Literatur/ Presse

Cecco Angiolieri
 


Anfang des 14. Jahrhunderts, als die Stilrichtung des „Dolce Stil Novo“ vor­herr­schte, die die Liebe als Thema hatte und Bilder von großer Empfind­samkeit schuf, kom­po­niert der respektlose Cec­co An­gio­lie­ri stark pro­vo­zie­ren­de Verse, die den ir­di­schen Lei­den­schaf­ten einen gro­ßen Lob spendeten.
Cecco Angiolieri (1260- 1312) war ein ita­lie­ni­scher Dich­ter des Hoch­mit­tel­al­ters und Zeit­ge­nos­se von Dan­te Ali­ghie­ri. Ihm wer­den et­wa 150 So­net­te zu­ge­schrie­ben. In an­schau­li­cher und rea­lis­ti­scher Spra­che ge­fasst, ist sei­ne Poe­sie von res­pekt­lo­ser und bei­ßen­der Sa­ti­re und Über­trei­bung ge­kenn­zeich­net. Das be­kann­tes­te So­nett (S'i' fos­se fo­co, ar­de­rei 'l mon­do) ist in sei­ner Miss­ach­tung der Kon­ven­tio­nen des 14. Jahr­hun­derts und sei­ner Pro­vo­ka­tion bei­spiel­haft. Kein ita­lie­ni­scher Gym­na­siast kennt es nicht.


Lust (Gabriele d'Annunzio)
Cecco Angiolieri
Angiolieri
S'ì' fosse foco (MP3-File) Die Sonette von [] Cecco Angiolieri Italienische Renaissance-Novellen

Wär ich der Wind, ich risse die Welt in Fetzen,
wär ich das Feuer, zerfräß ich sie zu Funken,
wär ich das Meer, sie läge längst versunken,
wäre ich Gott, Spaß: gäb das ein Entsetzen!

Wär ich der Papst, wie würd’es mich ergetzen,
zu ärgern meine Christen, die Hallunken!
Wäre ich König, ließ’ich wonnetrunken
mein Volk mit Hunden an den Galgen hetzen!

Wär ich der Tod, besucht’ich auf der Stelle
die lieben Eltern wieder mal; als Leben
beträt ich nie und nimmer ihre Schwelle!

Wär ich der Cecco – hm, der bin ich eben;
drum wünsch' ich Mir die schönsten Jungfernfelle
und will die häßlichen gern Andern geben!

Diese Übersetzung von Richard Dehmel weicht zwar in einigen Punkten von einer wörtlichen Übersetzung des berühmten Sonetts ab, sie gibt aber die Hef­tig­keit, den Groll und vor allem die Kraft der Sprache sehr gut wider.

Hier das Original:
S'i' fosse foco, arderei 'l mondo;
s'i' fosse vento, lo tempestarei;
s'i' fosse acqua, i' l'annegherei;
s'i' fosse Dio, mandereil'en profondo;


s'i' fosse papa, starei allor giocondo,
ché tutti cristïani imbrigarei;
s'i' fosse 'mperator, sa' che farei?
a tutti taglierei lo capo a tondo.
S'i' fosse morte, andarei da mi' padre;
s'i' fosse vita, non starei con lui:
similemente faria da mi' madre,
S'i' fosse Cecco, com'i' sono e fui,
torrei le donne giovani e leggiadre:
le vecchie e laide lasserei altrui.

Über Angiolieris Leben ist wenig bekannt. Aus den wenigen Quellen, die zur Verfügung stehen, kann man sein Leben als unstet und unkonventionell beurteiln. Es könnte aber auch sein, dass sein re­bellisch inszenierte Leben weniger mit der Wirk­lich­keit zu tun hat, als seine Ge­dich­te es ver­mu­ten ließen.
 
 
Angiolieri
Lebensvorgänge, Krankheiten und Heilung in den Gedichten Cecco Angiolieris und anderer burlesker Dichter der Dantezeit