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| Die Abtretung von Nizza und Savoyen an Frankreich |
| Wussten Sie das? Die Stadt Nizza, eine der renommiertesten Städte Frankreichs hat italienische Wurzeln, denen sie ihre unübersehbare italienische Atmosphäre verdankt. Sie wurde fünfhundert Jahre lang vom Hause Savoyen beherrscht. |
| Die Grafschaft Nizza, die fast das gesamte Becken des Flusses Var und Teile des Tals der Roya und Bévéra umfasste, war einmal ein Gebiet, in dem größtenteils Italienisch gesprochen wurde. Die Hauptstadt Nizza nannte man Nizza marittima, um sie von Nizza Monferrato in Piemont zu unterscheiden. Westgrenze der Grafschaft Nizza, jenseits der die französische Provence lag, war der Fluß Var, der seit der Antike als die westliche Grenze der italienischen Region galt. |
| Die Grafschaft gehörte bis zum Jahr 1860 zum Königreich Sardinien, danach wurde sie von Camillo Benso di Cavour, dem Premierminister des Königreichs Sardinien-Piemont, an Frankreich abgetreten. Daraufhin begann seitens Frankreich die intensive Arbeit der Französisierung, die sich vor allem auf die Stadt Nizza auswirkte, aber auch den Rest der Grafschaft betraf. Die allmähliche Verbreitung der französischen Sprache gegenüber dem Italienischen wurde von der Regierung forciert. So wurden zum Beispiel alle italienischen Zeitungen (wie "La voce di Nizza") eingestellt und sogar viele Familiennamen geändert (aus "Bianchi" wurde "Leblanc", aus "Del Pont" "Dupont", etc.). |
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Vor 1860 hieß die Promenade des Anglais im Dialekt
Nissart "Camin dei Anglès" |
| Die italienische Charakter von Nizza verschwand allmählich: In den 1930er Jahren hatte nur noch das historische Zentrum der Stadt eine italienische Mehrheit, heute wird in der ganzen Stadt ausschließlich Französisch gesprochen. Im ganzen französischen Département Alpes-Maritimes und dessen Hauptstadt Nizza wird aber vielerorts auch noch Italienisch (als Zweitsprache) gesprochen. Der örtliche Dialekt "Nizzardo" ist ligurischen Ursprungs. Die ursprüngliche Kultur hat sich hauptsächlich in den Ortschaften des Hinterlandes erhalten, aber auch in Menton und Monaco. Interessant ist auch, dass ein großer Teil der Namen der Einwohner dieser Gegend italienisch ist: man braucht sich also nicht zu wundern, wenn man Namen wie "Giorgi", "Delrivo", "Rosso", "Baldacci", "Paolini", "Andreoli" und "Ceccarini" auffindet. |
| Die Abtretung von Nizza und Savoyen an Frankreich wurde deshalb vom Grafen Cavour gewollt, weil er die Unterstützung Napoleon des III. bei seinem großen Projekt, der italienischen Einheit, damit erreichen wollte. Napoleon III. stand hinter einer Einigung Italiens, wenn auch nur, um seine eigene Machtstellung in Europa zu stärken. Er sagte deshalb Sardinien-Piemont zu, es bei einem Krieg gegen Österreich zur Eroberung Lombardo-Venetiens zu unterstützen. Dafür sollte Sardinien-Piemont Nizza und Savoyen an Frankreich abtreten. Cavour dachte, zu Recht oder zu Unrecht, dass die Opferung dieser Regionen zu diesem Zweck dienlich sein würde. |
Nicht alle Politiker billigten dieses Projekt, denn, wenn auch Savoyen von der Sprache und der Kultur zweifelsohne französisch war, so war die Grafschaft Nizza nicht weniger italienisch als der Piemont. Der größte Gegner dieser Abtretung war Garibaldi [ ], da Nizza seine Geburtsstadt war, aber nicht minder starke Kritiken kamen auch von der konservativen Rechten, die behauptete, dass die Abtretung ein Akt der Unterwerfung der Cavour-Regierung gegenüber Frankreich sei. |
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1860 unterzeichneten Napoleon III. und Viktor Emanuel II. den Vertrag von Turin, der den Anschluss Nizzas und Savoyens an Frankreichs nach Zustimmung seiner Bewohner vorsah (aber auch das Verbleiben von Tende, La Brigue und Mollières bei Italien, weil hier das bevorzugte Jagdrevier des Königs lag – diese drei Gemeinden kamen erst als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs zu Frankreich). Bei dem Plebiszit, das trotz aller Bemühungen Garibaldis, des "Helden zweier Welten", am 15. April 1860 stattfand und auch in Menton und Roquebrune abgehalten wurde, stimmten 25.743 Wahlberechtigte für und 260 gegen den Anschluss an Frankreich. Die hohe Zustimmungsquote weckte starken Verdacht auf Wahlfälschung und Einsatz von rechtswidrigen Mitteln. Das Ergebnis dieses Referendums, bei dem die Behörden des Königsreichs den Bürgern Nizzas (und Savoyens) ausdrücklich nahegelegt hatten, für den Anschluss zu stimmen, galt als Verstoß gegen den wahren Willen des Volkes und zog eine Gefolge von Kontroversen mit sich. |
| In einem Buch des Historikers Marzio Scaglioli wird behauptet, dass nur die nizzardischen Seeleute, die zum Zeitpunkt des Plebiszits an Bord von Schiffen der königlichen Marine waren, wirklich frei wählen konnten - und mit großer Mehrheit gegen den Anschluss an Frankreich votierten. |
Am 14. Juni 1860 marschierten die französischen Truppen in Nizza ein. Die bisherige Grafschaft Nizza, bestehend aus den Arrondissements Nizza und Puget-Théniers, wurde um das Arrondissement Grasse erweitert und (erneut) zum Département Alpes-Maritimes gemacht. Das Fürstentum Monaco stand nun nicht mehr unter dem Schutz Sardiniens, sondern wieder unter dem Frankreichs. |
| Am 29. Mai ratifizierten aber die beiden Kammern des Turiner Parlament mit großer Mehrheit die Abtretung der beiden Regionen. |
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| Haus Savoyen |
| Das Haus Savoyen ist eine Dynastie, die seit dem Hochmittelalter über das Territorium Savoyens und des Piemonts herrschte und zwischen 1861 und 1946 die Könige Italiens stellte. |
| Königreich Sardinien-Piemont |
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Das Königreich Sardinien (1239 bis 1861) war ein Staat, der Sardinien, Piemont einschließlich Nizza und Savoyen umfasste. |
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Gebrauchsanweisung
für Nizza und
die Côte d'Azur
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Cavour
von Peter Stadler
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In der Hitze von Nizza
von Patrick Raynal
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Über den Dächern
von Nizza
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