Aliano (Basilikata) ist der
Schauplatz des literarischen Meisterwerks von Carlo Levi. Durch sein 1945, nach dem Ende des Faschismus, veröffentlichtes
Buch "Cristo si è fermato a Eboli" (Christus kam
nur bis Eboli) wurde Carlo Levi
weltberühmt. Die Verfilmung von Francesco Rosi im Jahr 1973 (mit Gian Maria Volonté
und Irene Papas in den Hauptrollen) wurde ebenfalls zum Erfolg. Das Buch ist mehr ein Erfahrungsbericht als ein Roman, da Levi darin seine Zeit in Aliano beschrieb, wohin er vom faschistischen Regime von 1935 bis 1936 verbannt worden war.
Aus Diskretionsgründen nannte Levi den Ort des Geschehens "Galliano", so wie er auch durch eine bewusst ungenau angegebene Ortsangabe von Aliano ablenkte. Als das Buch
berühmt wurde, wurde die wahre Identität des Ortes allerdings sehr schnell enttarnt, wovon die Einwohner Alianos, wegen der Beschreibung ihres Elends, anfangs gar nicht begeistert waren.
Das Buch gilt als die pointierteste
literarische Beschreibung der Situation des mezzogiorno
(des italienischen Südens) zu Levis Zeit. Es ist eine leidenschaftliche
und ehrliche Schilderung dieses armen und rückständig gebliebenen Südens.
Der Titel des Werkes bezieht sich auf eine Redensart der Einwohner
Alianos:
"Wir sind keine Menschen, keine Christen,
wir sind Tiere, denn Christus kam nur bis Eboli, aber nicht
weiter, nicht zu uns." (Eboli ist eine kleine Stadt in Kampanien, an der Grenze zur Basilikata). Mit diesem Satz ist die
Abgeschiedenheit Lukaniens sehr gut beschreiben, denn für Lukanien hatte sich weder die Zentralregierung in Rom interessiert, noch war dort je die
Moderne angekommen. Levi schildert Aliano als
einen Ort, in dem die Einwohner wie seit Jahrhunderten in Armut und Resignation leben, ohne auch nur im Geringsten von der Politik etwas zu erwarten und von der Geschichte außerhalb ihres Ortes Kenntnis zu nehmen.
Szenen aus dem Film ( mit Untertiteln)
Auf den Pfeil in der Mitte klicken
Hier in diesem kleinen Dorf in der Mitte Lukaniens ist kein Bauer Mitglied einer Partei. Die Bauern sind keine Faschisten, so wie sie sich zu keiner Partei bekennen würden. Sie haben nichts zu tun mit der Regierung, mit der Macht, mit dem Staat. Der Staat, das sind für sie nur "die aus Rom", die es schon immer gegeben hat und immer geben wird, wie den Hagel, die Trockenheit, die Erdrutsche, die Malaria. Die Bauern dieses tiefen Südens Italiens misstrauen jeder Art von Obrigkeit, die sie immer nur als Unterdrückung erfahren haben. Für sie ist der Staat weiter weg als der Himmel, aber bösartiger, weil er immer auf der "anderen Seite steht". Er ist nur einer der Aspekte des Schicksals, wie der Wind, der die Ernte austrocknet, und das Feber, welches das Blut verseucht.
Eindrucksvoll und in essayistischer Form beschreibt Levi das Leben der Bauern in Aliano, ihr Elend, ihr Aberglaube, das in zahlreichen heidnischen und magischen Praktiken neben dem christlichen Glaube weiterlebt, das gelegentliche Aufflammen politischer Aufsässigkeit und einprägsame Porträts zahlreicher Menschen,
wie die Gestalt des faschistischen Podestà (so wurden zwischen 1926 und 1945 die Bürgermeister Italiens genannt), den Pfarrer und die Haushälterin.
Seinen Beruf als Arzt übte Carlo
Levi nur in Aliano aus. Dort verband er Wunden, verteilte Chinin gegen Malaria und lehrte den Menschen Hygiene.
Weiterer Auszug
Auf den Pfeil in der Mitte klicken
Lukanien, das heute Basilikata heißt und zwischen Kampanien,
Kalabrien und Apulien liegt, ist zwar noch immer von Armut
geprägt, doch es versucht sich inzwischen besser
darzustellen und zieht sogar zunehmend Besucher an. Denn die
abweisende, schroffe Landschaft kann auch als wildromantisch
gesehen werden und der eher verschlossene Menschenschlag
wird von den Besuchern gerne als authentisch gesehen. Malaria
gibt es nicht mehr und nach dem abflauenden Toskana-Boom setzt
man nun auch in Süditalien auf die Touristen.
Während die Einwohner
Alianos anfangs von Levis Beschreibung nicht begeistert waren, ist das Buch heute in Aliano
zur Schullektüre avanciert und der Ort lockt mit seinem
neu erworbenen Rang als Parco Letterario, es gibt
ein Museum, ein Amphitheater.
Carlo Levi
Carlo
Levi (geb. am 29. November 1902 in Turin, gest. am
4. Januar 1975 in Rom) war ein italienischer Schriftsteller,
Maler und Politiker.
Er studierte Medizin, praktizierte aber nie als regulärer
Arzt.
1934 wurde Levi, weil er 1929 eine
antifaschistische
Gruppe gegründet hatte, für zwei Monate
inhaftiert und von 1935 bis 1936 in die süditalienische Region Lucania
(Basilicata), in das kleine Dorf Aliano, verbannt. Hier praktizierte er unentgeltlich als Arzt, weil er von dem Elend der Menschen so betroffen war.
1936 kam er durch eine Generalamnestie
frei und ging ins Exil nach Paris.
Christus kam nur bis Eboli
von Carlo Levi
(Aufs Bild klicken, um das Buch zu bestellen ...)
Christus kam nur bis Eboli
Film von Francesco Rosi
(Aufs Bild klicken, um
die
DVD [/ ] zu bestellen)
Die Uhr
von Carlo Levi
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)
Italien - Der Süden Kalabrien und Basilikata Teil 2 (Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)
Der italienische Faschismus
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)