Gualtiero Jacopetti (1919 - 2011), der 1962 mit seinem Film "Mondo cane" schlagartig bekannt wurde, ist am 17. August im Alter von 91 Jahren in Rom gestorben. Jacopetti wurde neben Franco Prosperi und Paolo Cavara zum Begründer der sogenannten Mondo-Filme, die durch die Mischung aus dokumentarischen und nachgestellten Szenen gekennzeichnet waren. Häufig lag dabei der Schwerpunkt auf "exotischen" Kulturen und auf dem Spektakulären, Ekelerregenden, Verblüffenden. Weitere Werke Jacopettis sind "La donna nel mondo" (Alle Frauen dieser Welt) von 1963, der heftig umstrittene Streifen "Africa Addio" (1966) und "Addio, Onkel Tom!" (1971). Jacopettis Filme waren alle Kassenschlager – und nicht selten öffentliche Ärgernisse.
Mondo cane
Eine in Mexiko gedrehte Szene aus dem Film zeigt
eine Marzipanfigur mit dem Antlitz von Judas Ischariot
Der Film "Mondo cane" (wörtlich "Hundewelt") wurde 1962 in Cannes für die Goldene Palme nominiert. Der Film zeigt unzusammenhängende Szenen aus aller Welt, die den Zuschauer teils schockieren, teils unterhalten sollen. Bei vielen Szenen geht es um den brutalen Umgang mit Tieren, Schlachtungen und Rituale. Es werden aber auch Bilder gezeigt, in denen die skurrilen Riten und Gebräuche der Naturvölker den nicht minder bizarr anmutenden Abstrusitäten der Zivilisation gegenübergestellt werden.
Trailer "Mondo cane" (mit englischen Untertiteln)
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Die Kommentare des Films sind meistens satirisch, ab und zu melancholisch, stets aber mit Zivilisationspessimismus getränkt. Im Gegensatz zu den zahlreichen Imitatoren des Genres geht es Jacopetti nicht nur um das Zeigen von drastischen Scheußlichkeiten.
Africa addio
Gegen Ende der großen Ära des Kolonialismus in Afrika, Anfang der 1960er Jahre, drehten Jacopetti und Franco Prosperi den Film "Africa addio" (Adieu Afrika). Es wurde einer der umstrittensten und schockierendsten Filme der 1960er-Jahre. Der Film gibt ein Bild Ostafrikas in der Zeit der Dekolonisierung ab, als Aufstände und Herrschaftsstreitigkeiten losbrachen und Grausamkeiten ungeheuerlichen Ausmaßes an der Tagesordnung waren. Jacopetti wurde wegen dieses Filmes des öfteren des Rassismus bezichtigt. Der Grund dafür war, dass "Africa addio" u.a. von afrikanischen Nationalisten verübte Massaker und deren Opfer zeigte, was die Afrikaner - nach dem Motto: "Kaum lässt man die 'Neger' allein, schon schlachten sie sich gegenseitig ab" - als "Wilde" erscheinen ließ. Der Rassismusvorwurf lässt sich aber bei genauerem Hinsehen nicht aufrechterhalten, denn Jacopettis Zivilisationspessimismus war wirklich gleichmäßig auf alle Völker und Kulturen verteilt. Jedenfalls geriet Jacopettis Team bei der Realisierung dieses Films nicht selten in unmittelbar lebensbedrohliche Situationen.
Gualtiero Jacopetti stand in Italien wegen einer Szene des Films, in der ein schwarzen Junge erschossen wurde, wegen Beihilfe zu dreifacher vorsätzlicher Tötung vor Gericht, wurde aber freigesprochen. Die Aufführung des Films führte in Italien, aber auch in Deutschland zu Protesten.
Jacopettis Grundsatz war: “Ein Journalist soll berichten, Fakten getrennt von Meinungen. Er sollte ssich mit der eigenen Meinung zurückhalten."
Trailer "Africa Addio" (englisch)
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Auf der Welle des "Mondo"-Genres schwimmend, hatte 1963 auch der Film "Mondo di notte" (Welt bei Nacht) des italienischen Regisseurs Gianni Proia einigen Erfolg. Der Film ist ein Dokumentarfilm, der eine Mischung aus Sex, Gewalt und Kuriositäten aus verschiedenen Ländern zeigt. Deutsche Erstaufführung (unter dem Namen "Welt ohne Scham") war am 6. März 1964.
Schlagende Verbindung (aus "Mondo di notte")
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Nach dem Muster der Mondo-cane-Filme werden in "Mondo di notte" skurrile bis schauerliche Bräuche verschiedener Länder gezeigt. Beispielsweise der Ritus der Mensur in Deutschland, der Fechtkampf zwischen zwei männlichen Mitgliedern verschiedener Studentenverbindungen mit scharfen Waffen, oder die Kastration ausgewählter Renntiere in Lappland,
was nach alter Überlieferung von den schönsten Mädchen vorgenommen
wird.
Oder das zu jener Zeit in Europa noch nicht bekannte Karate in Japan, bei dem Sportler mit Kopf und Händen dicke Steinplatten durchschlagen.
Mondo cane 1
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Mondo cane 2
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Afrika addio []
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Mondo di notte
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