Volksmusik und Volksgesang im Besonderen ist seit eh und jeh Ausdruck der Kultur der untergestellten Schichten, von denen die Gefühle, die Wünsche und die Kämpfe bezeugt werden. In Italien war der Volksgesang vorwiegend in der bäuerlichen Kultur verankert, die das Land vor dem Aufkommen der Industrialisierung charakterisierte. Die Industrialisierung zerstörte jedoch nicht unwiederbringlich die Spuren des Volksgesangs und der Volkskultur, einerseits weil weiterhin größere unterentwickelte Regionen fortbestanden, andrerseits, weil die Massengesellschaft selbst etwas Eigenständiges in diesem Bereich schaffen konnte.
Sizilien wurde seit immer als die Wiege des italienischen Volksgesang betrachtet. Das Land war reich an Reimgedichten, Serenaden, Wiegenliedern, mehrstimmiger Vokalmusik. Es sind über 5000 Volkslieder in sizilianischer Sprache bekannt.
"Canzuna di li carritteri " von Francesco Paolo Frontini
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Francesco Paolo Frontini (Catania, 1860-1939) war ein sizilianischer Komponist, Musikhistoriker und Dirigent. Er war sehr an Volksmusik und Volksliedern interessiert und stellte die erste Sammlung sizilianischer Volkslieder in Italien zusammen. Fünfzig dieser Stücke wurden 1883 vom Musikverlag Casa Ricordi veröffentlicht. Eine zweite Sammlung, "Natale siciliano", wurde 1893 von De Marchi in Mailand veröffentlicht.
"Amuri amuri" von Francesco Paolo Frontini
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"Man muss den Menschen die wirkliche, die große Seele unseres Landes bekannt machen. Wir Musiker müssen die große Verantwortung dieser Aufgabe spüren, denn nur in der Musik und im Gesang können wir Sizilianer unsere Gefühle wirklich äußern. Vergisst es nie!". F.P. Frontini
Begleitet werden die sizilianischen Volkslieder oft von einfachen Instrumenten wie dem "scacciapensieri" (der Maultrommel), auf Sizilien "marranzanu" genannt, dem "tambureddu" (Tamburin), dem "friscalettu", einer kleinen Flöte aus Bambus oder Schilf und der "ciaramedda", einer Art Dudelsack.
Carmelo Salemi: Sizilianische Tarantella auf dem friscaletto
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Die Maultrommel (marranzanu aus Sizilianisch) ist weltweit als Volksmusik-Instrument verbreitet. Im Süden Italiens, besonders auf Sizilien und Sardinien, wird seine Tradition hochgehalten.
Ein Marranzanu-Virtuose
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Weitere Begleitinstrumente in der sizilianischen Volksmusik sind die Gitarre, die Mandoline und die Ziehharmonika. Ein traditioneller Volkstanz Siziliens ist die Tarantella
[]. Vor allem in Sizilien erhielt sich eine besondere Liedform, ein Wechselgesang zwischen Instrument und Stimme. Dabei ist der sizilianische Gesang stark von der orientalischen Musik beeinflusst.
Tarantella siciliana
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Domenico Modugno zählt als
"Vater" der italienischen cantautori (Liedermacher,
die ihre Lieder selber singen) und zu den bekanntesten Chansonniers
in Europa. Obwohl er selbst aus Bari (Apulien) stammte, nahm er auch zahlreiche sizilianische Volkslieder in sein Repertoire auf.
Domenico Modugno singt "Tambureddu" (Tarantella)
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Rosa Balistreri (1927-1990) war eine sizilianische Volkssängerin, die als Tochter eines fahrenden Händlers in sehr ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, aber dabei ganz Sizilien kennen lernte. 1964 wurde sie zum Festival della Canzone Popolare in Salerno (Kampanien) eingeladen und dort mit einem Preis ausgezeichnet. Sie wurde rasch zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Volksmusik, die in jenen Jahren in Italien wiederentdeckt wurde.
Rosa Balistreri singt "Mirrina"
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Trotz der Erfolge blieb sie ihren Wurzeln und den ärmeren Menschen verbunden. Rosa Balistreri sang mit kräftiger, bisweilen rauer Stimme, die sehr gut zu den eher schwermütigen Texte über Armut, Gefangenschaft und Mafia passten.
