Kunst/ Architektur

Arcimboldo: Der erste Surrealist?



Giuseppe Ar­cim­boldo, geb. um 1527/ 1530 Mail­and, gest. 1593 ebenda, wur­de in der Werk­statt sei­nes Va­ters Bia­gio Ar­cim­bol­do aus­ge­bil­det (Glas­ma­le­reien für den Mai­län­der Dom). Mit ihm zu­sam­men be­mal­te er zu­nächst Kir­chen­fens­ter und -wände. Später lebte er in Wien und Prag. Neben seiner Tä­tig­keit als Maler war er am Prager Hof auch als In­ge­nieur, als Kos­tüm­zeichner sowie als Musiker tätig. Seit 1592 Hofmaler Kaiser Ferdinands I. in Prag. Er wurde in dieser Funktion von den Kaisern Maximilian II. und Rudolf II. übernommen, die ihn durch Er­nen­nung zum Pfalzgrafen ehrten.
Seine Berühmtheit verdankt Arcimboldo aus­schließ­lich den verblüffenden Porträts aus Blu­men, Früch­ten, Tieren, aber auch anorganischen Objekten, die er so kunstvoll arrangierte, dass sie sich mit Hilfe der Einbildungskraft des Be­trachters zum Er­schei­nungs­bild eines Men­schen­kopfs zu­sam­men­setzen. Die­sen as­so­zia­ti­ven Bil­dern be­schei­nigten Zeit­ge­nos­sen oft große Ähnlichkeit mit den darge­stell­ten Personen.

Arcimboldo
Arcimboldo
Poster
Arcimboldo:
1526-1593
Hello, Fruit Face
Arcimboldo: Por­trait aus Obst/ Kunst­druck

Arcimboldo erweist sich mit diesem Konzept als markanter Vertreter des Manierismus, einer Stil­richtung der Spät­re­nais­sance. Die Künstler der Re­naissance hatten bei der Nachbildung der Natur einen hohen Grad von Vollkommenheit und Har­mo­nie erreicht. Der Manie­rismus lieferte einen Ge­gen­ent­wurf, beziehungsweise eine damals mo­der­ne Er­wei­te­rung der Möglichkeiten. Nun legten ein­zel­ne Künstler wie Arcimboldo ihren Arbeiten sub­jek­ti­ve Ideen oder phan­tas­tische Einfälle zugrunde, die über die klassisch-harmonische Darstellung entschieden hinausgingen. Die allegorische oder enigmatische (rätselhafte, ver-rätselte) Abbildung wurde ein wesentliches Stilelement des Manierismus.
„Der Jurist“
Allegorie „Die Erde“
Allegorie „Feuer“
Für Rudolf II. malte Arcimboldo 1590 dieses Bild, das den Kaiser in der Gestalt des antiken Gottes Vertumnus darstellt.
Arcimboldo schuf zahlreiche Bilder dieser Art, da­run­ter ein Porträt des Kaisers Maximilian II., auf dem dessen Kopf als Komposition aus Fischen und Mee­res­früchten dargestellt wird.

Bekannt sind auch Arcimboldos Umkehrbilder, auf denen zunächst Stillleben aus Gemüse oder Blumen zu sehen sind; werden sie auf den Kopf gestellt, ver­ändern sie sich zu Porträts.
„Fleischteller"
„Der Koch"
 
„Gemüse in einer Schüssel"
„Der Gärtner"