Film/ Medien

La strada (1954)
 


Federico Fellini
Federico Fellini wurde am 20. Januar 1920 in Rimini geboren. Mit 10 Jahren lief er von zu Hause weg und schloss sich für kurze Zeit ei­nem Zirkus an. Wahrend des Krie­ges reiste er mit einer Wan­der­trup­pe von Ko­mö­dian­ten durch ganz Italien.
1939 ließ er sich in Rom nie­der und arbeitete als Zeich­ner und Über­setzer von Co­mics für die humo­ris­tische Wochenzeitschrift „Marc' Aurelio“, verfasste Hörspiele und entwickelte Gags für den Komiker Ma­cario. Bei seiner Rundfunkarbeit lernte er Giu­liet­ta Masina kennen, die er 1943 heiratete.
1944 engagierte ihn Roberto Ros­sellini als Assistenten für „Rom of­fene Stadt“. 1950 realisierte Fellini gemeinsam mit Alberto Lattuada seinen ers­ten Spiel­film „Lichter des Va­rie­te“, 1952 folgte mit „Der weiße Scheich“ seine erste Alleinregie. Bis zu seinem Tod 1993 inszenierte er zwan­zig Spielfilme - darunter neben „Ginger und Fred“, „Die Nächte der Cabiria“, „La Strada“, „Das süße Leben“, „Acht­einhalb“, „Fel­linis Roma“, „Fel­linis Casanova“ und zuletzt 1990 „Die Stimme des Mondes„.

La Strada (deutscher Untertitel: Das Lied der Straße) ist ein Melodram, das den Weltruhm des Regisseurs Federico Fellini begründete, das Gesicht seiner Ehefrau Giulietta Masina, die die Gelsomina spielt, in die Erinnerung aller an Film interessierten Menschen einbrannte und das Synonym Zampanò schuf. Es ist der letzte Film Fellinis, der noch dem italienischen Neorealis­mus zuzuordnen ist.

Der gewalttätige und jähzornige Jahrmarktsartist und Gaukler Zampanò (gespielt von Anthony Quinn), ein grobschlächtiger Schau­steller, „kauft" für ein paar Li­re das ein­fa­che Dorf­mäd­chen Gel­so­mi­na ih­rer Mut­ter ab und nimmt sie mit auf sei­ne Tour­nee. Auf Markt­plät­zen stellt er sei­ne Kraft zur Schau, der Hö­he­punkt sei­ner Auf­trit­te ist es stets, wenn er mit der Kraft sei­ner Brust­mus­ku­latur ei­nen Ha­ken ver­biegt. Wäh­rend er al­le die an­genehmen Au­gen­blicke des ärmlichen Le­bens genießt, muss Gelsomina hart ar­bei­ten. Er be­han­delt sie dabei nicht bes­ser als man ein Tier behandeln wür­de. Obwohl Gelsomina von Zampano verachtet und misshandelt wird, hält sie unbeirrbar zu ihm und opfert sich für ihn auf. Ein fast unerträglicher Zustand für das sensible Mäd­chen. Dennoch vergöttert sie ihn.
La stradaAuf ihrem Weg durch das Land treffen sie auf einen Zirkus, des­sen Direktor Colombiani (Aldo Silvani) die beiden in seine Truppe aufnimmt. Im Zirkus lernt Gelsomina Matto (Richard Baseheart) kennen, einen Clown mit großem Mundwerk und Vorliebe für große Auf­tritte – einen von ihnen hat sie zuvor be­reits auf einem Marktplatz bewun­dert. Matto lässt ihr mehr Auf­merksamkeit zukommen als je ein Mensch zuvor und bringt ihr unter an­de­rem auch eine kleine Me­lo­die auf der Trom­pe­te bei. Über die­se Ver­bin­dung kommt es zum Streit zwi­schen Zam­pa­nò und Mat­to, der da­zu führt, dass bei­de den Zir­kus ver­las­sen müs­sen. Gelsomina bleibt bei Zam­panò, obwohl ihr ange­bo­ten wird, beim Zir­kus oder bei Matto zu blei­ben. Nach einem Auf­ent­halt in einem Kloster, in dem es über den Diebstahl wertvoller Reliquien zu einer ernsthaften Störung des Ver­trau­ens­ver­hältnisses zwischen Gelsomina und Zampanò kommt, tref­fen die bei­den zufällig auf Matto, der mit seiner he­raus­fordernden Art einen Streit pro­vo­ziert, in dessen Verlauf Zampanò Matto ungewollt tötet. Er kann die Spu­ren zwar verwischen, verliert aber endgültig jeglichen Kontakt zu Gel­so­mina, die in den Wahnsinn abgleitet. Er lässt sie, unter anderem mit ihrer Trompete, am Straßenrand liegen.
Szenen aus dem Film ()
Jahre später hört er zufällig, wie eine Frau die Me­lo­die summt, die Gelsomina von Matto gelernt hat. Er spricht die Frau an und erfährt vom weiteren Schick­sal und vom Tod Gelsominas. Dies führt bei ihm zum ersten wirklichen Ge­fühls­ausbruch – er betrinkt sich, geht an den Strand und bricht weinend zusammen.
Die Musik zu „La strada“, die einen nicht un­er­heb­lichen Beitrag zur Fas­zi­na­tion des Filmes geleistet hat, schrieb Nino Rota.
Soundtrack und Bilder aus dem Film
Obwohl der Film von mythischen und biblischen Dimensionen durchdrungen ist, verliert Fellini seine Figuren nie aus den Augen. Sie sind liebevoll mit all ihren Schwächen und Fehlern gezeichnet. Fellinis lyrischer Stil greift auf die einfache Schönheit seiner neorealistischen Filme zurück und weist auf die im­pressionistischen Fantasien seiner späteren Filme hin. In dieser einzig­ar­ti­gen Periode in Fellinis Schaf­fen kombinieren sich beide Stile und schaffen ein poetisches und tragisches Meisterwerk„. (amazon.de-Redaktion)
La Strada ist der erste Film in der Film­ge­schich­te, der ei­nen regulären Oscar für den besten nicht-en­glischs­pra­chigen Film gewann.

Die von Anthony Quinn gespielte Filmfigur des Großen Zampanò (Be­to­nung auf ò) stellt einen Prahler dar, der sich in Szene setzt und mit viel Tam­tam Eindruck schindet. Der Begriff „Großer Zam­pa­no“ hat sich im Sprach­ge­brauch der Deut­schen ge­wan­delt. Da­raus wur­de ein Ma­cher, der auf das Schicksal anderer Personen Einfluss nimmt und alle Fäden in der Hand hält.
 
 
La strada
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Italienisches Kino
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