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Guido Crepax
Guido Crepax gehört mit Sicherheit zu den faszinierendsten Gestalten der europäischen Comicszene. Der Italiener, der mit seinen feinen Feder­zeich­nun­gen einige der erotischsten Comic-Bände überhaupt schuf.
Er war in den 1960er Jahren einer der ersten und bedeutendsten Prota­go­nis­ten des europäischen "Erwachsenen-Comic", jener Spielart des Mediums, in der die Ikonografien des Pop und der marxistischen Revolutionen zur Bil­der­sprache der neuen Gegenkulturen wurden. Berühmt wurde in den vor allem mit "Valentina". Die legendäre Frauenfigur, für das Magazin "Linus" entwickelt, hat mit ihren Aben­teuern ganze Generationen von Comic-Lesern begeistert. Inspiriert wurde Crepax zu seiner raffiniert-erotischen Schönen mit den dem schwarzen Pa­gen­kopf durch den Stummfilmstar Louise Brooks. Auch in den Abenteuern von Valentina fanden sich oft Zitat und Anspielungen aus der Welt des Films.
Bei Crepax waren es Dandy-Spione ("Neutron") und stiefeltragende Revo­lu­tio­närinnen ("Valentina"), die zum Kampf gegen das vergreiste Bürgertum bliesen und für die Befreiung des Sexes.

Neben Comic-Adaptionen einiger Klassiker der erotischen Literatur ("Die Ge­schichte der O." oder "Emanuelle") sind unter Crepax Arbeiten auch die Zwil­lings­alben "Der Mann aus Pskov" und "Der Mann aus Harlem" her­vor­zuheben, die als eine der "genauesten Studien des Zusammenhangs von Gewalt, Ge­schichte und Kunst" im Comic überhaupt gelten.

Geboren am 15. Juli 1933 in Mailand, wuchs Guido Crepax zunächst in Mailand auf. Nach dem Besuch eines naturwissenschaftlichen Gymnasiums studierte er in Mailand Architektur und promovierte dort 1958. Nebenbei arbeitete er als Illustrator von Buch­um­schlä­gen und Schallplattenhüllen.
1957 zeichnete er Plakate für eine Anzei­gen­kam­pa­gne des Ölkonzerns Shell die in Italien eine be­deu­ten­de Auszeichnung gewann. Danach arbeitete Cre­pax für unterschiedliche Werbeagenturen und Zeit­schriften, unter anderem entwarf er 200 Titelbilder für die medizinische Fachzeitschrift Tempo Medico.
In der zweiten Ausgabe der Comic-Zeitschrift Linus begann er 1965 die Comicserie Neutron, eine Su­per­heldengeschichte. Die Hauptfigur, der mit über­sinn­lichen Fähigkeiten ausgestattete Kunstkritiker Philipp Rembrandt, wurde aber schon bald von der ursprünglich als Nebenfigur konzipierten Fotografin Valentina verdrängt, die der Serie ab 1967 den Namen gibt. Parallel wird die ursprüngliche Handlung zunehmend von der Aneinanderreihung von Erotik- und Bondage-Szenen abgelöst. Da Crepax, der "Hel­mut Newton der Comics", dabei die Stilelemente der Illustration der 1960er und 1970er Jahre, insbe­son­dere die der Pop-Art, mit einer Eleganz ver­ar­bei­tete, wie das keinem anderen Comiczeichner ge­lang, ist er in seinem Genre bis heute der un­an­ge­fochtene Spitzenreiter. Mit seinen expliziten Adap­tio­nen der Klassiker der erotischen Literatur ("Ge­schich­te der O" von Pauline Reage, "Venus im Pelz" von Leopold von Sacher-Masoch, "Emmanuelle" von Emmanuelle Arsan und "Justine" vom Marquis de Sade) konnte er diesen Ruf noch ausbauen und auch finanziell auswerten. 1973 war zudem eine Valen­ti­na-Episode unter dem Titel "Baba Yaga" verfilmt worden.
Die Serie Valentina machte Crepax international bekannt. Ihr folgten die Heldinnen Bianca und Anita. Ab 1973 widmete sich Crepax der Umsetzung literarischer Vorlagen. Für die französische Sach-Comic-Reihe La Découverte du Monde steuerte er die Bände über Francis Drake und Charles Darwin bei. In der Folge beschäftigte er sich über­wie­gend mit weiteren Adaptionen, Mary Shelleys Frankenstein war 2002 seine letzte Veröffentlichung.
Crepax fertigte über­wie­gend schwarz-weiß-Zeichnungen, die sich sehr an den Elementen der Pop-Art orientierten, wo­bei er aber eine eigene Bildsprache ent­wickelte. Er benutzte aus dem Film be­kannten Techniken der Bildmontage, und übernahm in seinen Comics Effekte wie Zoom, Kameraschwenks. Letztere si­mu­lierte er mittels Bildhäufungen. Häufig zeigte er Nahaufnahmen, teilte seine Fi­guren auf und zeigte jeweils Details oder Körperteile in Einzelbildern.
Immer wieder wurden Comics von Guido Crepax von der Bundesprüfstelle für ju­gend­gefährdende Medien auf den Index gesetzt. 1983 erfolgte dies für Jus­tine, 1987 für Venus im Pelz.

Guido Crepax starb am 31. Juli 2003 in seiner Geburtsstadt Mailand.

Auswahl-Bibliografie
- "Neutron" (1965-1967)
- "Valentina" (1967-1991)
- "Anita" (1972-1980)
- "Die Geschichte der O." (1974)
- "Venus im Pelz" (1976)
- "Der Mann aus Pskov" (1977)
- "Der Mann aus Harlem" (1978)
- "Emmanuelle" (1978)
- "Justine" (1979)
- "Die Geschichte der O." - Teil 2 (1984)
- "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" (1986)
- "Julia" (1989)
 
Valentina

Valentina
Valentina in Nadelstreifen
von Guido Crepax

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