Literatur/ Presse

Andrea Camilleri
 


Ein Buch, dass ich regelrecht „verschlungen" habe, ist Der Diebe der süßen Dinge: Commissario Mont­albano muss sich gleichzeitig mit zwei Morden befassen. Ein tu­nesischer Fischer wurde auf hoher See er­schos­sen und ein sizilianischer Ge­schäfts­mann wurde er­sto­chen aufgefunden. Ein kleiner Junge, der, wohl aus Hunger, an­de­ren Kindern ihre Jause gestohlen hat, bringt den Commissario auf die Spuren der schönen Tunesierin Karima. Und diese könnte den Zusammenhang der beiden Morde liefern...

CamilleriAndrea Camilleri (1925 - 2019), der Er­fin­der des ei­genwilligen Com­mis­sa­rio Mon­al­bano, hat erst mit fünfzig angefangen zu schreiben und war in Italien be­rühmt und sehr beliebt.
Andrea Camilleri wurde in Porto Empedocle, Si­zi­lien, ge­bo­ren und lebt heu­te in Rom. Seine his­to­rischen Ro­mane und Krimis lösten in den ver­gan­ge­nen Jahren ein re­gel­rech­tes Camilleri-Fieber aus und stürm­ten sämt­li­che vor­deren Plätze auf den ita­lie­ni­schen Bestseller-Listen. Ca­mil­leris Hauptfigur, Com­mis­sario Salvo Mont­albano, gilt inzwischen weltweit als In­be­griff sizilianischer Le­bens­art und einfallsreicher Kri­mi­nalistik.

Camilleris Bücher über die Fälle des Commis­sa­rio Montalbano sind auch in Deutsch­land zu Best­sel­lern ge­wor­den. Sie leben nicht nur vom span­nen­den De­tek­tivspiel, das sich, auch für den Leser leicht nach­voll­zieh­bar, wie ein Puzz­le Zug um Zug zu­sam­men­fügt und den Le­ser bis zum Schluss nie aus seinem Bann lässt, sondern auch von den de­tail­lier­ten Be­schrei­bungen und den kleinen mensch­li­chen Schwächen des Commissario.

Camilleri Camilleri
Der Dieb der
süßen Dinge
Der Kavalier der
späten Stunde
Der Hund aus
Terracotta

Einerseits hat er etwas von einem echten sizi­lia­ni­schen Macho (Livia, seine im entfernten Genua le­bende Freundin, liebt er wirklich, er ist ihr treu, macht aber immer taube Ohrenwenn sie vom Hei­ra­ten spricht); er kann zynisch, übel­gelaunt und überheblich sein, kämpft als einsamer Wolf und lässt seine Mitarbeiter manch­mal daran verzweifeln.
Andrerseits ist er auch ein Mann mit Charakter, kann die Nerven in einer Ge­fah­ren­si­tua­tion behalten, hat ein Herz für die einfachen Menschen und ist vor allem ein großer Genießer der sizi­lia­nischen Küche. Denn die Krimis spielen in Vigata, einem fikti­ven Ort in Sizi­lien. So nebenbei erfährt man etwas über sei­ne Lieblingsrezepte, die Adelina, seine Haus­häl­te­rin, für ihn kocht oder die er in seinem Lieb­lings­res­taurant „Bei Calogero" genießt (einige davon kann man im Anhang mancher seiner Bücher nachlesen).

Was der deutsche Leser leider verpasst, ist die Sprache. Denn Camilleris Romane sparen nicht mit sizilianischem Dialekt. Es ist mit dem Italienischem auf natür­liche Weise fein versponnen und verstärkt das Verständnis für das sizilianische Ambiente.
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Montalbano zur Seite stehen Mitarbeiter, denen sein eigenwilliger Charakter fehlt, und dennoch un­ver­wech­sel­bar sind. Catarella, der Einfältige: häufigstes Ziel der Wutausbrüche seines Chefs; Mimì Augello, der Frauenheld; Fazio, Gallo und Gal­luzzo, die Zuverlässigen.

Das Nest der Schlangen: Commissario Montalbano ringt um Fassung
Das Nest der Schlan­gen
Jagd nach einem Schatten
Eine Stimme in der Nacht

Was mir an diesen Krimis besonders gefällt, ist, dass sie den Leser nicht brutal und plump mit Action und Knall-Effekten überfallen, dass die Dialoge un­ter­halt­sam sind, mit feinem Humor gespickt und glaub­wür­dig gestaltet.

Die Fälle des erfolgreichen italienischen Autors An­drea Camilleri um den „Com­missario Montalbano“ sind auch in Deutschland sowohl als Buch als auch als DVD-Serie ein voller Erfolg, denn im Jahr 1999 hat das italienische Fern­sehen RAI mit der Rea­li­sie­rung der in der Folge sehr er­folg­rei­chen Serie „Il Com­mis­sario Mont­al­bano“ begonnen.
Bisher wurden 22 Folgen ausgestrahlt. In diesen klärt der sture und raffinierte Salvo Mont­al­bano die kniffeligsten Fälle auf seine ganz eigene Art. Die Traumlandschaft der si­zi­lianischen Dreh­orte lässt dabei ihren ganz eigenen Charme spielen und macht Lust auf Ur­laub. Fernab von italienischen Mafia-Kli­schees werden bei „Com­mis­sa­rio Montal­bano“ si­zi­lia­ni­sche Krimis gezeigt, die unter die Haut gehen.

Commissario Montalbano - Volume VI Commissario Montalbano
Commissario Montalbano
Vol. VI (2 DVDs)
Commissario Montalbano
Vol. V (4 DVDs)

Weitere Montalbano-Krimis
„Die Form des Wassers" (La forma dell´acqua)
„Der Hund aus Terracotta" (Il cane di terracotta)
„Der Dieb der süßen Dinge" (Il ladro die merendine)
„Die Stimme der Violine" (La voce del violino)
„Das Paradies der kleinen Sünder" (Un mese con Montalbano)
„Die Nacht des einsamen Träumers" (Gli arancini di Montalbano)
„Das Spiel des Patriarchen" (La Gita a Tindari)
„Der Kavalier der späten Stunde" (L'odore della notte)
„Die Rache des schönen Geschlechts" (La Paura di Montalbano)
„Das kalte Lächeln des Meeres" (Il giro di Boa)
„Die Passion des stillen Rächers" (La pazienza del ragno)

Darüber hinaus war Andrea Camilleri politisch sehr engagiert. Er war einer, der sehr links stand und sich einmischte, und das noch bis wenige Wochen vor seinem Tod. In einem Interview mit „La Repubblica“ sprach Camilleri kurz nach dem Amtsantritt der Lega-5-Sterne-Regierung 2018 von einem „häss­li­chen Konsens, den Salvini für seine extremistischen Thesen bekommt“, der ihn an 1937 erinnere, das Jahr der ersten faschistischen Rassegesetze.
Und als Italiens Innenminister und aktueller starker Mann mit betont (verlogenen) ka­tho­li­schen Auf­trit­ten gegen die progressive Haltung des Papstes po­le­misierte, sagte Camilleri, dass er „Brechreiz be­kom­me, wenn er Salvini mit dem Rosenkranz in der Hand sehe“.
 
 
Gewisse Momente
Jagd nach einem Schatten