Kunst/ Architektur

Sofonisba Anguissola



Botticelli, Caravaggio, Giotto, Tiepolo, Tinto­retto, Tiziano: die großen Meister der ita­lie­ni­schen Malerei waren allesamt Männer. Auch die weniger Be­kann­ten waren fast durchwegs Männer. Und doch gab es einige Frau­en, die malten, auch schon der Re­nais­san­ce. Die Be­kann­teste von ihnen war Sofonisba An­guis­sola.
Sofonisba An­guis­sola (um 1531/32–1625) war eine Ma­lerin der Re­nais­san­ce und die erfolgs­reichs­te Künstlerin ihrer Zeit. Sie wur­de in Cremona als Tochter von Ami­lc­are Anguissola und dessen Frau Bian­ca Ponzoni geboren. Sie hatte fünf Schwestern und einen Bruder, die alle eine humanistisch geprägte Erziehung bekamen. Auch ihre Schwestern Lucia, Eu­ro­pa und Anna Maria wurden Malerinnen. Ihre Schwester Minerva trat als Literatin auf, und Elena trat den Do­mi­ni­ka­nerinnen-Orden bei.
Sofonisba war die Älteste und ließ sehr früh ihr künstlerisches Talent er­kennen. Sie stu­dier­te zwischen 1543 und 1549 bei Ber­nar­di­no Campi und danach bei Ber­nar­di­no Gatti, genannt Il Sojaro.
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Amilcare Anguissola, mit seinen Kindern Asdrubale und Minerva
Amilcare Anguissola übernahm das Ma­na­ge­ment seiner begabten Tochter und trat in Briefkontakt mit berühmten Künstlern – unter ihnen Michelangelo Buonarroti, um Sofonisba Aufträge zu besorgen. Miche­lan­ge­lo schickte Zeichnungen, die Sofonisba Aguissola in Öl kopierte und dem Meister nach Rom zu­rück­schickte. All dies war für Frauen in der da­ma­li­gen Kunst sehr ungewöhnlich.
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Drei Schwestern beim Schachaspiel
Sofonisbas 1554 datiertes „Selbstporträt“, heute im Kunsthistorischen Museum in Wien, gilt als eines der frühesten Werke der Malerin und belegt die scharfe Beobachtungsgabe und sensible Porträtkunst der jungen Frau. Das bekannteste Bild ist „Drei Schwestern beim Schachspiel“ (1555), das als erste Dar­stellung einer Alltagsszene in der ita­lie­ni­schen Malerei gilt. Es zeigt Lucia, Minerva und Europa, sowie am rechten Bildrand ei­ne Gouvernante. Laut einiger Kunst­his­to­riker gilt das Lachen Europas als erste Darstellung von Schadenfreude in der europäischen Kunst. Wenig später porträtierte sie in Mai­land den Herzog von Alba, womit ihre in­ter­na­tionale Karriere begann.

Frauen, die die Kunst veränderten
[] A Re­nais­san­ce ar­tist and her Work 
Frauen, die die Kunst ver­än­derten

Anguissolas Ruf verbreitete sich und 1559 wurde sie nach Madrid an den Hof Philipps II. engeladen, wo sie Porträts der königlichen Familie malte und sich als Hofdame die In­fantin Isabella Clara Eugenia (1545–1568), die spätere Erzherzogin von Österreich, unterrichtete. Peter Paul Rubens, der in den 1620er Jahren den Prado besuchte, war so begeister von Anguissolas Portrait von Isa­bella, dass er es sogar kopierte. Anguis­so­la gilt als erste Hofmalerin der europäischen Renaissance, weil ihr der König von Spanien eine jährliche Rente gewährte.
1571 wurde sie mit dem sizilianischen Ade­li­gen Farbizio di Moncada, dem Sohn des Vizekönigs, getraut. Obwohl angenommen wurde, dass sie sich einst mit ihm in Sizilien niedergelassen hatte, deuten neuere Studien darauf hin, dass sie nach ihrer Heirat doch in Spanien geblieben war. Ihr Mann starb im Jahr 1579.
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Bildnis der Infantin Isabella Clara Eugenia und Catalina Micaela
Auf der Rückreise von Sizilien nach Cremona Ende 1579 traf Anguissola den aus Genua stammenden Kapitän Orazio Lomellini und heiratete ihn im Januar 1580. Von 1584 bis etwa 1616–20 lebte das Paar in Genua. In dieser Zeit wurde sie von der Arbeit des ge­nuesischen Malers Luca Cambiaso be­ein­flusst.
1599 besuchte sie einmal die Infantin Isabel Clara Eugenia, die älteste Tochter Philipps II., kurz vor deren Vermählung mit dem Erz­her­zog Albrecht von Österreich und bat sie um die Anfertigung eines Porträts.
In Genua führte Sofonisba Anguissola ein of­fenes Haus für Künstler und Gelehrte. Hier besuchte sie 1606 der noch junge Peter Paul Rubens, der im Auftrag des Herzogs von Man­tua bereits mehrerer ihrer Werke kopiert hatte.
Durch eine Augenkrankheit und Rheu­ma­tis­mus behindert, konnte Anguissola in ihren späten Jahren nicht mehr malen. In ihren letzten Lebensjahren hielt sie sich in Palermo auf.
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Drei Kinder mit Hund
Anguissola gehörte zweifellos zu den er­folg­reichs­ten Malern der Spätrenaissance. Giorgio Vasari rühmte sie, Baldinucci verglich ihre Porträts mit Tizians Gemälden. Van Dyck besuchte die berühmte Frau in Palermo, wo er sie, fast erblindet, etwa 96jährig antraf. In seinem „Italienischen Skizzenbuch“ findet sich eine Skizze der alten Anguissola mit dem Kommentar " eine wunderbare Malerin von Natur". Dies ist das Urteil eines zweifellos kompetenten Künstlers.
 
A Renaissance Artist and Her Work []