M E I N   I T A L I E N

Wege zur Kunst

 


AUF DEN SPUREN VON PIERO DELLA FRANCESCA


Jedes Jahr strömen Tau­sen­de von Kunst­freun­den in die­se Ge­gend, um auf den We­gen zu wan­deln, auf de­nen die schöns­ten Wer­ke des Ma­lers zu be­staunen sind. Wenn Sie auch mit dem Ge­dan­ken spie­len, sei­nen Spu­ren zu fol­gen, soll­ten Sie sich ein paar Ta­ge Zeit neh­men: Ent­de­cken Sie sei­ne Schaf­fens­orte Ri­mi­ni, Ur­bi­no, Sanse­pol­cro, Mon­ter­chi, Arez­zo und Pe­ru­gia und die „Palazzi“ der Ma­la­tes­ta, Me­di­ci und Mon­te­fel­tro, in de­nen er zu Gast war, und die bis heu­te noch sei­ne Meis­ter­wer­ke be­wah­ren. Es wird ei­ne fas­zi­nie­ren­de Rei­se durch sanf­te Hü­gel­land­schaf­ten, mit­tel­al­ter­li­che Dör­fer und ein­sa­me Kir­chen. Sie er­le­ben ein gro­ßes Frei­licht­mu­seum, um in die Re­nais­san­ce des Wan­der­meis­ters ein­zu­tau­chen.

RIMINI: Der Tempio Malates­tia­no  ist (seit 1809) die Ka­the­dra­le von Ri­mi­ni. Of­fi­ziell war sie zu­nächst nach dem Hei­li­gen Fran­zis­kus be­nannt, übli­cher­weise wird sie aber nach Si­gis­mon­do Ma­la­tes­ta be­nannt, der den be­rühm­ten Ar­chi­tek­ten Leon Bat­tis­ta Al­ber­ti um 1450 mit dem Bau be­auf­trag­te, wel­cher von wei­te­ren Re­nais­san­ce-Künst­lern wie Agos­ti­no di Duc­cio und Piero della Francesca aus­ge­schmückt wurde.

1451 wur­de Pie­ro del­la Fran­ces­ca von Si­gis­mon­do Pan­dol­fo Ma­la­tes­ta nach Ri­mi­ni ge­ru­fen, um am Tem­pio Ma­la­tes­tia­no zu ar­bei­ten, wo er das mo­nu­men­ta­le Vo­tiv­bild mit dem Hei­li­gen San Si­gis­mon­do und Si­gis­mon­do Pan­dol­fo Ma­la­tes­ta hin­ter­ließ. Die­ses Fres­ko, wenn auch be­schä­digt, ist noch heu­te zu be­wun­dern: Si­gis­mon­do Ma­la­tes­ta kniet vor sei­nem Na­mens­pa­tron, der die Zü­ge des Kai­sers Si­gis­mund trägt.


  • ÖFFNUNGSZEITEN Tempio Malatestiano“
  • MONTAG – FREITAG: 8:30 – 12:00 und 15:30 – 18:30
  • SAMSTAG: 8:30 – 12:30 und 15:30 – 19:00
  • SONNTAG: 9:00 – 12:30 und 15:30 – 18:30


URBINO: Inmitten einer idyl­li­schen Hü­gel­land­schaft ge­le­gen und ge­schützt von im­po­san­ten an­ti­ken Mau­ern, ragt Ur­bi­no zwi­schen der Fluss­ebe­ne des Me­tau­ro und die des Fo­glia em­por. Von Wei­tem macht die Stadt im­po­sant und vor­neh­men Ein­druck, mit sei­ner un­ver­kenn­ba­ren Alt­stadt, die 1998 zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be er­klärt wor­den ist.

