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| Salvatore Giuliano |
| Salvatore Giuliano
und seine Bande kosteten Italien - so die offiziellen Statistiken
- das Leben von 149 Personen: 42 Zivilisten und 86 Carabinieri
und Polizisten. Dabei wurden die "geringeren" Vergehen
nicht mitgezählt: 172 versuchte Morde, 46 Personenentführungen,
unzählige Verletzte bei drei Blutbädern. |
| Salvatore ("Turiddu")
Giuliano (1922 in Montelepre, Sizilien, geboren, am 4. Juli
1950 in Montelepre gestorben) wurde im Italien der ersten Nachkriegszeit
als "Der Bandit" bekannt. In Sizilien wird il bandito
Giuliano heute noch als Volksheld gefeiert, da er das Geld
und die Lebensmittel, die er auf seinen Beutezügen erwarb
an die armen Bauern und die hilflose Landbevölkerung verteilte
und nichts für sich behielt. |
Salvatores Familie war kurz vor
seiner Geburt aus Brooklyn wieder nach Montelepre, dem Heimatdorf
der Eltern, zurückgekehrt, obwohl damals in Sizilien, besonders
auf dem Land, große Armut herrschte. Die Menschen hatten
kaum zu essen und der Schwarzmarkt, von dem die Meisten ihre
Lebensmittel bezogen, florierte. Der Handel auf dem Schwarzmarkt
war für viele die einzige Möglichkeit, die Familie
zu versorgen.
Die Lebensumstände verschlechterten sich zunehmend, der
Staat sorgte für die Verteilung von Getreide, um für
die Krise gewappnet zu sein. Die Bauern mussten ihre Erträge
abgeben und mit den "Essensmarken" auskommen.
Es war ihnen verboten, Getreide zu verstecken, wie auch Getreidemühlen
privat zu betreiben. Es gelang den Bauern zwar immer wieder,
einen Teil der Getreideernte zu verstecken, aber es gab dennoch
nie genügend Mehl. |
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Am 2. September 1943 ereignete sich der Vorfall, der sein
gesamtes Leben bestimmen würde. Giuliano war mit einem
mit zwei Getreidesäcken beladenen Esel unterwegs
nach Montelepre, als er auf eine Patroullie aus zwei Landwächtern
und zwei Carabineri stieß, die ihn für einen Schmuggler
hielten. Sie nahmen ihm die Mehlsäcke ab und wollten
ihn verhaften. Giuliano versuchte zu fliehen, worauf
die Carabinieri sechs Schüsse auf ihn abgaben. Zwei davon
trafen ihn in der Huefte und verletzten ihn schwer. Giuliano
schoss zurück und traf einen der Carabinieri, tödlich.
Einen Monat lang kämpfte Giuliano um sein Leben. Er überlebte,
konnte aber nicht mehr zurück ins Dorf und musste in
den Bergen untertauchen.
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So begann Salvatore Giuliano
seine Karriere als Bandit, so wurde er zu jener legendären
Gestalt, die, je nach Gesichtspunkt, als die eines Banditen
oder eines Partisans beschrieben wurde.
Er wurde der Protagonist einer 1943 begonnenen Guerilla gegen
den Staat, genau in dem Jahr, als die Invasion Siziliens durch
die Alliierten stattgefunden hatte. |
| Seine Bande unterschied sich von
Anfang an von all den anderen Gesetzlosen, die in
den ersten Nachkriegsjahren den Westen Siziliens heimsuchten.
Es war gerade die "politische" Orientierung von "Turiddu"
Giuliano, die den Unterschied ausmachte. Der Separatismus
als ideologische Basis für einen erbarmungslosen
Kampf gegen den Staat. |
1942
war in Sizilien eine Unabhängigkeitsbewegung
gegründet worden, der Bund MIS / Movimento Indipendentista
Siciliano (Freiheitsbewegung für ein unabhängiges
Sizilien), welcher die Loslösung vom italienischen
Staat forderte und sogar für eine Angliederung an die USA
plädierte. Die Linke des Movimento wurde vom Kommunisten
Antonio Canepa geführt, die Rechte war mit
Mafia und Großgrundbesitzern im Bunde.
1945 wurde der militärische Arm des MIS gegründet,
der EVIS / Esercito Volontario per l'Indipendenza della Sicilia
(Freiwillige Armee für die Unabhängigkeit
Siziliens).
AM 17. Juni 1945 starb Canepa in einem Schusswechsel mit
den Carabinieri, unter nie geklärten Umständen. Mit
seinem Tod bekam der konservative Zweig des MIS die Oberhand. |
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Im Februar 1944 befreite Giuliano acht Inhaftierte aus dem
Gefängnis von Montelepre. Mit ihnen bildete er seine
erste Guerillagruppe.
1945 vereinte er seine Kräfte mit jenen von EVIS und
wurde dessen Kommandant. Er startete eine Reihe
von Angriffen gegen Kasernen und bestritt mehrere
Kämpfe unter sizilianischer Flagge.
