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Die Tatarenwüste (Il deserto dei Tartari)

Als ich dieses Buch von Dino Buzzati vor vielen Jahren las, kamen mir sofort Assoziationen zu den von Franz Kafka erschaffenen Atmosphären: be­drück­end, surrealistisch, Hoffnungslosigkeit suggerierend, aber zugleich stel­len­wei­se fesselnd wie ein Alfred-Hitchcock-Film.

Der Roman "Die Tatarenwüste" (1940) bündelt die wichtigsten Motive von Buzzatis Werk. Die Hauptgestalt, der junge Leutnant Giovanni Drogo, wird in eine entlegene Fes­tung abkommandiert, in das noch unerforschte Bergland an der Nordgrenze eines nicht näher bezeichneten Reiches. Drogo trifft als jun­ger Offizier voller Hoffnungen in der Festung ein, vorerst mit der Absicht, dort nur drei Monate Dienst zu leisten. Er sehnt sich nach Ruhm und glaubt, erst am Anfang eines unermesslich langen Lebens zu stehen.

Das Leben in der Festung weist gespenstische Züge auf. Es ist eintönig und wird geprägt durch die imaginäre Gefahr eines möglichen Überfalls der "Ta­ta­ren", die, der Legende nach, hinter der Wüste leben, obwohl diese geheim­nis­vol­len Feinde kein einziges Mal von jemandem gesehen wurden. Um die quä­lende Sinnlosigkeit der Lage zu ertragen, unterwerfen sich die Soldaten einem komplizierten und absurden Reglement. Jahre vergehen, Giovanni Drogo lässt sich beurlauben, um seine Mutter und eine junge Frau, die er liebt, zu besu­chen. Doch die Welt seiner Kindheit und Jugend ist ihm fremd geworden, er kehrt in die Festung zurück. Viele Jahre später aber geschieht das Un­vor­stell­bare, die Feinde greifen an. Als endlich, nach Jahrzehnten des Wartens, tat­sächlich die­ser Aufmarsch der Tataren erfolgt, ist Drogo am Ende seines Lebens und wird krank aus der Festung gebracht, ohne je wirklich gelebt zu haben.

Es ist die Parabel eines Lebens, das durch Hoffnung und Illusion um seinen Sinn betrogen wird. Der Autor führt uns diese Vergeblichkeit vor Augen, auf ein Ereignis, Ding oder Sache zu warten, in der Hoffnung, das eigene Leben erführe hierdurch die herbeigesehnte Wendung, genauso schildert er, wie der Mensch dem Unausweichlichen letzten Endes doch vollkommen wehrlos ge­gen­übersteht.

Dino Buzzati
Dino Buzzati (1906-1972) gehört zu den bedeutenden Repräsentanten der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Promotion und dem anschlie­ßenden Militärdienst trat er 1928 als Mitarbeiter in die Redaktion der Mai­länder Tageszeitung Corriere della Sera ein, der er, nur unterbrochen durch den 2. Weltkrieg, auch als Chefredakteur bis zu seinem Tode an­ge­hör­te. 1940 machte ihn die Veröffentlichung seines phantastischen Romans Die Tatarenwüste mit einem Schlag auch als Schriftsteller bekannt.
Nach dem 2. Weltkrieg gehörte der Autor, der zum Chefredakteur der Wo­chen­end­beilage Domenica del Corriere [ ] avanciert war, zu den Mit­be­grün­dern des Corriere Lombardo.
1951 konnte er bei einer Ausstellung auch sein Talent als Maler unter Beweis stellen (zuvor hatte er bereits Bühnenbilder geschaffen). 1965 reiste Buzzati nach New York. Gegen Ende seines Lebens illustrierte er in der stilistischen Manier der Pop-Art-Künstler eigene Bücher und schrieb Kunstkritiken für den Corriere.
Darüber hinaus tat er sich in den 1960er Jahren als Zeichner und Texter von Comics hervor (Poema a fumetti, Orphi und Eura, beide 1969). Buzzati starb am 28. Januar 1972 in Mailand an Krebs.
1957 wurde Buzzati mit dem Literaturpreis von Neapel, 1970 mit dem Preis des Paese Sera ausgezeichnet. Der zeitgenössische Schweizer Autor Franz Böni erklärte Buzzati zu seinem großen Vorbild.
Dino Buzzati
Dino Buzzati (1906-1972) war ein italienischer Journalist und Schrift­steller. Neben seinem schrift­stel­le­rischen Wir­ken war er auch Maler, Zeich­ner und Bühnenbildner.

Die Tatarenwüste
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von Dino Buzzati

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