Habemus Papam ist eine italienisch-französische Kooperation, eine Tragikomödie des italienischen Regisseurs Nanni Moretti, die von einem neu gewählten Papst handelt, der sich seinem Amt nicht gewachsen fühlt.
Nach dem Tod des Papstes braucht die katholische Kirche ein neues Oberhaupt. Die Kardinäle aus aller Welt versammeln sich im Konklave in der Sixtinischen Kapelle, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen neuen Papst zu wählen. Nach zahlreichen erfolglosen Wahlgängen wird endlich Kardinal Melville gewählt, ein Außenseiter, der zunächst zögert, aber schließlich die Wahl doch annimmt. Alle sind heilfroh, nicht selbst diese Aufgabe übernehmen zu müssen. Traditionskonform steigt weißer Rauch auf.
Doch kurz nach der Wahl bekommt Melville, ein unsicherer, nachdenklicher Mensch, tiefe Zweifel an seiner Berufung und vor allem an seiner Fähigkeit, die wichtige Aufgabe zu bewältigen. Als seine Verkündung auf dem Balkon des Petersdoms bereits begonnen hat, bekommt er eine Panikattacke und bricht noch vor der Verkündung des Wahlergebnisses mit einem lautem Schrei zusammen.
Ratlosigkeit befällt die Kardinäle, die gezwungen sind, der Weltöffentlichkeit das Geschehen zu verheimlichen, bis eine Lösung gefunden ist.
Da der neue Papst noch nicht offiziell verkündet wurde, bleibt die Abgeschlossenheit des Konklave von der Außenwelt bestehen. Hinter dieser Mauer der Verschwiegenheit wird ein berühmter Psychoanalytiker, Professor Brezzi, hinzugezogen, um dem verzweifelten Melville über seine psychische Krise hinwegzuhelfen und so zur Annahme des Amtes zu bewegen, was zunächst erfolglos bleibt. Nanni Moretti selbst spielt die Rolle des erklärt ungläubigen Analytikers, was zu zahlreichen humorvollen Pointen führt.
"Habemus Papam" Trailer
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Als Melville heimlich in Begleitung des Vatikansprechers und einiger Leibwächter den Vatikan verlässt, um die Praxis von Brezzi und seiner Frau aufzusuchen, nutzt er die Gelegenheit, um seinen Begleitern zu entwischen und in Rom unterzutauchen. Während die Kardinäle selbst von dieser Flucht nicht informiert werden, irrt Melville unerkannt durch Rom, freundet sich mit einfachen Leuten an und trifft schließlich eine Theatertruppe, die Tschechows "Möwe" probt. Er selbst wollte nämlich als junger Mann, bevor er sich für das Priesteramt entschied, Schauspieler werden. Schließlich wird er in einem Theater aufgespürt.
Wie die Geschichte ausgeht, will ich an dieser stelle nicht offenbaren, denn das ungewöhnliche Finale soll eine Überraschung für den Zuschauer bleiben.
Der politisch links stehende Nanni Moretti beleuchtet in diesem Film genussvoll und mit viel Ironie die Machtstrukturen der katholische Kirche. Aber die kritische Auseinandersetzung mit diesen Strukturen ist nicht das Hauptthema des Filmes. In "Habemus Papam" beleuchtet Moretti mit viel Humor und Einfühlungsvermögen das Verhalten eines Menschen, der die ihm zugedachte Rolle nicht annehmen kann, der ein Nein wagt, das nicht vorgesehen sein darf. Die wichtigste Aussage des Filmes ist letztlich die einfache Tatsache, dass auch in den höchsten Ämtern nur Menschen sitzen - mit all ihren Unzulänglichkeiten.
Kritiken
"Der Film nimmt das höchste Amt der katholischen Kirche als Folie, um mit augenzwinkerndem Humor von einem Menschen zu erzählen, der angesichts seiner Berufung von Angst geplagt wird und erst Kraft findet, als er in der Gemeinschaft einfacher Leute aufgeht. Auch wenn der Film nicht in psychologische Tiefen vorstößt, glänzt er mit Momenten tiefer Menschlichkeit, wobei er vor allem von seinem großartigen Hauptdarsteller getragen wird." (Lexikon des Internationalen Films)
"Morettis prachtvoll inszenierte Kirchenkomödie denunziert nicht, lieber lästert sie mild pessimistisch über weltfremde, sehr menschliche Kirchenführer in göttlicher Klemme. " (Spiegel)
"Ein sehr menschlicher Film." (Radio Vatikan)
Michel Piccoli ist längst eine Institution im europäischen Film. Er spielte zwar in der Hauptsache Charakterrollen, die in der französischen Bourgeoisie spielen, seine schauspielerischen Qualitäten ordnen ihn aber in die erste Liga ein. Und es ist schade, dass er für seine Rolle als Papst wider Willen in Nanni Morettis Film "Habemus Papam" nicht den Darstellerpreis bekam, für den er in Berlin nominiert worden war. Die Europäische Filmakademie überreichte dem 85-jährigen Schauspieler aber spontan eine Auszeichnung für sein Lebenswerk.