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| Lucrezia
Borgia |
| Für Papsttum und für
Politik, für Kriege und Sittenverfall, für Orgien
und Giftmord, für Unzucht und Inzest für
all das steht der Name der ursprünglich aus Spanien stammenden
Adelsfamilie Borgia, die Anfang des 15. Jahrhunderts
in Italien zu Macht und Reichtum kam. |
| Der Fürstin Lucrezia
Borgia (14801519) gebührte die Ehre, Tochter
eines späteren Papstes gewesen zu sein. Lucrezia war zwölf
Jahre alt, als am 10. August 1492 ihr Vater Rodrigo Borgia (14311503)
zum geistlichen Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt
wurde. Er nannte sich Papst Alexander VI. |
| Lucrezia Borgia kam am
18. April 1480 in Subiaco bei Rom als Tochter von Vannozza
Catanei, der Geliebten ihres Vaters, in Rom auf die Welt.
Als Vannozza feststellte, dass sie schwanger
geworden war, verheiratete Rodrigo sie mit einem päpstlichen
Beamten. |
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Ihre frühen Jahre wurden am Haus ihr Mutter verbracht.
Danach wuchsen Lucrezia und ihre Brüder Juan, Cesar und
Jofrè bei einer Verwandten ihres Vaters, Adriana de
Mila, einer Tochter seines Cousins Don Pedro auf. Rodrigo
Borgia, der seine Kinder über alles liebte, besuchte
sie sehr häufig. Das Verhältnis seiner Kinder
zu ihm war ausgesprochen herzlich. Besonders vernarrt
war Rodrigo Borgia in seine überaus hübsche, blonde
Tochter Lucrezia, die sich später als Erwachsene wie
ihr Vater als charmant, hochintelligent, diplomatisch
sehr geschickt, heiter und lebenslustig erwies.
Ihre Ausbildung entsprach zudem der einer Tochter von
Adel oder von hohem Patriziat. Auch das Verhältnis der
Geschwister untereinander war sehr harmonisch und
herzlich. Besonders eng war die Verbindung zwischen Cesar
und Lucrezia. |
| Als Lucrezia elf Jahre
alt war, verlobte sie ihr Vater mit Don Cherubin Juan de
Centelles, einem Angehörigen eines alten spanischen
Adelsgeschlechtes. Diese Verlobung wurde bald aufgehoben und
Lucrezia rechtskräftig mit Gasparo von Procida,
dem Sohne des Grafen Gian Francesco von Aversa verlobt. Als
Rodrigo Papst wurde, hob er auch diese Verbindung am auf, um
Lucrezia noch günstiger zu vermählen. Ascanio Sforza,
jetzt der einflußreichste Kardinal
und Vertraute Alexanders VI., betrieb nämlich die Vermählung
Lucrezias mit einem Mitglied seines Hauses, Giovanni Sforza
von Pesaro. |
| Am 2. Juni 1493
fand die Hochzeit zwischen der 13-jährigen Lucrezia
und Giovanni Sforza statt. Nachdem der König von Frankreich
im Frühjahr 1494 die Krone von Neapel forderte und die
Borgia und die Sforza unterschiedliche Stellungen dazu bezogen,
wünschten die Borgia eine Auflösung der Ehe Lucrezias
mit Giovanni Sforza. |
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Am 20. Dezember 1497 erklärte
der Papst die Ehe für ungültig. Der dann wegen
angeblicher Impotenz von ihr geschiedene Gatte Giovanni Sforza behauptete damals, dass
seine Ehe nur aufgelöst worden sei, damit der Papst und
Cesare Borgia ungestört Blutschande mit Lucrezia treiben
könnten.
Ihr zweiter Ehemann, der siebzehnjährige Alfonso
von Aragon, Herzog von Bisceglie (14811500), war
ein Neffe des Königs von Neapel und stellte so die Verbindung
der Borgias zu Neapel und Spanien her. Alexander VI. ernannte
seine Tochter zur Herrscherin von Spoleto und Foligno, später
auch von Nepi, jedoch kehrte sie kurz darauf mit ihrem Ehemann
nach Rom zurück. Aus der sehr glücklich verlaufenen
zweiten Ehe ging der Sohn Rodrigo (14991512) hervor,
der spätere Herzog von Bisceglie. Da sich der Papst und
Cesare Borgia jedoch inzwischen mit den Franzosen
gegen Spanien und Neapel verbündet hatten,
kam es zu schweren Konflikten mit dem neuen Schwiegersohn
und Schwager. Alfonso geriet in einen Hinterhalt, wurde durch
Dolchstiche schwer verletzt, konnte sich aber noch vor Lucrezias
Türe schleppen, die ihren mit dem Tod ringenden Gatten
liebevoll pflegte. Am 18. August 1500 erwürgte Cesare
Borgias Henker Lucrezias zweiten Mann Alfonso im Bett. |
| Im Jahr 1501 bereitete
Alexander VI. eine erneute Heirat mit dem Herzog Alfonso
I. dEste von Ferrara (14761534) vor. Zunächst
zeigte sich Alfons I. wie auch sein Vater Ercole I. sehr abgeneigt.
