| Michelangelo Antonioni |
| Michelangelo Antonioni
gilt neben Luchino Visconti und Federico Fellini als einer der
kunstvollsten und innovativsten Regisseure des italienischen
Nachkriegskinos. Zeit seines Lebens haben Michelangelo
Antonionis Filme begeisterte Zustimmung aber auch
schroffe Ablehnung erfahren. Denn sie brechen radikal mit der
Tradition des erzählenden Films. Das gezeigte Geschehen
scheint oft ereignislos, die Erzählweise ist offen und
fragmentarisch. Seine Filme wurden oft als zu intellektuell
und abstrakt empfunden. Seine Sujets handeln von der Unbeständigkeit
der Liebe und der Leere des Lebens. |
| Antonionis Leben |
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Michelangelo Antonioni wurde am 29. September 1912 im italienischen
Ferrara als Sohn von Carlo und Elisabetta Antonioni,
in einer Familie des mittleren Provinzbürgertums,
geboren. Er studierte in Bologna Wirtschaft und während
des Studiums sammelte er einige Theatererfahrungen und schrieb
bis zum Jahr 1939 als Filmkritiker für den "Corriere
Padano". 1939 ging er nach Rom, "um sein Leben
dem Film zu widmen". Er wurde als Redakteur für
die Filmzeitschrift "Cinema" tätig, die von
Mussolinis Sohn Vittorio herausgegebene, offizielle Filmzeitschrift.
In den 40er Jahren erschienen hier auch die oft zitierten
Würdigungen faschistischer und antijüdischer Propagandafilme,
die Antonioni später viel Kritik einbrachten. In Rom
schrieb er sich auch für einige Monate ins "Centro
Sperimentale di Cinematografia" ein, die römische
Filmhochschule. Seine ersten Entwürfe für Drehbücher
entstanden in jener Zeit. Dort traf Antonioni verschiedene
Künstler, mit denen er später zusammenarbeiten sollte,
darunter Roberto Rossellini.
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| 1943 gelang es ihm, seinen
ersten Kurzfilm zu beginnen, "Gente del Po",
der allerdings erst 1947 beendet und gezeigt werden konnte.
Der neunminütige Film stellte jedoch ein wegweisendes Erstlingswerk
des Regisseurs dar, das in seinem Stil bereits auf den Neorealismus
des italienischen Nachkriegsfilms verwies. |
| Seinen ersten Spielfilm
drehte er im Jahr 1950. Doch der Film "Cronaca di un
amore" hatte nur einen mäßigen Publikumserfolg.
Auch die Spielfilme "Le amiche" (1955), "Il
grido" (1956/57) und "Lavventura"
(1959) entstanden unter erheblichen finanziellen Schwierigkeiten,
durch die der unbequeme Drehbuchautor und Regisseur in eine
permanente Auseinandersetzung mit den italienischen Filmproduzenten
geriet. |
| "Lavventura"
brachte ihm jedoch den Durchbruch als erfolgreicher Filmautor
und Regisseur, nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich.
Zwei Jahre später erschien "La notte"
mit Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau in den Hauptrollen,
der ihm auf den Filmfestspielen von Berlin den Silbernen Bären
einbrachte. |
| 1962 folgte der Film "L'eclisse"
mit Alain Delon. Für "Il deserto rosso"
erhielt Antonioni im Jahr 1964 den Goldenen Löwen der Biennale
von Venedig. |
| Der 1966 in London gedrehte
Film "Blow up" wurde zu seinem kommerziell
erfolgreichsten Werk dar, für das er auf den Filmfestspielen
von Cannes die Goldenen Palme bekam. Der 1970 in den USA entstandene
Film "Zabriskie Point", eine Hommage an die
68er-Bewegung, wurde dagegen kein Kassenerfolg und auch
von der Kritik ambivalent beurteilt. |
| Weitere Erfolge feierte
Antonioni 1973 mit "Professione: reporter".
In den 1980er und 1990er Jahren brillierte er außerdem
als Schriftsteller und Maler. 1983 veröffentlichte er seinen
Erzählband. 1985 erlitt Antonioni einen Schlaganfall,
dessen Folgen ihn an den Rollstuhl fesselten und ihm bis zu
seinem Tod nur die Realisierung von Kurzfilmen oder kurzen Reisedokumentationen
erlaubten. |
| Im Jahr 1992 erhielt er
mit der Ernennung zum Cavaliere die höchste staatliche
Auszeichnung Italiens und 1993 die Auszeichnung der Europäischen
Filmakademie für sein Gesamtwerk. 1986 trug Antonioni aufgrund
seines Gesundheitszustandes nur noch gelegentlich als Drehbuchautor
oder als Regisseur für Fernsehdokumentationen zum italienischen
Film bei. |
| Die letzte große
Regiearbeit Michelangelo Antonionis datiert von 1995: Den Film
"Al di là delle nuvole" drehte er in
Co-Regie mit Wim Wenders. |
| Am 30. Juli 2007 verstarb
Antonioni im Alter von 94 Jahren in Rom. |
| Antonionis Werk |
| Einige seiner frühen
Filme werden stark mit dem italienischen Neorealismus assoziiert.
Darin beschäftigte sich Antonioni mit der Nachkriegsgesellschaft,
der menschlicher Isolation, aber auch mit dem Ausbruch aus den
Konventionen. Während sich jedoch der reine Neorealismus
mit den Problemen der einfachen Menschen beschäftigt, kehrt
Antonioni dieses Motiv um. Seine Anfang der 1960er Jahre entstandenen
Filme "L'avventura" (1960), "La notte"
(1961) und "L'eclisse" (1962), handeln vor
allem von der inneren Entfremdung und Zerrissenheit der Protagonisten,
die ausschließlich in den oberen Gesellschaftsschichten
verkehren. |
| Ein weiteres Thema war
für ihn die Möglichkeit der Medien, Dinge zu zeigen
und gleichzeitig zu hinterfragen, wie in seinem bekanntesten
Film "Blowup", in dem ein Fotograf auf einem
seiner Negative eine Leiche zu sehen glaubt und dem Fall nachgeht. |
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Antonioni beschrieb sich selbst als marxistischen Intellektuellen.
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| Filmographie (Auswahl) |
| 1950: Cronaca di un
amore (Chronik einer Liebe) |
| 1952: I vinti |
| 1953: La signora senza
camelie |
| 1955: Le amiche
(Die Freundinnen) |
| 1957: Il grido (Der
Schrei) |
| 1960: L'avventura
(Die mit der Liebe spielen) |
| 1961: La notte (Die
Nacht) |
| 1962: L'eclisse
(Liebe 1962) |
| 1964: Il deserto rosso
(Die rote Wüste) |
| 1966: Blowup (Blow
Up) |
| 1970: Zabriskie Point
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| 1972: Chung Kuo Cina
(Antonionis China) |
| 1975: Professione: Reporter
(Beruf: Reporter) |
| 1980: Il mistero di
Oberwald (Das Geheimnis von Oberwald) |
| 1983: Identificazione
di una donna (Identifikation einer Frau) |
| 1995: Al di là
delle nuvole (Jenseits der Wolken) |
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