Urbino

Der Her­zogs­pa­last ist Sitz der Gal­le­ria Na­zio­nale del­le Mar­che, in der man, ne­ben un­zäh­li­gen Meis­ter­wer­ken von Raf­fael­lo San­zio bis Paolo Uc­cel­lo auch die „Ma­don­na von Se­ni­gal­lia“ und die „Gei­ße­lung Chris­ti“ von Piero della Fran­cesca be­wundern kann. 

La Madonna di Senigaglia (Ausschnitt)

Die „Madonna di Seni­gallia“ ist ein Ge­mäl­de, das um 1474 fer­tig­ge­stellt wur­de. Es be­fin­det sich in der Na­tio­nal­ga­le­rie der Mar­ken im Her­zogs­pa­last von Urbino. Das Gemälde war für die pri­va­te An­dacht ge­dacht. Es wur­de erst­mals 1822 in der Kir­che des Fran­zis­ka­ner­klos­ters San­ta Ma­ria del­le Gra­zie vor den To­ren Se­ni­gal­lias (Mar­ken) er­wähnt, da­her der Na­me. Die Res­tau­rie­rung der 1990er Jah­re zeig­te die ho­he Qua­li­tät der Licht­füh­rung von Pie­ro del­la Fran­ces­ca so­wie den Ein­fluss flä­mi­scher Meis­ter. Das Licht, das aus dem lin­ken Fens­ter kommt, ist ein Sym­bol für die Emp­fäng­nis der Jung­frau Ma­ria. Das Lei­nen im Korb ist statt­des­sen ei­ne An­spie­lung auf ihre Reinheit.

Die Gei­ße­lung Chris­ti


BUCHTIPP: Mörder, Maler und Mäzene: Piero della Francescas 'Geißelung'.

Die­ses reich il­lus­trier­te Buch er­zählt die Ge­schich­te ei­nes der be­rühm­tes­ten Ge­mäl­de dee ita­lie­ni­schen „Ri­na­sci­men­to“, der „Gei­ße­lung Je­su Chris­ti“ von Pie­ro del­la Fran­ces­ca. Der Au­tor zeigt, dass das Ge­mäl­de ei­ne ver­schlüs­sel­te Mord­an­klage ent­hält, ei­ne An­spie­lung auf den Mord an Od­dan­to­nio da Mon­te­fel­tro, dem ers­ten Herzog von Urbino.


  • ÖFFNUNGSZEITEN
  • MONTAG: 8:30 – 14:00
  • DIENSTAG – SONNTAG: 8:30 – 19:15
  • Am 25. Dezember und am 1. Januar geschlossen


SANSEPOLCRO: (histo­risch auch Bor­go San Se­pol­cro) ist ei­ne Klein­stadt mit et­wa 16.000 Ein­woh­nern in der Pro­vinz Arez­zo (Tos­ka­na). Der Ge­burts­ort des Künst­lers steht im Mit­tel­punkt der Rou­ten und Pfa­de seines Schaffens und war die Haupt­ins­pi­ra­tions­quel­le seiner Werke.

Auferstehung Jesu Christi

Das Bild „Die Auferstehung Je­su Chris­ti“ strahl Ru­he und Wür­de aus. Die Wäch­ter vor dem Grab schla­fen, wäh­rend ein ma­jes­tä­ti­scher, je­doch sehr mensch­li­cher Hei­land dem Grab ent­steigt. Sein Blick bannt den Be­trach­ter mit ei­gen­ar­ti­ger Mi­schung aus Ver­wun­de­rung und Ent­rückt­heit. Die Sie­ger­po­se und die weiß-ro­te Fah­ne we­cken As­so­zia­tio­nen an ei­nen rö­mi­schen Im­pe­ra­tor. Die Wäch­ter wer­den nur als leb­lose, pas­si­ve Zeu­gen ge­zeigt; sie neh­men an der Auf­er­stehung nicht wirklich teil.


