Geschichte | Persönlichkeiten | Film/Medien/Musik | Literatur/Presse
  Landschaften | Essen & Trinken | Kunst/Architektur | Wissenswertes
  
 

Leoluca Orlando

Leoluca Orlando (geboren am 1. August 1947 in Palermo) ist ein italienischer Jurist und Politiker, der von 1985 bis 2000 mit kurzer Unterbrechung Bür­ger­meis­ter von Palermo war, sowie auch Abgeordneter des sizilianischen, ita­lie­nischen und europäischen Parlaments. Durch seinen Kampf gegen die Mafia wurde Orlando international bekannt und muss seitdem unter permanentem Personenschutz leben.

Orlando, dessen Vater Jurist war und dessen Mutter aus altem sizilianischem Adel stammte, studierte Rechtswissenschaft in Palermo, Heidelberg und Eng­land. Danach war er an der juristischen Fakultät der Universität Palermo Professor für Öffentliches Regionalrecht.
Ab 1978 war Orlando ein Berater der Mittelmeerländer in der OSZE und zu­gleich auch juristischer Berater des Präsidenten der Region Sizilien, Pier­san­ti Mattarella, bis dieser 1980 von der Mafia ermordet wurde. Die Bluttat hinter­ließ einen tiefen Eindruck bei dem auf Gerechtigkeit und Menschenwürde orientierten katholischen Rechtsanwalt.
Nachdem Orlando 1985 auf der Liste der DC (Democrazia Cristiana) zum Ober­bür­germeister Palermos gewählt worden war, initiierte er ein poli­ti­sches und wirtschaftliches Reformprogramm, das sich vor allem gegen die Mafia rich­te­te. So sollten vor allem diejenigen Firmen, die unter dem Verdacht einer Mafia-Kontrolle standen, von kommunalen Aufträgen ausgeschlossen werden.
Orlandos Ziel war jedoch auch eine parteiinterne Reform der DC, die zu­neh­mend der Korruption verfallen war und die mit der Mafia zusammenarbeitete. 1990 gelang Orlando trotz des Boykotts einiger Parteifreunde seine Wie­der­wahl zum Stadtrat. Er wurde aber von der DC nicht als Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat aufgestellt. Deshalb sah er sich gezwungen, aus der Partei auszutreten, um mit "La Rete – Movimento per la Democrazia" ("Das Netz – Bewegung für Demokratie") eine eigene Partei zu gründen. 1991 wurde er zum Abge­ord­ne­ten ins sizilianische Regionalparlament und 1992 dann in den Wahlbezirken von Nord-, Mittel- bis Süditalien ins Nationalparlament gewählt.
1993 wurde Orlando bei den ersten in Italien direkt abgehaltenen Bür­ger­meis­ter­wahlen im ersten Wahlgang mit 75% der Stimmen zum Oberbürgermeister von Palermo gewählt und setzte unverzüglich seine Reformen fort, um die ökonomischen Interessen der Mafia-Clans aus der Stadt­ver­wal­tung von Pa­lermo zu entfernen. Es gelang ihm, den Prozess des Aus­schlie­ßens von kom­munalen Aufträgen von jenen Firmen. die den Mafia-Clans nahe standen, fortzuführen. Dabei sah er sich mit diversen Schwie­rigkeiten kon­fron­tiert, da er der Kontrolle und dem Veto jener politischer Kräfte, die von der Mafia abhängig waren, ausgesetzt war.
In den folgenden beiden Amtsperioden (1997 wurde er mit 59% im Amt be­stätigt) führte Orlando als Oberbürgermeister von Palermo bis 2001 seinen Kampf gegen die Mafia fort. Die Stadt erlebte einen ungeahnten Aufschwung in wirtschaftlicher Hinsicht und auch auf kulturellem Gebiet. Zeitweise trug die sichtbare Präsenz der italienischen Nationalarmee, die auf den Straßen Pa­lermos zum Objektschutz eingesetzt wurde, dazu bei, die sizilianische Stadt zur sichersten Stadt Italiens zu machen, wie es das erklärte Ziel ihres Bür­ger­meisters war. Die Aufbruchstimmung dieser Zeit ging als "Primavera di Pa­lermo" (Frühling von Palermo) in die Annalen der Stadt ein.
Von 1994 bis 1999 war Orlando außerdem Abgeordneter im Europäischen Parlament, wo er der Grünen-Fraktion angehörte. Im Dezember 1999 wurde er zum Vorsitzenden des "Istituto per il Rinascimento Siciliano" berufen. Der Mafia-Jäger entwickelte sich zu einem international gefragten Experten in der Bekämpfung der organisierten Kriminalität.
Orlandos Kampf gegen die Mafia bedrohte war lebensbedrohlich. Er soll über viele Jahre hinweg an erster Stelle auf einer "Abschussliste" der Mafia ge­stan­den haben. Sein Festhalten an der Bekämpfung der organisierten Kri­minalität und Korruption konnte schließlich auch Erfolge bei der Überwindung der so genannten "omertà" erreichen, des "Gesetz des Schweigens".
In einem "Kampf der Frauen" fand Orlando ungewöhnlich breite Unterstützung unter den Frauen Palermos. Sie boten ihm ihre eigenen Kinder zur Begleitung auf seinen Autofahrten an - damit die Mafia wisse, dass ein Bombenanschlag auf seinen Wagen auch unschuldige Kinder treffen würde. Das hätte sich auch die Mafia nicht erlauben können. Orlando nahm das Angebot jedoch nicht an.
Im Dezember 2000 trat er von seinem Amt als Oberbürgermeister zurück, um sich als Kandidat für die Regionalwahlen im Juni 2001 bewerben zu dür­fen. Er unterlag zwar mit 36,6 zu 59,1% der Stimmen dem Berlusconi nahe stehenden Mitte-Rechts-Kandidaten Salvatore Cuffaro, erreichte aber einen persönlichen Erfolg, da er über 200.000 Stimmen mehr als die ihn unter­stütz­ende Koalition erhielt. Damit wurde er Oppositionsführer.
Der mutige Politiker und Jurist veröffentlichte zahlreiche rechts­wis­sen­schaft­liche Werke und Abhandlungen gegen die Mafia wie etwa "Palermo" (1990) und "Orlando, un uomo contro" (1999). 2002 veröffentlichte er seine Auto­bio­grafie "Ich sollte der Nächste sein" und zuletzt auch eine Sammlung von Er­zählungen unter dem Titel "Der sizilianische Karren".
Im Juni 2005 wurde Orlando in Osnabrück der Erich-Maria-Remarque-Frie­dens­preis 2005 verliehen. 2006 wurde er ins italienische Parlament gewählt.