Sie hielten es für unter ihrem hohen Stand, mit den Borgias
eheliche Verbindungen einzugehen. Lucrezia war zudem eine unehelich
geborene Papsttochter. Alexander konnte die Este jedoch durch
die hohe Mitgift, die er seiner Tochter mit in die Ehe geben
wollte, und durch günstige päpstliche
Belehnungen und finanzielle Vergünstigungen
für seinen Plan gewinnen. Die Hochzeit fand am 30. Dezember
1501 statt, am 6. Januar 1502 verließ Lucrezia mit großem
Gefolge Rom und wurde bei ihrem Auszug von sämtlichen Kardinälen
und Abgeordneten bis zur Porta del Popolo begleitet. 1505 trat
Alfonso I. dEste die Nachfolge seines verstorbenen Vaters
Ercole I. an. In jenem Jahr gebar Lucrezia Borgia erstmals einen
Stammhalter, der jedoch nach wenigen Wochen starb. |
| Am 4. April 1508 schenkte
Lucrezia einem Sohn, dem späteren Ercole II. (15081559),
und am 25. August 1509 dem Sohn Ippolito (15091572) das
Leben. Ercole II. regierte 1534 als Nachfolger seines Vaters,
Ippolito wurde 1538/1539 Kardinal und war mehrfach Kandidat
bei Papstwahlen. Nach der Geburt ihrer Söhne galt Lucrezia
als unangefochtene Herzogin Ferraras. Ihr Mann respektierte
und liebte sie inzwischen. |
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Am Hof von Ferrara versammelte Lucrezia die berühmtesten
Künstler, Schriftsteller und Gelehrten der
Zeit um sich. Nach dem Tod Alexanders VI. 1503 und einer Reihe
von Unglücksfällen in der Familie Este zog sich
Lucrezia immer mehr zurück und widmete sich
dem religiösen Leben. In Ferrara pflegte Lucrezia Kontakt
mit einigen der berühmtesten italienischen Gelehrten
des 16. Jahrhunderts wie dem Schriftsteller Pietro Bembo,
dem Dichter Ludovico Ariosto (14741533), Autor
des größten Epos der Renaissancezeit mit dem Titel
"Orlando Furioso", dem Humanist Gian Giorgio
Trissino und dem Humanist und Dichter Ercole Strozzi.
Ihr wurden nach ihrem Tod im Jahr 1519 von den Feinden ihrer
Familie eine Reihe von Affären nachgesagt wie z.B. mit
Pietro Bembo und Gianfrancesco Gonzaga, die jedoch in den
Bereich der Gerüchteküche gehören und mit historischen
Quellen nicht belegt werden können. |
| Um 1510 fertigte der italienische
Maler Lorenzo Lotto ein Porträt von Lucrezia Borgia an,
das in der National Gallery in London, aufbewahrt wird. 1514
wurde Lucrezia Mutter des Sohnes Alessandro, 1515 der Tochter
Leonora und 1516 des Sohnes Francesco. Im Herbst 1518 erkrankte
Lucrezia während einer erneuten Schwangerschaft schwer.
Im Beisein ihres Mannes starb sie in der Nacht des 24. Juni
1519 im Alter von nur 39 Jahren, wenige Stunden nach der Geburt
ihres neunten Kindes, einer Tochter, die den Namen Isabella
Maria erhielt und kurz danach ebenfalls verstarb. |
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| Lucrezia Borgia |
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"Sie ist eine echte Lucrezia" gilt nicht als schmeichelhafte
Beschreibung für eine Frau. Lucrezia Borgia galt
schon zu ihren Lebzeiten als die berühmteste
Giftmischerin der Renaissance. Um sie ranken sich zahlreiche
Gerüchte. Giovanni Sforza rächte
sich für die Annullierung seiner Ehe mit der vermutlich
nicht den Tatsachen entsprechende Behauptung, Lucrezia Borgia
lebe nicht nur mit ihrem Bruder Cesare, sondern auch
mit ihrem Vater, dem Papst, in Blutschande. |
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Lucrezia Borgia und ihr Schatten
von Mary Lavater-Sloman
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| Leseprobe des Buches |
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Lucrezia Borgia
Das Leben einer Papsttochter
in der Renaissance
von Maike Vogt-Lüerssen
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Lucrezia Borgia
von Alois Uhl von Patmos
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Gaetano Donizetti
Lucrezia Borgia
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