  • ÖFFNUNGSZEITEN Museo Civico Sansepolcro
  • 10. JUNI – 24. SEPTEMBER: 10:00 – 13:30 und 14:30 – 19:00
  • 25. SEPTEMBER – 9. JUNI: 10:00 – 13:00 und 14:30 – 18:00
  • Am 25. Dezember und am 1. Januar geschlossen


MONTERCHI: Es ist eine kleine italienische Gemeinde mit etwa 1700 Einwohnern in der Provinz Arezzo in der Toskana. Der Ort ist ausschließlich für die „Die Madonna del parto“, das berühmte Fresko von Piero della Francesca, bekannt. Dieses wurde zwischen 1455 und 1465 zu Ehren seiner Mutter, der aus dem Ort stammenden Romana di Perino da Monterchi, gemalt. Das ursprünglich für die Kapelle Santa Maria di Momentana bestimmte Fresko befindet sich derzeit im Museum der Madonna del Parto von Piero della Francesca.

Madonna del Parto (Madonna der Geburt)

Die Gestalt dieser Madon­na, der Be­schütz­erin schwan­ge­rer Frau­en, hebt sich mit ih­rem stren­gen Ge­sichts­aus­druck und der na­tür­li­chen Hal­tung ei­ner schwan­ge­ren Frau vom Da­mast­dach ab, das zwei En­gel an den Sei­ten of­fen hal­ten. Die Hei­lig­keit und Ri­tua­li­tät des Bil­des wird durch die Tat­sa­che un­ter­stri­chen, dass die En­gel sich spie­gel­bild­lich wie­der­ho­len. Die Ma­don­na trägt ein ein­fa­ches blau­es Kleid mit öff­nun­gen, die das wei­ße Un­ter­kleid, das Sym­bol ih­rer Rein­heit, zei­gen. Mit einer Hand strei­chelt sie ih­ren Bauch, ei­ne Ges­te des Schut­zes und gleich­zei­tig der Stol­zes. Der Vor­hang, der die Szene um­fasst, ist mit Gra­nat­ap­fel­blü­ten ge­schmückt, die an die kom­men­de Pas­sion Christi erinnern.

Das Bild wurde nach dem Kon­zil von Trient (zwischen 1545 und 1563) als por­no­gra­phisch ver­bo­ten, weil die Vor­stel­lung ei­ner schwan­ge­ren Got­tes­mut­ter dem Dog­ma wi­der­sprach. Der heu­ti­ge Wert die­ses Bil­des ist na­he­zu un­schätz­bar. Als es ein­mal aus­ge­lie­hen wer­den soll­te, war kei­ne Ver­si­che­rung be­reit, das Ri­si­ko mit ei­nem Geld­be­trag zu decken.



AREZZO: Die Basili­ca di San Fran­ces­co, die be­deu­tends­te Kir­che der Stadt Arez­zo (Tos­ka­na), ist ein ty­pi­sches Bei­spiel für ei­ne schlich­te Bet­tel­or­dens-Kir­che. Wich­ti­ger als die Ar­chi­tek­tur und zu­gleich wich­tigs­te At­trak­tion der Kir­che ist in­des der zwi­schen 1991 und 1996 sorg­fäl­tig res­tau­rier­te Fres­ken­zy­klus von Pie­ro del­la Fran­ces­ca, der den Ruhm die­ser Kirche begründete.

Arezzo

In der Hauptchor­ka­pel­le hat Pie­ro del­la Fran­ces­ca von 1453 bis min­des­tens 1459, viel­leicht bis 1466, den zehn­tei­li­gen Fres­ken­zy­klus „Storie della Vera Croce“ (Le­gen­de vom Wah­ren Kreuz) ge­schaf­fen. Er stellt die Ge­schich­te vom Kreuz Chris­ti nach der Le­gen­da au­rea des Ja­co­bus de Va­ra­gi­ne dar, die mit dem Tod Adams be­ginnt und bis zum Triumph­zug des He­ra­kleios nach Je­ru­sa­lem im Jahr 628 er­zählt wird. Von be­son­de­rer kunst­his­to­ri­scher Be­deu­tung sind die Fres­ken „Der Traum Kons­tan­tins“, „Die Kö­ni­gin von Sa­ba be­tet das Kreu­zes­holz an

Die Königin von Saba betet das Kreuzesholz an

Die Auffindung und Prüfung des Wahren Kreuzes

ÖFFNUNGSZEITEN: Siehe auf der Webseite  Basilica di San Francesco .

