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Roberto Rossellini
Roberto Rossellini (1906 - 1977) war einer der Pioniere der Filmrichtung des "Neorealismus"
Der Italienische Neorealismus (ital. Neorealismo) bezeichnet eine Epoche der Filmgeschichte und der Literatur Italiens von 1943 bis Mitte der 1950er Jahre. Der Neorealismus entstand noch während der Zeit des Faschismus und wurde von italienischen Literaten, Filmautoren und Regisseuren initiiert, darunter Roberto Rossellini, Luigi Zampa, Luchino Visconti, Federico Fellini und Vittorio De Sica. Die Filme des Neorealismus sollten die ungeschminkte Wirklichkeit zeigen; das Leiden unter der Diktatur, die Armut und die Unterdrückung des einfa­chen Volkes.
Im bürgerlichem Milieu als Sohn eines Architekten aufwachsend, kam er durch seinen Vater, der das erste Kino in Rom erbaut hatte, schon früh in Berührung mit dem Film. Als sein Vater starb, arbeitete er gerade als Geräu­sche­macher beim Film und eignete sich in der Folgezeit durch praktische Tä­tigkeit Wissen in allen filmtechnischen Bereichen an. 1936 drehte er seinen ersten Kurzfilm.
1938 realisierte er seinen ersten Dokumentarfilm "Prélude à l'aprés-midi d'un faune". In der Folge wurde er Regieassistent bei den Dreharbeiten zu Goffre­do Alessandrinis erfolgreichen Film "Luciano Serra pilota".
Sein erster Film als Regisseur, "La nave bianca" (1941), wurde von der Ma­ri­ne finanziert und thematisiert die Eingeschlossenheit einer U-Boot-Besatzung. Zusammen mit "Un pilota ritorna" (1942) und "Uomo dalla Croce" (1943) bilden die Filme die sogenannte "Faschistische Trilogie" Rossellinis. In diese Zeit fällt seine Bekanntschaft mit Federico Fellini und Aldo Fabrizi.
Mit dem Ende des faschistischen Regimes im Jahr 1943, nur zwei Monate vor der Befreiung Roms, begann er den Film "Roma città aperta" ("Rom, offene Stadt", 1945), der zu einem großen Erfolg wurde und seinen Weltruf begrün­den sollte. Dieses Filmdrama hatte anfangs keinen großen Erfolg in Italien, erst als sich in den USA und in Frankreich der Erfolg einstellte, kam dieser auch in Italien zustande.
Mit diesem Film hatte die Trilogie des Kampfes gegen den Faschismus be­gon­nen. Der zweite Film war "Paisà" (1946), in dem Rossellini in mehreren Episo­den die Befreiung Italiens vom Faschismus zeigte: in Maiori an der Amalfi­küste, in einem Kloster in den Apenninen und im Po-Delta. Dabei entwickelte er das Konzept des Neorealismus weiter. Oft zog er Statisten aus der Umge­bung herbei, die er geschickt einzusetzen wusste.
Als dritten Film der Trilogie drehte Rossellini als wichtiges Zeitdokument aus dem Nachkriegsdeutschland den Film "Germania anno zero" ("Deutschland im Jahre Null"), der 1948 an Originalschauplätzen im zerbombten Berlinmit Laien­darstellern realisiert wurde. Der Film zeigt die Geschichte eines 12-jähr­igen Jungen, der sich in einer Welt, die durch Hunger und Überlebenskampf ge­prägt ist, um den Lebensunterhalt seiner Familie kümmern muss.
Betreffend seiner Vorliebe für Laiendarsteller äußerte Rossellini einmal: "Um die Charaktere zu erschaffen, die man im Kopf hat, ist es wichtig, dass ein Regisseur sich andauernd in eine Auseinandersetzung mit seinen Schau­spie­lern begibt, ein Kampf, bei dem sich am Ende meistens letztere durchsetzen. Weil ich meine Energien nicht in dieser Art von Kämpfen verschwenden will, bediene ich mich professioneller Schauspieler nur spo­radisch." Es wurde vermutet, dass Rossellinis Erfolge auch darauf basierten, dass er seine Drehbücher den Gefühlen und Geschichten seiner Schauspieler anpasste.
Nach diesen Neorealistischen Filmen kamen zwei Filme der Übergangsphase: "L'amore" (mit Anna Magnani) und "La macchina ammazzacattivi".
1948 war das Jahr der Liebe. Rossellini erhielt ei­nen Brief von Ingrid Bergman, die so begeistert von seinen Filmen war, dass sie ihm ihre Bereit­schaft mitteilte, einen Film mit ihm zu drehen. Mit diesem berühmten Brief begann eine der bekann­testen Liebesbeziehungen in der Geschichte der Filmwelt. Während der Dreharbeiten zu Stromboli (1949) [], der Geschichte einer Frau, die um dem In­ternierungslager zu entkommen, einen Fischer auf einer abgelegenen Vulkaninsel heiratet und dort an der Intoleranz, Borniertheit und Gewalt­tä­tig­keit ihrer Umgebung verzweifelt, verliebten sich Ros­sellini und die Bergman ineinander.
In den USA wurde das Verhältnis zum Skandal, weil Rossellini und Ingrid Bergman zu dieser Zeit noch verheiratet waren. Hollywood verzieh Rossellini auch nicht, dass er der amerikanischen Filmindustrie eine der beliebtesten Filmdiven entzogen hatte. Der Skandal wurde durch die Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes Robertino und der beiden Zwillinge Isabella und Ingrid noch verstärkt. Rossellini konnte über Jahre hinweg mit seinen Filmen in den USA nicht mehr Fuß fassen.
Es folgten zwei weitere Filme mit Ingrid Bergman: "Europa '51" (1952) und "Viaggio in Italia" ("Reise in Italien"), letzterer von der italienischen Kritik verrissen. 1957 ließ sich Ingrid Bergman von Rossellini scheiden, da sie sich von ihm künstlerisch eingeengt fühlte.
Im selben Jahr reiste Rossellini auf Einladung des indischen Ministerpräsidents Jawaharlal Nehru nach Indien, von wo er mit dem Film "India Matri Buhmi" ("Indien, Mutter Erde"), einer zehnteiligen Serie für das italienische und fran­zösische Fernsehen, "L'India vista da Rossellini", und einer neuen Frau zu­rück­kam, Sonali Das Gupta. Rossellini adoptierte Sonalis Sohn Gil und hatte mit ihr noch eine Tochter: Raffaella Rossellini.
In der Zeit nach der Rückkehr aus Indien drehte er "Il generale Della Rove­re" (der bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen prämiert wurde) und Era notte a Roma.
Seit Beginn der 1960er Jahre bis zu seinem Tode drehte Rossellini fast aus­schließlich Fernsehfilme mit historischen Themen. Die Einigung Italiens, die Lebensgeschichten des Sokrates und Ludwigs XIV gaben dazu u.a. die The­men. Dabei zeigte er sich als Routinier. Erst gegen Ende seines Schaffens erreichte er wieder die künstlerische Kraft seiner früheren Werke.

Roberto Rossellini starb am 3. Juni 1977 in Rom an einem Herzinfarkt.

 

Roberto Rossellini


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