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Letizia Battaglia

Letizia Battaglia ist eine italienische Fotografin, bei der die menschliche An­teil­nahme und der Respekt vor den Fotografierten die wichtigsten Arbeits­grund­la­gen sind. Als ihre Berufsbezeichnung gab sie einmal an: "Fotografa mili­tan­te", was etwa mit "kämpferische Fotografin" übersetzt werden kann. In An­be­tracht dessen, dass ihr Familienname "Battaglia" wörtlich übersetzt "Kampf" bedeutet, ist dass ein bemerkenswerter Zufall. Sie wurde hauptsächlich da­durch be­kannt, dass sie das Leben in Sizilien und die Ver­bre­chen der Mafia doku­men­tierte. Ein großer Teil ihrer Bilder zeigen blutige Tatorte, Mafia- Opfer und die Aussichtslosigkeit vieler sizilianischer Schicksale.
Aber Letizia Battaglia ist nicht nur die "Fotografin der Mafia". Mit ihren meis­tens in einem ausdruckstarken Schwarzweiß aufgenommenen Bildern hatte sie sich das Ziel gesetzt, die Stadt Palermo zu beschreiben: mit all ihrem Glanz und ihrem Elend, ihren Mafia-Toten aber auch ihren Traditionen, den Bilcken ihrer Kinder und Frauen, den Stadtvierteln, den Festen, den Facetten des täg­lichen Lebens und all den Gegensätzen.
Fotos von Letizia Battaglia auf der
Website der Amsterdamer Galerie Metis_N []
Letizia Battaglia kam 1935 in der sizilianischen Hauptstadt Palermo auf die Welt, wuchs aber bis zum achten Lebensjahr in Triest auf. Als sie zurück nach Palermo kam, war das für sie ein Schock, denn sie kehrte in eine Welt zu­rück, in dem es klare Vorstellungen und gesellschaftliche Vorgaben gab, wie sich eine Frau zu verhalten hatte. Ihr despotischer Vater schickte sie in die Klosterschule und sperrte sie nachmittags zu Hause ein. Das war da­mals so üblich. Mädchen durften in Sizilien nicht im Freien spielen.

Um dieser Trostlosigkeit zu entfliehen, heiratete sie bereits mit 16 Jahren. In gewissem Sinne kam sie vom Regen in die Traufe. Ihr Ehemann war Erbe einer regionalen Kaffeeröster-Fabrikantenfamilie und verkörperte den ty­pi­schen sizilianischen Macho, so dass Letizia (zu Deutsch "Heiterkeit") das triste Leben einer angepassten Ehefrau und Mutter führen musste. Der Wunsch zu studieren wurde ihr von ihrem Mann verwehrt. In dieser Ehe zog sie drei Töchter groß. Nach fünfzehn Jahren als "der Tradition angepasste Ehefrau“ brachte ein psychischer Kollaps die Wende. Sie beschloss, ihr Leben völlig neu zu gestalten. Sie verließ ihren Ehemann, nahm die Kinder mit, zog nach Mailand und begann noch einmal ein völlig neues Leben. Zunächst als Jour­na­listin. Zur Fotografie kam sie fast zufällig, weil Fotos gefordert wurden.

In Mailand lernte sie Franco Zecchin kennen, der deutlich jünger war, aber in den folgenden 19 Jahren sowohl ihr Arbeits- als auch Lebenspartner wurde. 1974 kehrte sie als Chef-Fotografin bei der linken Tageszeitung L’Ora mit ihm nach Palermo zurück. Von 1974 bis 1990, als die Tageszeitung aus wirt­schaft­lichen Gründen aufgeben musste, folgte eine sehr intensive Lebensphase im Dienst des Fotojournalismus.

Artikel über Letizia Battaglia in der FAZ []
Dies war in Palermo die Zeit der blutigsten Mafiakriege um die Vorherrschaft unter den verschiedenen Clans der Cosa Nostra []. Letizia Battaglia hörte ständig den Polizeifunk ab und war daher immer eine der Ersten am Schau­platz der Schießereien. Zeitweise gab es beinahe jeden Tag mehrere Tote, manchmal fünf verschiedene Fälle am selben Tag.
Battaglia schuf damals rund 600.000 Schwarzweißaufnahmen, welche die in­ter­nen Kriege der Banden ebenso wie ihre Durchdringung und Wirkung auf die Zivilgesellschaft dokumentierten. Battaglia und Zecchin lieferten den inter­nationalen Medien die repräsentativen Bilder der Mafia-Gewalttaten. Sie emp­fand sich manchmal wie ein bewegliches Leichenschauhaus. "Suddenly I had an archive of blood“ äußerte sie einmal in einem Interview.
Letizia Battaglia setzte sich auch in der Umwelt- und Kommunalpolitik ein. Für ein paar Jahre wechselte sie hauptberuflich in die Politik, weil sie ihr Anliegen "eines von der Mafia befreiten Italiens" damit besser voranbringen zu können glaubte. Sie war unter Leoluca Orlando [] im Stadtrat Palermos tätig und Abgeordnete der Anti-Mafia-Partei La Rete.
Trotz ihrer tiefen sizilianischen Wurzeln, kehrte Letizia Battaglia aus Ent­täu­schung über das Wiedererstarken der Mafia in Sizilien ihrer Heimatstadt den Rücken, um in Paris zu leben. 2005 kam sie jedoch wieder nach Palermo.
2006, anlässlich des Festivals Sguardi altrove (in Mailand), wurde der Doku­men­tarfilm "Battaglia - una donna contro la mafia" ("Battaglia, eine Frau gegen die Mafia"), den Daniela Zanzotto für das Schweizer Fernsehen gedreht hatte, gezeigt. In Wim Wenders’ Film Palermo Shooting (2008) hatte sie einen Kurzauftritt.
Letizia Battaglia, die ihre Bilder als Waffe und als Zeugnis der Kriminalität eingesetzt hat, ist mehrmals bedroht worden, sie musste ihren Buchladen auf Sizilien wegen Schutzgelderpressung schließen und ihre Arbeit wird in Sizilien totgeschwiegen. Anerkennung bekam sie hauptsächlich außerhalb von Italien: 1985 den “Grant in Humanistic Photography“, 1999 den Photography Lifetime Achievement des International Fund for Documentar Photography“, 2007 wurde sie mit dem deutschen Erich-Salomon-Preis ausgezeichnet.
 

Letizia Bataglia mit Franco Zecchin
Foto von "Esculapio" (Wikipedia) Creative Common-Lizenz

Letizia Battaglia
Letizia Battaglia:
Passion, Justice, Freedom-Photgraphs of Sicily

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Letizia Battaglia
Das Palermo-Projekt
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Palermo Shooting
Palermo Shooting
von Wim Wenders

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