Aus Sicherheits­grün­den dür­fen ma­xi­mal 25 Per­so­nen pro Schicht die Ka­pel­le mit den Fres­ken von Pie­ro del­la Fran­ces­ca be­su­chen. Die Schicht dauert ins­ge­samt 30 Mi­nu­ten. We­gen die­ser Kon­tin­gen­tie­rung ist eine Re­ser­vie­rung er­for­derlich.


PERUGIA:: er bekannteste Teil der Stadt ist das al­te Pe­ru­gia, das von zwei Mau­er­rei­hen um­ringt ist; die äu­ße­re stammt aus dem Mit­tel­al­ter und ist für ei­ni­ge Ki­lo­me­ter noch un­ver­sehrt. Das Zen­trum ist ein Schmuck­stück des 14. Jh., ei­nes der schönsten Italiens.

Oberer Abschluss des Polyptychons des heiligen Antonius

In Perugia hinterließ Pie­ro del­la Fran­ces­ca das Polyp­ty­chon des hl. An­to­nius (im mit­tel­eu­ro­päi­schen Sprach­ge­brauch be­zeich­net Po­lyp­ty­chon ei­nen mehr­fach klapp­ba­ren Flü­gel­al­tar), das im Zen­trum die Ma­don­na mit Kind zeigt, seit­lich die Hei­li­gen An­to­nius von Pa­dua, Jo­han­nes der Täu­fer, Fran­zis­kus und Eli­sa­beth von Un­garn, auf dem obe­ren Ab­schluss die Ver­kün­dung vor ei­nem ein­zig­ar­tigen Flucht­punkt.


  • ÖFFNUNGSZEITEN Galleria Nazionale dell'Umbria
  • 9. MÄRZ – 3. NOVEMBER: Mon­tag 12:00 – 19:30 / Diens­tag – Sonn­tag und 8:30 – 19:30
  • 4. NOVEMBER – 8. MARZ: Diens­tag –> Sonn­tag und 8:30 –> 19:30 (am 25. De­zem­ber und 1. Ja­nuar ge­schlos­sen)


Die Folgen des Corona-Virus haben gezeigt, wie schnell sich Reisepläne ohne eigenes Zutun zerschlagen kön­nen. Egal ob Krankheit oder Reisebeschränkungen – vor der Buchung von Flügen, Hotels o.ä. sollte man sich Informationen über Reiseabbruch und seine Absicherung einholen. Die Preise für Rück­tritts­ver­si­che­run­gen schwanken deutlich und ein Vergleich lohnt sich.


MEINE HOTELTIPPS:


 60–100 € Hotel Gallia Palace (Ri­mi­ni)
 70–100 € Hotel Montmartre (Ri­mi­ni)
 50–90 € B & B Albornoz (Ur­bi­no)
 60–80 € B & B Ca'Lavalle (Ur­bi­no)
 40–60 € Ferienhaus Al Bor­go (San­se­pol­cro)
 50–80 € Locanda Guidi (San­se­pol­cro)
 60–90 € B & B La Villa (San­se­pol­cro / 0,5 km vom Orts­zen­trum)
 70-100 € Ferienhof Le Rasse (Mon­ter­chi / 14 km von San­se­pol­cro)
 50-90 € Ferienhof Badia il Vingone (5 km von Mon­ter­chi / 18 km von San­se­pol­cro)
 50–70 € B & B La Traccia (Arezzo)
 50–70 € B & B Casa Mirko (Arezzo)
 > 100 € Primavera Mini Hotel (Perugia)