Balsamico Tradizionale im Handel ca. 50 Euro pro 100 ml kostet und ein über 25 Jahre alter etwa 100 Euro.
"Aceto Balsamico Tradizionale di Modena" und "Aceto balsamico tradizionale di Reggio Emilia" sind geschützte Ursprungsbezeichnungen und müssen daher in der betreffenden Region und nach den dort festgelegten Regeln hergestellt werden.
 

Balsamico

Ein paar Tröpfchen Balsamico auf die gebratene Kalbsleber, auf zarte, rosafarbene Roast­beef-Scheiben, oder auf einen feinen Salat aus Rucola und dünn geschnittenen Parmesan­schei­ben: zahlreiche die Ver­wendungsmöglichkeiten des Aceto Balsamico Tradizionale.


Aceto balsamico
Aceto Balsamico
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Essig
Essig selbst gemacht
von Andreas Fischerauer
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Kochkurse
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