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Der bewaffnete Krieg,
auch wenn er sein Ziel einer Loslösung von Italien nicht
erreichte, schaffte die Prämissen, die den italienischen
Staat zu Verhandlungen zwangen und schließlich
zu einem großen Maß an Autonomie für Sizilien
führte. De Gasperi nutzte, als weiser Politiker, die Gelegenheit,
um die Zeitbombe der separatistischen Ideologie zu entschärfen,
die sonst auf die Dauer den Bestand des Staates selbst unterminiert
hätte.
Sizilien wird, wie auch Südtirol und Aosta, zu einer autonomen
Region Italiens mit umfassenden Selbstverwaltungsrechten. |
| Das sizilianische Volk
begrüßte die Entscheidung mit Begeisterung und die
Popularität Salvatore Giulianos erreichte den höchsten
Punkt. Er wurde "das Symbol der südlichen Rebellion"
und wegen seiner Großzügigkeit wurde er der "der
sizilianische Robin Hood" genannt. |
| Die Bewegung MIS verschwand
von der politischen Szene nach den ersten Regionalwahlen
am 20 April 1947, wo sie nur 8,8% dei Wählerstimmen bekam.
Der militärische Arm EVIS war schon vorher aufgelöst
worden. |
Nur Salvatore Giuliano
weigerte sich, die Waffen aufzugeben und reklamierte eine Amnestie
für sich und seine Gefolgschaft.
Dann kam der 1. Mai 1947. Als die "Neue Linkspartei"
ihren Parteitag feierte, wurden von Giulianos Leuten Schüsse
in die Menschenmenge abgefeuert. Elf Personen wurden dabei getötet
und über dreißig schwer verletzt. Dieser Vorfall
wurde unter dem Namen "Das Blutbad an der Portella della
Ginestra" bekannt. |
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War
Giuliano für das Massaker von Portella della
Ginestra verantwortlich? Darüber liest
man immer entgegengesetzte Meinungen. Die einen
verteidigen ihren Helden und behaupten, der Schussbefehl sei
nicht von Giuliano gekommen, sondern von einem Bandenmitglied,
der ihn verraten hatte.
Andere Deuter sehen im Massaker den Beweis, dass Giuliano
den Interessen der großen Landbesitzer und Viehzüchter,
sowie der Gegner der Entstehung einer Bauernbewegung in Sizilien
diente.
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| Leider wurden die Ermittlungen
von einem Teil der Regierung um den damaligen Innenminister
Mario Scelba behindert, damit der Verdacht auf ein politisch
gesteuertes Verbrechen von Anfang an auszuschließen sei.
Statt dessen wurde die gesamte Schuld der Bande Giuliano zugeschrieben,
dessen ungeachtet, dass der Bericht der Carabinieri als mögliche
Hintermänner "reaktionäre Elemente, die mit der
Mafia unter einer Decke steckten" nannte. |
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Nach diesem Massaker griff die Regierung durch und verhaftete
Giulianos Leute bis auf Giuliano selbst, der noch untertauchen
konnte.
Am Abend des 4. Juli 1950 wurde Salvatore Giuliano in einem
Hinterhof in Castelvetrano mit mehreren Schusswunden tot aufgefunden.
Es gab viele Gerüchte über Giulianos Mörder,
aber er wurde nie gefasst.
Hat sein Mitstreiter und Neffe Gaspare Pisciotta ihn im Auftrag
der Mafia getötet'?
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| Gaspare Pisciotta wurde
verhaftet und vor Gericht gestellt. Er kündigte an, die
Hintermänner von Portella delle Ginestra und Giulianos
Mörder zu nennen. Kurz darauf wurde er im Gefängnis
tot aufgefunden, vergiftet durch einem Kaffee mit Strychnin.
Das war 1954, 4 Jahre nach Giulianos Tod. |
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| Der
Sizilianer |
| Der sizilianische
"Robin Hood" Salvatore Giuliano führt einen
blutigen Befreiungskampf gegen Polizei, Mafia, Kirche und
Adel, gegen das gesamte Establishment Siziliens also, um
die Unabhängigkeit der Insel zu erreichen. Vom Volk geliebt,
vom Staat verfolgt, kämpft er auch gegen Verräter
in den eigenen Reihen. Auf so eine amerikanisch-kitschige
und unzulässig romantisierte Weise - die geschichtlichen
Tatsachen sind ganz andere - wird seine Geschichte von Michael
Cimino im Film "Der Sizilianer" (1987) dargestellt. |
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Salvatore Giuliano
und die Sicilianita
zwei sizilianische Mythen
von Daniela Sacca Reuter
(Mauszeiger aufs Bild positionieren, um das Buch zu bestellen)
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Der Sizilianer
von Mario Puzo
(Mauszeiger aufs Bild positionieren, um das Buch zu bestellen)
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Geschichte Siziliens
und der Sizilianer.
von M. Finley,
D. Mack Smith,
C. Duggan
(Mauszeiger aufs Bild positionieren, um das Buch zu bestellen)
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