Geschichte | Persönlichkeiten | Film/Medien/Musik | Literatur/Presse
  Landschaften | Essen & Trinken | Kunst/Architektur | Wissenswertes
  
 
Die Gärten der Finzi-Contini
Giorgio Bassani wurde 1916 als Sohn des jüdischen Arztes Enrico Bassani und seiner Frau Dora in Ferrara geboren, wo er seine Jugend verbrachte.
1935 schrieb er sich an der literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bologna ein, wo er trotz der italienischen Rassegesetze 1939 eine Ab­schluss­arbeit über Niccolò Tommaseo vorlegte.
1940 erscheint sein erstes Werk Una città di pianura, das er unter dem Pseu­donym Giacomo Marchi veröffentlichte, um den Rassegesetzen Mussolinis zu entgehen. Bis 1943 lebte er in Ferrara, wo er sich der literarischen Tätigkeit widmete. 1943 ging er nach Rom. Von nun an verwandelte sich der junge Li­terat in einen politischen Aktivisten im Untergrund. Dieses Engagement be­zahl­te er 1943 mit einer kurzen Haft. Nach dem Waffenstillstand schloss er sich der Resistenza (dem Widerstand gegen die deutsche Besetzung) an. Bassani gehörte zum assimilierten jüdischen Großbürgertum, das sich wegen seiner gesellschaftlichen Stellung nach der Machtübernahme der Faschisten anfangs sicher gefühlt hatte.

In Rom verbrachte Bassani den Rest seines Lebens als Schriftsteller und Pu­blizist. 1948 lud ihn die Gründerin und Herausgeberin der Literaturzeitschrift Botteghe Oscure Marguerite Caetani ein, diese Zeitschrift zu redigieren.
Seit 1957 war er Vizepräsident der Rundfunkanstalt RAI und Präsident von Italia Nostra sowie Dozent für Theatergeschichte an der Accademia nazionale di Arte Drammatica in Rom.
Als Berater des Verlages Feltrinelli gelang es ihm, Der Leopard [ ] von Giuseppe Tomasi di Lampedusa veröffentlichen zu lassen.
Den Gipfel seines schriftstellerischen Ruhms erklomm er aber 1962 mit der Veröffentlichung von Il Giardino dei Finzi-Contini, einem Werk, für das er den Premio Viareggio dieses Jahres erhielt.
Giorgio Bassani starb 2000 nach langer Krankheit in Rom. Er ist in Ferrara auf dem hebräischen Friedhof begraben.

Eine Auswahl seiner Werke
1944: Storie dei poveri amanti e altri versi - Gedichtband
1958: Gli occhiali d'oro ("Die Brille mit dem Goldrand") - Roman
Ferrara 1938: Der Arzt Dr. Fadigati ist bei seinen Mitbürgern hoch­ge­schätzt. Das ändert sich, als er sich zu seiner homosexuellen Neigung bekennt. Dadurch gerät er in Konflikt mit den Faschisten und ins so­zia­le Ab­seits. Durch die Bekanntschaft mit einem jüdischen Studenten lebt Fadigati kurz auf. Doch scheint ein tödliches Ende unabwendbar.
1960: Le storie Ferraresi ("Ferrareser Geschichten") - Erzählungen
Für dieses Buch erhielt Bassani den namhaften Premio Strega.
Mit den fünf Geschichten aus Ferrara setzt Bassani seiner Heimatstadt und ihren Bewohnern ein liebevolles Denkmal: Es ist das kleine Glück in einer bescheidenen Ehe oder das große, unerreichbare; es ist die tiefe menschliche Zuneigung, die auch unter widrigen Umständen ge­deiht und das Versagen des Bürgertums in eben jenen Zeiten, die Bassani in seinem Buch präzise zeichnet.
1962: Il giardino die Finzi-Contini ("Die Gärten der Finzi-Contini") - Roman
Der 1962 erschienene Buch ist Bassanis bekanntester und wohl auch gelungenster Roman. Sein Hauptthema ist der Antisemitismus. Wir erfahren, dass der italienische Faschismus anders als der deutsche Nationalsozialismus ursprünglich keineswegs antisemitisch war. Der Vater des Ich-Erzählers, "Doktor der Medizin und Freidenker, Kriegsfreiwilliger und Faschist mit der Mitgliedskarte von 1919", wird kurzum als "moderner Jude" vorgestellt. Er missbilligt, dass Ferraras vornehmste jüdische Familie, die Finzi-Contini, aristokratisch versippte Großgrundbesitzer, sich dem Werben der faschistischen Partei entzieht, der neunzig Prozent der jüdischen Gemeindemitglieder angehören. Die Finzi-Contini isolieren sich in scheinbarem Hochmut und geben die Isolierung erst auf, als das faschistische Regime die Juden in opportunistischer Gefolgschaft gegenüber Deutschland aus der Partei ausschließt und 1938 seine Rassengesetze erlässt, die das jüdische Leben in Italien lähmen und schließlich zu ersticken drohen. Sie stellen den Tennisplatz ihres Parks den im städtischen Tennisklub nicht mehr geduldeten Juden und deren Freunden zur Verfügung.
1964: Dietro la porta ("Hinter der Tür") - Roman
Erinnerungen an das Schuljahr 1929/30: Bassani hat seinen Freund verloren. Entwurzelt und einsam sucht er nun die Nähe des neuen Mit­schülers Luciano, welcher, von doppelgesichtigem und rätselhaftem We­sen, ihn Zug um Zug in größere Intimität verstrickt.
1968:

L'airone ("Der Reiher") - Roman
Ein großartiger Roman über die Unfähigkeit, mit einer veränderten Welt zurechtzukommen. Nach dem Ende des Faschismus ist die alte bürgerliche Ordnung aus den Fugen geraten. Der italienische Landherr und Rechtsanwalt Edgardo Limentani, 45 Jahre fährt zu einem Jagd­aus­flug. Seine Familie langweilt ihn, seine Landarbeiter proben den Aufstand, mit seinem Neffen, der den Faschisten nahe stand, hat er sich verworfen. Als er endlich am Ziel anlangt und auf einen Reiher schießt, wird er das Gefühl nicht los, er schieße gewissermaßen auf sich selbst.
Der Roman wird manchmal mit James Joyces Ulysses ver­gli­chen, we­gen der psychologischen Tiefe, mit der der Protagonist beschrieben wird.

 
Giorgio Bassani

Finzi-Contini
Die Gärten der Finzi-Contini
von Giorgio Bassani
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)

Giorgio Bassani
Die Brille mit dem Goldrand
Erzählung

von Giorgio Bassani
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)

Giorgio Bassani
Der Reiher
von Giorgio Bassani
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)