| |
|
|
Der Italienisch-Äthiopische
Krieg |
| Vorgeschichte |
|
Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem Zusammenbruch der Herrschaft
Ägyptens über Eritrea, hatte Italien Assab (1882) und Massaua (1885) besetzt und damit einen ersten Krieg mit
Abessinien (so nannte man früher Äthiopien)
ausgelöst. Danach wurde Eritrea italienische Kolonie,
während Äthiopien seine Unabhängigkeit behalten
konnte. Bei folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen erlitten die Italiener 1887 eine große Niederlage bei Dogali,
was dazu führte, dass Italien 1889 dem Friedensvertrag von
Ucciali zuzustimmte.
Beginnend mit den Jahren 1893 und 1894 wiederholte sich das Geschehen. Die Italieneischen Truppen erlitten aber schließlich eine wesentlich schwerer wiegende Niederlage
in der Schlacht von Adua (März 1896). |
|
|
| Der italienische Diktator Benito Mussolini, der nach der Machtergreifung 1932 unangefochten die Macht innehatte,
wollte sich nicht mehr damit begnügens nur Italien zu beherrschen.
Er wollte das "Römische Reich" wieder aufleben lassen
und damit in die Geschichte eingehen. |
|
Am leichtesten ließen sich Mussolinis
Ambitionen am Horn von Afrika verwirklichen. Als er sah, dass die internationale
Gemeinschaft 1931 die japanischen Besetzung
der Mandschurei ohne jeglichen Widerstand hingenommen hatte, fühlte er sich
ermuntert, seine Pläne in die Tat umzusetzen
und mit der Annektion Äthiopiens - mit Eritrea
und Somaliland hatte Italien bereits den Küstenstreifen besetzt -
ein zusammenhängendes Kolonialreich in Ostafrika
zu schaffen, das Italien eine beherrschende Stellung am Roten
Meer und damit an der strategisch wichtigen Passage zum Suezkanal gesichert hätte. |
| Ab 1932 wurden Pläne
für eine Invasion von Äthiopien geschmiedet. General
Emilio De Bono wurde Ende 1934 als Oberbefehlshaber der
Invasionstruppen ernannt. |
| 1934 kam es im Ogadensich zu verschiedenen
Grenzzwischenfällen, bei denen einige somalische Askaris (einheimische Soldaten bzw. Polizisten im Dienste der italienischen Kolonialtruppen) von äthiopischen
Grenztruppen getötet wurden. Das nutzte Mussolini
als Ausrede, um politisches Kapital zu schlagen. Italien wurde als
kleine Nation dargestellt, die sich dem Völkerbund und
den Westmächten erfolgreich widersetzte, um sich den ihr
vermeintlich zustehenden "posto al sole" (Platz an der Sonne) zu erkämpfen. |
|
|
| Verlauf |
| Am 3. Oktober 1935 marschierten italienische
Truppen (etwa 330.000 Soldaten und 87.000 Askaris) in Äthiopien
ein. Es gelang ihnen zwar schnell, die Städte Adua und Axum
zu erobern, im gebirgigeren Teil Äthiopiens
kam die militärische Operation aber bald ins Stocken. Teilweise konnten die schwächeren
äthiopischen Truppen (die teilweise noch
barfuß und nur mit Speeren bewaffnet kämpften!) sogar zum Gegenangriff übergehen.
Der Einmarsch der Italiener führte dazu, dass im Oktober 1935 der Völkerbund
Sanktionen gegen Italien verhängte. General De Bono wurde nach nur 45 Tagen im Amt wegen des Misserfolgs von Mussolini seines Ants enthoben und durch Feldmarschall Pietro Badoglio ersetzt. Badoglio organisierte
die Truppen um und ging zu pausenlosen Angriffen über. |
|
|
|
Aber erst als Italien Giftgas einsetzte und die Bombardements aus der Luft ausweitete, kam es zu einer Entscheidung.
Es war ein völlig ungleicher Konflikt.
Unter Badoglio setzten die Italiener Panzer, Bomber,
Giftgas und Flammenwerfer ein. Die Bewohner des Landes sahen zum ersten Mal
Flugzeuge. Das italienische Militär missachtete
das Genfer Protokoll und setzte Giftgas systematisch ein, und zwar gegen Soldaten
und Zivilbevölkerung. Massenerschießungen unter der Bevölkerung kamen zustande.
Die italienischen Militärs respektieren in keiner Weise das geltende Kriegsvölkerrecht. Mussolini schaffte es, all dies zu verheimlich und die Mär von einem
"sauberen Krieg" in Abessinien am Leben zu halten. Kaiser Haile Selassie trat vergeblich persönlich vor dem
Völkerbund, um Hilfe zu fordern. Das hatte nur zur Folge, dass Italien aus der Weltgemeinschaft
austrat. |
|
Am 5. Mai 1936 marschierten die italienischen Truppen unter Feldmarschall
Badoglio schließlich in die äthiopische
Hauptstadt Addis Abeba ein.
Die von den Völkerbundsmächten angedrohte
Blockade wurde aufgrund der Unterstützung Hitlers für
Mussolini unterlaufen. Am 11. Dezember 1937
verließ Italien den Völkerbund, obwohl dieser bereits am 4. Juli 1936 seine Sanktionen gegen Italien aufgehoben hatte. |
| Auswirkungen |
| Als Mussolini am 9. Mai 1936 das
Ende des Krieges verkündete, war er auf dem Höhepunkt seiner Macht. Der "Sieg" löste
bei den Italienern - die von den Gräueltaten
nichts wussten - Begeisterung aus. |
|
Der italienische König bekam den Titel "Kaisers von
Äthiopien" und Rodolfo Graziani, der Befehlshaber der Armee in
Äthiopien, erhielt den Titel des äthiopischen
Vizekönigs. |
| In der Folgezeit kam es in Äthiopien
immer wieder zu Guerillaangriffen gegen die Italiener.
Auch nach dem offiziellen Ende des Krieges setzte Italien noch Giftgas
gegen die Rebellen ein und ermordete nicht wenige Kriegsgefangene. Die italienische
Herrschaft endete erst mit dem Zweiten Weltkrieg, als es britischen
Truppen gelang, Äthiopien zu erobern. Im Mai 1941 konnte der äthiopische Kaiser
Haile Selassie wieder in Addis Abeba einziehen. |
| |
|
| Zusammenhänge |
| Es ist nicht so, dass ich
für die kolonialen Ambitionen Italiens auch nur das
geringste Verständnis gehabt hätte. Es war zudem
auch weit vor meiner Zeit und in den italienischen Schulen der
frühen Nachkriegszeit fanden die Missetaten
Mussolinis nicht gerade große Erwähnung. |
| Dass sich mir dieser Geschichtsabschnitt
dennoch eingeprägt hat, ist nur darauf zurückzuführen,
dass mein Vater sich zwischen Juli 1935 und Mitte Oktober 1935
als Pressekorrespondent einer französischen
Zeitung in Abessinien aufhielt. Aus seinen zahlreichen
Fotos und Zeitungsartikeln bekam ich also
zuerst Kunde von diesem Krieg. |
|
|
|
|
Italien und der Abessinienkrieg 1935/36.
Kolonialkrieg
oder Totaler Krieg?
von Giulia Brogini Künzi
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen) |
|
|
|
|
Experimentierfeld der Gewalt.
Der Abessinienkrieg und
seine internationale
Bedeutung 1935-1941
von Aram Mattioli
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen) |
|
|
The Italian Invasion
of Abyssinia 1935-36
von David Nicolle
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen) |
|
|