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Agata und der Sturm (2004)
Der Mittelpunkt des Geschehens in diesem humorvollen italienischen Film ist die 40jährige Buchhändlerin Agata, eine Frau voller Charme und Lebens­ener­gie. Sie wird hervorragend von der bezaubernden Licia Maglietta (Brot & Tulpen) dargestellt.

In Agatas Leben geht es stürmisch zu: Die lebensfrohe Frau ist voller Kraft, und wo auch ist, in ihrer Nähe brennen nicht nur Glühbirnen durch, stürzen Computer ab oder beginnen Ampeln zu flackern. In Agatas durcheinander wirbelnden Gefühlen herrscht das reinste Chaos.

Agata hat einen kleinen Buchladen im Zentrum Genuas, eine erwachsene Tochter, die in Spanien studiert, eine Angestellte, mit der sie auch befreundet ist und den bildhübschen und jungen Verehrer Nico (Claudio Santamaria).
Ihr Bruder Gustavo (Emilio Solfrizzi) ist ein arrivierter Architekt, hat einen empfindlichen Sohn, eine Frau, Ines (Marina Massironi), die TV-Psychologin ist und ihm gegenüber ziemlich frostig.
Eine Abends treffen sich Agata und ihr Bruder zum Essen. Aber Gustavo wirkt zerstreut und unruhig. Erst nach einer Weile kommt es aus ihm heraus: Er sei von Romeo, einem wild­fremden Menschen, an­ge­rufen worden und habe von ihm die verwirrende Nachricht bekommen, sie seien Brüder. Romeos Mutter habe ihm wenige Stunden zuvor eröffnet, dass sie als junges Mädchen ihr uneheliches Kind für 350.000 Lire wegge­geben habe. Sie wolle diesen Sohn noch einmal vor ihrem Tode sehen. Ausgerechnet Gustavo soll der Spross sein. Demnach wäre Agata nicht mehr seine leibliche Schwester.
Romeo (Giuseppe Battiston) ist Vertreter in Sachen Mode. Er nimmt jede Gelegenheit wahr, seine Gattin zu betrügen, auch an diesem Tag liegt er mit einer fremden Frau im Bett, die davon träumt, Stewardess zu werden, während er davon schwärmt, Forellen in einer Fischfarm zu züchten.
Als Gustavo völlig durcheinander nach Hause kommt, empfängt ihn seine Frau als Geisha verkleidet, eines der üblichen Spiele der Fernseh-Psychologin, um den sexuellen Reiz im Beziehungsalltag zu bewahren. Gustavo berichtet ihr von seiner Entdeckung, für die Ines aber kaum Interesse zeigt. Stattdessen ist sie sauer, dass er seine (vermeintliche) Schwester vor ihr einweihte.
Gustavo macht sich sofort auf die Suche nach Hinweisen seiner wahren Identität und besucht Romeo und dessen durch einen Unfall an den Rollstuhl gefesselten Frau Daria (Monica Nappo). Romeo drückt ihm ein Foto des wahren Vaters in die Hand und einen Brief des "Adoptivvaters" (also Agatas Vater) an die Kindsmutter, der letzte Klarheit bringt.
Wie der Film letztlich ausgeht, will ich an dieser Stelle geheim halten. Jedenfalls verflechten sich die Geschichten wie in Romanen, sie schlagen Übereinander und verschmelzen schließlich zu einer einzigen großen Er­zäh­lung. Das erscheint zuweilen etwas chaotisch, man muss sich stellenweise anstrengen, um die Beziehungen und Zusammenhänge zu überblicken, dennoch ist der Film ein vergnügliches Unterfangen.
 
Soldini bewältigt in seinem sechsten Film das Genre Komödie mit benei­dens­werter Leichtigkeit. Er erfindet eine vom Alltäglichen weit entfernte bunte Welt, die jedoch die Wirklichkeit Italiens auf durchaus realistische Weise spiegelt. So wird aus Agata und der Sturm eine warmherzige und charmante Geschichte über die Zufälle des Lebens und der Liebe und die italienische Lebensfreude. Ein Film, der die Seele wärmt und von dem man noch lange schwärmt.

 

Silvio Soldini
Soldini studierte an der New York University Film und lie­ferte dort im Jahr 1982 mit dem Kurzfilm Drimage sein erstes Werk ab. Kurz darauf kehrte er nach Mailand zu­rück.
In Mailand drehte er Low-Budget-Fil­me und Video­pro­duktionen, 1989 seinen ers­ten Spielfilm L'aria serena dell'ovest, der unter anderem mit dem Preis der Jugendjury des Fes­tivals Locarno aus­ge­zeichnet wurde.
Weitere augezeichnete Filme folgten: Un' anima divisa in due (Die gespal­tene Seele) und Le acrobate (Akro­ba­tin­nen).
2000 kam mit Pane e Tulipani ("Brot und Tulpen" []) der bisher erfolg­reich­ste Film des Re­gisseurs heraus. Er wur­de neunmal mit dem David di Dona­tello, dem italienischen Gegen­stück zum Oscar, ausgezeichnet.
Nach seinem Film "Brennen im Wind" (2002), einem düs­terem, poe­tischem und skurrilem Beziehungs­drama kehrte Soldini mit "Agata und der Sturm" zur Komödie zurück.

Agata und der Sturm
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