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| Nach dem Sieg über
Napoleon wurde auf dem Wiener Kongress (1814-15) die Landkarte
Italiens neu gezeichnet. Die spanischen Bourbonen bekamen
die Vorherrschaft über Neapel-Sizilien, die österreichischen
Habsburger jene über die meisten mittel- und oberitalienischen
Fürstentümer, darunter das als Königreich proklamierte
Lombardo-Veneto als Zusammenschluss der Lombardei
und Venetiens, das Großherzogtum Toskana, sowie die Herzogtümer
Parma und Modena. In der Folge des Kongresses setzte vor allem
in Norditalien die vom österreichischen Staatskanzler
Fürst von Metternich dominierte Restauration ein,
die wichtige Reformen der napoleonischen Ära wieder rückgängig
machte. |
| Ab 1820 kam es aus diesem
Grund auf der italienischen Halbinsel zu bürgerlich-liberalen
Aufständen und revolutionären Erhebungen: Zuerst 1820
im Königreich beider Sizilien, dann 1821 in Piemont. Die
italienischen Revolten wurden jedoch ebenso schnell - im Wesentlichen
von österreichischen Truppen - niedergeschlagen. |
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Organisiert wurden diese Aufstände von einem freimaurerähnlichen
Geheimbund, den Carbonari, die in relativ
kleinen Gruppen revolutionärer Eliten zusammengeschlossen
waren. Die Carbonari verfügten kaum über
eine Basis in der breiteren, vornehmlich ländlichen Bevölkerung,
die in weiten Teilen den Unruhen vorerst noch eher lethargisch
gegenüber stand. Dieser Umstand erleichterte es
den Behörden, viele Gruppen der aktiven Revolutionäre
mit Hilfe von Spitzeln und Denunzianten auszuhebeln oder sie
in ihrer Wirkungskraft zu schwächen.
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| Viele Carbonari
endeten in der Verbannung oder in österreichischen Gefängnissen.
Das war auch das Schicksal des Dichters und Dramatikers Silvio
Pellico, der zur Zeit der Repressionen die Zeitschrift
"Il Conciliatore" (Der Vermittler) redigierte.
Er vermittelte seinen Lesern nicht nur Erkenntnisse über
die neue literarische Richtung, die revolutionäre Romantik,
sondern sympathisierte auch offen mit dem
Programm der politischen Befreiung des Landes. Das reichte dafür,
dass der Chefredakteur und seine Mitarbeiter verdächtigt
und schließlich verhaftet wurden. Pellico war zu dieser
Zeit bereits ein bekannter Autor, dessen Drama "Francesca
da Rimini" zu den erfolgreichsten romantischen
Tragödien gehört. |
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Die Verhaftung von Pellico und Maroncelli
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| 1819 wurde die Zeitschrift
"Il Conciliatore" verboten, was aber Pellico
und seine Freunde nicht davon abhielt, weiter politisch
zu agieren. 1820 wurde Pellico verdächtigt, Mitglied der
"Carboneria" zu sein und zusammen mit Piero
Maroncelli, dem Conte Federigo Confalonieri und anderen
verhaftet. In einem Prozess, der diesen Namen eigentlich
nicht verdient, wurde Pellico 1824 zum Tode verurteilt und bis
zur Vollstreckung des Urteils im ehemaligen Gefängnis der
Dogen von Venedig eingesperrt. Durch einen Gnadenakt des österreichischen
Kaisers Franz I. wurde die Todesstrafe in eine 15jährige
Kerkerstrafe umgewandelt, die Pellico in der Festung Spielberg
(pilberk) bei Brünn in Mähren zu verbüßen
hatte. |
| Als Pellico 1830 mit 41
Jahren vorzeitig entlassen wurde, war er ein gebrochener
Mann; körperlich schwer gezeichnet, lebte er bis an sein
Lebensende zurückgezogen und enthielt sich jeglicher
politischen Aktivität. Mit der Aufarbeitung seiner
Haft, die sich in "Le mie prigioni" niederschlug,
schuf Pellico ein Werk, mit dem er internationalen Ruhm erntete.
Das Buch erschien 1832 in Turin, der Schriftsteller Stendhal
sorgte für seine Herausgabe in Frankreich. |
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Mit "Le mie prigioni" schuf Pellico eines
der wichtigsten Bücher des Risorgimento,
das bis weit nach dem zweiten Weltkrieg in Italien als Schullektüre
empfohlen wurde. Eindringlich schildert er die Umstände
seines Gefängnisaufenthaltes; Wie die Gefangenen
an den Beinen mit Ketten gefesselt waren, mehrmals täglich
gemustert wurden, das ganze erste Jahr in strenger Isolation
lebten, ohne Kontakt mit den anderen haben zu können.
Sie litten an Kälte und Lichtmangel. Die Verpflegung
war miserabel, die Rationen klein. Viele der italienischen
Gefangenen unterlagen Krankheiten und Erschöpfung. Der
Autor ergänzte später sein Werk mit einem kurzen
Traktat "Über die Pflichten des Menschen"
(1835). Im Gefängnis schrieb er außerdem mehrere,
heute vergessene Bühnenstücke.
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Fürst Metternich erkannte die Bedeutung von Pellicos
Buch. Er erklärte, dass das Buch Österreich mehr
schaden würde als eine verlorene Schlacht.
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| Die fortgesetzten Kämpfe
um die Befreiung Italiens beobachtete Pellico nur
noch passiv und distanziert, ihren Sieg in den 1860er Jahren
erlebte er nicht mehr. Silvio Pellico starb im Alter von 65
Jahren am 1. Februar 1854 in Turin. |
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An den Gefängnisaufenthalt der Carbonari in der
Festung Spielberg erinnert eine Gedenktafel aus dem Jahre
1922 an der Burgmauer und ein Denkmal für italienische
Märtyrer, der am Fuße von Spielberg 1925 von dem
Brünner Ausschuss der Dante-Alighieri-Gesellschaft
errichtet wurde. 1998 wurde es mit Finanzunterstützung
der italienischen Regierung renoviert. "Spielberg"
ist nach wie vor ein lebendiger Begriff in der italienischen
Geschichte und ein Wallfahrtsort für italienische Touristen,
die nach Brünn kommen. Nach Pellico ist sogar eine Straße
in Alt-Brünn benannt.
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| Silvio Pellico |
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| Silvio Pellico (Saluzzo,
25 6. 1789 Turin, 31. 1. 1854) war ein italienischer
Patriot, Schriftsteller und Dichter, haupsächlich durch
sein Buch "Meine Gefängnisse" bekannt. |
| Die "Carbonari" |
Die Carbonari (italienisch
für Köhler) waren der bedeutendste Geheimbund
der italienischen Einigungsbewegung des Risorgimento
in den italienischen Staaten des 19. Jahrhunderts.
Zwischen 1815 und 1820 sollen dem Geheimbund mehr als 600.000
Menschen angehört haben.
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Meine Gefängnisse
von Silvio Pellico
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Geschichte Italiens.
Vom Risorgimento bis heute
von Gerhard Feldbauer
(Aufs Bild klicken, um
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