Bei den Kommunalwahlen im Mai 2007 bewarb sich Orlando erneut für das Bür­germeisteramt von Palermo, verlor aber knapp gegen einen Vertreter des Mitte-Rechts-Bündnisses. Orlando sprach von Wahlbetrug und forderte ohne Erfolg von Innenminister Giuliano Amato die Annullierung der Wahl. Beobachter werteten diese Niederlage weniger als einen Sieg des rechten Ge­genkandidaten, denn als Triumph des "Berlusconismus", der eine Abwendung von der Gemeinschaft bedeutet, hin zur einer egoistischen Bevorzugung der eigenen kurzfristigen Vorteile.

Orlando ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
 

Mafia

Mafia [] war ursprünglich die Be­zeich­nung für einen streng hierar­chi­schen Geheimbund, der seine Macht durch Erpressung, Gewalt und poli­ti­sche Einflussnahme zu festigen und aus­zu­bauen versucht und seine Wur­zeln im Sizilien des 19. Jahrhunderts hatte. Heute wird dieser Begriff oft als Sam­mel­begriff für "Organisierte Kri­mi­na­li­tät" verwendet.

Leoluca Orlando

Mafia
Die Mafia
von Leoluca Orlando

(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)

Mafia
Ich sollte der nächste sein
von Leoluca Orlando

(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)

Mafia
M wie Mafia
von Andrea Camilleri
[]
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)

Palermo
Palermo sehen und sterben
von Roberto Alajmo

(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen)