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Lo scippo (der Handtaschenraub)

Die Wahrscheinlichkeit, in Süditalien Opfer eines Mafia-Deliktes zu werden? Äußerst gering. Die organisierte Kriminalität hat das Wohlbefinden der vielen Millionen ausländischer Touristen in der Vergangenheit kaum beeinträchtigt.
Was Mord und Totschlag betrifft (wenn man von den Mafiamorden absieht) sind die italienischen Städte übrigens kaum unsicherer als die des restlichen Europas. 1999 gab es in Rom 26 Morde gegenüber 105 in Paris, 86 in Berlin, 79 in Athen und 48 in Madrid, 97 in Neapel, die allerdings meistens innerhalb von Camorra-Banden [] stattfinden. Die Gefahr für Touristen tendiert eher gegen Null.
Ganz anders sieht es bei der Kleinkriminalität aus. Die von den Urlaubern tat­sächlich zu fürchtenden Gefahren sind nämlich: der Handtaschenraub, der Ta­schen- und der Autodiebstahl. Aber auch hier können einige Vorurteile besei­tigt werden. Zwischen den Zahlen beim Autodiebstahl liegen keine Welten zwischen den europäischen Ländern. In Italien werden pro 100.000 Einwoh­ner 500 Autos gestohlen (mit abnehmender Tendenz), gegenüber 350 in Spa­nien, 180 in Griechenland und etwas mehr als 100 in Deutschland.
Öfter als der Diebstahl eines Autos geschieht die Entwendung von dessen Inhalte. Man sollte also keine Wertsachen in Auto lassen und dafür sorgen, dass das Auto sichtbar leer ist. Italiener haben herausnehmbare Autoradios, die sie bei Abwesenheit in den Kofferraum legen oder sogar mitnehmen.
Dass man, besonders in den Touristengegenden, keine teure Armbanduhr tragen sollte - Ganoven haben es besonders auf Rolex-Uhren abgesehen -, müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. In Neapel haben jedenfalls die Stadt und die Provinz Neapel gemeinsam mit der Region Kampanien die Aktion "Plastikuhr statt Rolex" ins Leben gerufen. Aufgrund dieser bekommen Hotelgäste billige Plastikuhren geschenkt. Im Gegenzug deponieren sie ihre wertvollen Uhren im Hotelsafe. Die Aktion ist ein großer Erfolg. Das liegt auch daran, dass die Uhren von bekannten neapolitanischen Künstlern gestaltet worden sind. Diese Uhr fungiert außerdem wie ein Abschreckungsmittel. Wer nämlich so eine Uhr am Handgelenk trägt, signalisiert potentiellen Dieben, dass er sich mit den neapolitanischen Verhältnisse auskennt, und bleibt daher mit größerer Wahrscheinlichkeit unbehelligt.
Scippo
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Aber eine kleine Plastikuhr allein schützt noch nicht vor dem "scippo", dem motorisierten Taschendiebstahl. Diese Raubattacke, bei der dem ahnungs­losen Passanten (meistens sind Touristen die Betroffenen) im Straßengewühl die Handtasche (oder der Fotoapparat, ...) entrissen wird, scheint eine neapo­li­tanische Spe­zialität zu sein. Meistens geschieht das vom fahrenden Motor­rol­ler aus, auf dem zwei junge Männer sitzen, die nach dem Raub mit ihrem Ge­fährt davon brau­sen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden im Verkehrs­chaos von Nea­pel. Jede Verfolgung ist sinnlos, wenn nicht sogar gefährlich.
Nicht selten werden die Beraubten, falls sie sich an der Tasche festklammern, durch einen Sturz verletzt. Bekannt wurde der Fall einer jungen neapo­li­ta­ni­schen Studentin, die sich bei einem solchen Sturz am Kopf schwer verletzte und ins Koma fiel. Ebenso machte der Fall eines jungen Amerikaners Schlag­zeilen, der von einer Gruppe Jugendlicher überfallen wurde. Als er sich von dem Schreck erholt hatte und seine Angreifer verfolgte, wurde er von An­rai­nern bedroht.
Die Behörden in Neapel bemühen sich seit Jahren, die Besucher vor den motorisierten Räubern zu schützen. In Neapel sollen in der Touristensaison zusätzliche Polizisten über die sieben beliebtesten Touristenwege der Stadt - vom Meer zu den Museen - wachen. Seit einiger Zeit gibt es auch ein "Anti-scippo"-Verein, von neapolitanischen Bürgern gegründet wurde und von der Polizei unterstützt. Der Verein wirbt nicht nur mit Flugblättern, sondern auch im Fernsehen für seine Sache. Man informiert darüber, wie man sich vor diesen Straßenräubern am besten schützen kann.
Was sollten Touristen besonders beachten, um nicht aus eigener Schuld zum Opfer zu werden? Bargeld sollte man immer nur in geringen Mengen mit­füh­ren (und in verschiedene geschlossene Taschen aufteilen), Gepäck und an­de­ren Wertgegenstände nie unbeaufsichtigt lassen, keine wertvollen Gegen­stän­de, wie Schmuck oder Kleidung zur Schau tragen, Handtaschen niemals auf der Straßenseite tragen. Grundsätzlich sollte man immer ein gesundes Miss­trauen bewahren und an Bahnhöfen, Flughäfen und an stark frequentierten Gebieten besonders aufmerksam sein.
 
Scippo
Das Wort stammt, wie pizza, pizze­ria, iettatura (Unheil bringende Ein­fluss), vongole (Venusmuscheln), arran­giarsi (irgendwie zurecht­kom­men), cafone (Rüpel) und viele an­dere Wör­ter aus dem neapoli­ta­ni­schen Dia­lekt, sie wer­den aber alle italien­weit ver­wen­det.
Von Wort "scippo" (ausgesprochen "schippo") kommt der Verb "scippa­re" und die Bezeichnung für den Täter, den "scippatore".

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