Der große Karneval von Venedig ist, wenn nicht die großartigste, zweifelsohne die bekannteste
Karneval-Veranstaltung Europas, wegen der Faszination, die er
ausübt und das Geheimnisvolle, das er heute noch ausstrahlt,
900 Jahre nach seiner ersten geschichtlichen Erwähnung. Iin Venedig fängt der Karneval bereits am Stefanitag (26. Dezember) an und dauert bis zum Anfang der Fastenzeit, am Aschermittwoch.
Der Ursprung des Wortes
ist auf das "Carnem vale" (Abschied vom Fleisch) zurückzuführen,
Abschied, der für die Christen den Anfang der Fastenzeit
symbolisiert, der österlichen Bußzeit, die sich auf
das 40tägige Fasten Jesu in der Wüste bezieht.
Das
älteste bekannte Dokument über die Benutzung von
Masken in Venedig geht auf das Jahr 1094 zurück,
zur Zeit des Doge Vitale Falier. In diesem Dokument werden öffentliche Belustigungen in den Tagen
unmittelbar vor der Fastenzeit genannt. Etwa zweihundet Jahre später, 1268, wird der letzte Tag vor der Fastenzeit zum öffentlichen
Fest deklariert. Erst im 16. Jahrhundert gab es den ersten offiziellen
Maskenball, mit dem der Sieg über die Pest gefeiert wurde.
Aber
der Karneval selbst kann viel ältere Ursprünge aufweisen. Seine Entstehung
wird häufig auf die Saturnalienfeste der Römer zurückgeführt, die zu Ehren des griechischen Gottes Saturn gefeiert wurden.
Ein wichtiger Aspekt dieser Saturnalien war die Aufhebung der Standesunterschiede, weswegen Sklaven an diesem Tag von ihren Herren wie Gleichgestellte behandelt wurden. Oft wurden sogar die Rollen getauscht, sodass die Sklaven von ihren Herren bedient wurden. In dieser Art von kollektiver Lizenz war fast alles erlaubt,
was sonst nicht erlaubt war,
nach dem Lateinischen Sprichwort "semel
in anno licet insanire" (Einmal im Jahr ist der Wahnsinn erlaubt).
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Genehmigung von Gianluigi Calcaterra []
Im 17. und im 18.
Jahrhundert erlebte der Karneval mit prunkvollen Maskenbällen seine Glanzzeit. Im Schutz der Maske konnte man das ausschweifende Leben genießen. Ein englischer Italienreisender stellte im Jahr 1686 fest: "Venedig
ist der Ort in der Welt, in dem die Vergnügungen am raffiniertesten
sind".
Foto mit freundlicher
Genehmigung von Silvio Forti [].
Bei Herrn Forti kann man auch Karnevalkostüme individuell
erstellen lassen.
Wie freizügig es
tatsächlich zuging, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Ein französischer Besucher
versicherte, dass die adeligen Damen ihre Ketten brechen konnten und
die Freiheit genossen, sich zu maskieren und auf den Maskenbällen zu treffen.
Schließlich war Venedig im 18. Jahrhundert die Welt
von Giacomo Casanova, eine
sich den schönen Künsten und der Erotik hingebende Stadt. Dem widerspricht der Aussage eines Engländers, der behauptete, die Ehefrauen
und Töchtern durften nur in
Begleitung ihrer Ehemänner, ihrer Eltern oder eines Vertrauten maskiert auf die Bälle gehen.
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Genehmigung von Claude@Munich []
Von den französischen Besatzern unter Napoleon wurde der Karneval schließlich als subversiv verboten. Nach dem Wiener Kongress aber auch von den Österreichern.
Der Karneval in Venedig,
wie wir ihn heute kennen, wurde erst 1979/80 wiederbelebt.
Dieses sich zum touristischen Spektakel entwickelte Ereignis hat mit dem des 18. Jahrhunderts kaum etwas
zu tun. Nur in den Masken, die nach historischen
Vorbildern angefertigt werden, erinnern an den Karneval jener Zeit.
Bilder und Farben des Karneval in Venedig
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Heutzutage wird der Karneval offiziell 10 Tage vor Aschermittwoch mit dem Engelsflug eröffnet; dabei schwebt ein Prominenter (an einem Stahlseil gesichert) vom Kirchturm herab über den Markusplatz. Von diesem Zeitpunkt an beginnt in der Stadt eine Vielzahl von künstlerischen und artistischen Darbietungen. Privatpersonen flanieren in sehr aufwändig erstellten Kostümen durch die Stadt, hauptsächlich um den Markusplatz herum.
Die meisten Besucher kommen am Wochenende vor Aschermittwoch. Dann wird der Platz knapp!. Für die Kostümierten bilden die Parade und die Preisvergabe für das schönste Kostüm am Sonntag den Höhepunkt.