Rosa Balistreri singt "La siminzina" (Wiegenlied)
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Die in Catania geborene Carmen Consoli (Jahrgang 1974) ist eine in Italien sehr erfolgreiche Liedermacherin und Sängerin, die in den letzten Jahren die Pop-Musik verlassen hat, um sich intensiv mit Volksmusik zu befassen.
Carmen Consoli singt "Cu ti lu dissi" von Rosa Balistreri
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Cu ti lu dissi ca t'aiu a lassari
megghiu la morti a no chistu duluri
ahi ahi ahi ahi moru moru moru
ciatu di lu me cori l'amuri miu si tu
Cu ti lu dissi a ttia nicuzza
lu cori mi scricchia a picca picca picca picca picca
ahi ahi ahi ahi moru moru moru
ciatu di lu me cori l'amuri miu si tu
Lu primu amuri lu fici cu ttia
e tu schifiusa ti stai scurdanno i mia
paci facemu o nicaredda mia
ciatu di l'arma mia l'amuri miu si tu
(Wer hat es Dir gesagt, dass ich Dich verlassen muss?
Es ist besser zu sterben, als diesen Schmerz ertragen.
Au, au, ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe,
Atem meines Herzens, meine Liebe bist Du.
Wer hat es Dir gesagt, kleines Mädchen?
Mein Herz zerbricht langsam, langsam.
Au, au, ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe.
Atem meines Herzens, meine Liebe bist Du.
Das erste Mal, dass ich liebte, war es mit Dir,
und Du, Unverschämte, Du vergisst mich?
Machen wir Frieden, meine Kleine,
Atem meines Herzens, meine Liebe bist Du.)
Die seit 1990 in Berlin lebende sizilianische Sängerin und Komponistin Etta Scollo (Jahrgang 1958) zählt zu den beliebtesten italienischen Künstlerinnen. In ihrem Projekt "Canta Ro' - Hommage an Rosa Balistreri" erweckte sie die Musik der berühmten Volkssängerin Siziliens zu neuem Leben.
Etta Scollo singt "U pumu" von Rosa Balistreri
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Etta Scollos aktuelles Projekt "Il fiore splendente" widmet sich wieder Sizilien, wenn auch von einer neuen, äußerst originellen Warte aus: Vor einiger Zeit hatte sie ein Gedichtbuch von arabischer Poeten gefunden, die vor etwa 1000 Jahren auf Sizilien lebten. Das sinnliche Bild des alten Siziliens, das ihr diese Gedichte zeigten, faszinierte sie dermaßen, dass sie beschloss, die antike arabische Dichtkunst mit traditioneller und moderner sizilianischer Musik zu verbinden.
Etta Scollo singt "Sicilia mia"
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Etta Scollo ist eine wunderbare Sängerin, die die arabischen Gedichte sehr emotional und mit großem Können vertont hat.
Das eher traurige, von einem arabischen Arzt stammende "Un Solo Bacio" (Nur ein Kuss) verbindet auf meisterhafte Art Siziliens heutigen Musik mit einem nicht unbeachtlichen Teil seines historischen Erbes.
Etta Scollo singt "Un solo bacio"
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Nur ein einziger Kuss aus diesem Mund öffnet das Tor der Angst...
Sizilien
Sizilien (Sicilia) ist eine 25.711 km² größte Insel im Mittelmeer, die im Südwesten der "Stiefelspitze" Italiens liegt. Sie ist der Überrest einer Landbrücke, die früher Europa und Afrika verband. Das markanteste geographische Merkmal der Insel ist der aktive Vulkan Ätna. Die Hauptstadt ist Palermo. Weitere größere Städte sind Catania, Enna, Messina, Trapani und Syrakus.
Canti della Sicilia (Aufs Bild klicken, um
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Canti siciliani (Aufs Bild klicken, um
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Canta Ro'
Etta Scollo singt Lieder
von Rosa Balestreri (Aufs Bild klicken, um
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Les Siciliens
Etta Scollo singt
sizilianische Lieder (Aufs Bild klicken, um
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Cu ti lu dissi (Aufs Bild klicken, um
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Tarantella siciliana (Aufs Bild klicken, um
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Domenico Modugno
Sizilianische und neapolitanische Volkslieder (Aufs Bild klicken, um
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Gewa Maultrommel 70 mm (Aufs Bild klicken, um
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Mein Sizilien
von Leonardo Sciascia (Aufs Bild klicken, um
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Sizilien, Sizilien
Eine Heimkehr
von Ralph Giordano (Aufs Bild klicken, um
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Sizilien (Aufs Bild klicken, um
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