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Tarantella
Mit dem Begriff Tarantella ist eine Reihe von traditionellen Tänzen gemeint, die hauptsächlich in Süditalien beheimatet sind. Die dazu gehörende Musik zeich­net sich durch einen schnellen Rhythmus im 6/8-Takt (manchmal auch im 18/8- oder im 4/4-Takt) aus und durch die Begleitung von Tamburins.
Der Name "Tarantella" wurde wahrscheinlich von der Stadt Taranto (Ta­rent) in Apulien abgeleitet, im Volksmund heißt es aber, dass der Name von "ta­ran­ta" stamme, einem Dialektwort für die "Lycosa Tarentula", eine in Italien und im Mittelmeerraum anzutreffende giftige Spinne. Demnach bedeutete "Tarantella" "kleine Taranta".
"La Tarantata"
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Dem Aberglauben der alten Apulier nach konnte ein Biss der "Taranta" böse Folgen haben, von denen hauptsächlich Frauen betroffen waren. Die Über­lieferung sprach dem Gift dieser Spinne unterschiedliche Wirkungen zu, wie Schwermut, Krämpfe, übermäßige Erregung, physischen Schmerz, see­li­sches Leid, bis hin zu hysterischen Anfällen, die nur durch einen rei­ni­genden Tanz, die "Taranta", auch "Pizzica Taranta" genannt, geheilt wer­den konnten. Der wilde Tanz sollte die The­rapie darstellen: Die Musiker kamen ins Haus des "Tarantato" oder auf den Markt­platz und be­gannen zu spielen; der Ge­bis­sene tanzte bis zur völligen Erschöpfung, um das Gift aus dem Körper zu treiben. Dabei wurde der "Tarantato" von den Anwesenden mit bestimmten Gegenständen konfrontiert wie Schwertern, Tüchern, Bän­dern oder Spiegeln, die auf irgend eine Weise an Eigenschaften der Taran­tel erinnerten. Dieser sogenannte Tarantismus existierte bis in die sech­ziger Jahre des 19. Jahr­hunderts!
"La Tarantata"
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Die betroffenen Frauen aus Apulien glaubten ohne Zweifel daran, das ihre Symptome durch den Biss der Spinne ausgelöst wurden. Wissenschaftler be­zweifeln das. Sie vermuten, dass die Frauen unbewusst ihre unter­drück­ten Gefühle, Bedürfnisse und Sehnsüchten auslebten. Das klingt glaub­würdig, wenn man bedenkt, dass die Frauen in dieser Region zu jener Zeit kaum das Recht, ihr Haus zu verlassen, hatten, und dass bei den Ehen die Liebe keine Rolle spielte, da sie von den Familien ausgehandelt wurden.
Wenn auch die Tarantella als therapeutischer Tanz begann, wurde sie spä­ter zum Tanz des Vergnügens und der Liebe und als solcher in mehreren lite­ra­ri­schen Dokumenten in Neapel erwähnt und beschrieben. Die Taran­tella wurde zum wichtigsten Tanz im Reich beider Sizilien, speziell in Neapel - der damals bedeutendsten europäischen Stadt nach Paris.

Bei der Tarantella handelt sich nicht um eine homogene und kompakte Tanz­form, sondern um eine ganze Gruppe von regional unterschiedlichen Tän­zen, die charakteristische Gemeinsamkeiten aufweisen. Dazu gehören die ver­schie­denen Tammuriate ("Tänze auf der Trommel“), die irpinische Tarantella, die Tarantella des Gargano, die Pizzica des Salento, die Villa­nedda aus Kala­brien sowie die sizilianischen Tarantelle und Quadriglie.

Tarantella (Basilicata)
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Im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Romantik, griff die Instrumentalmusik diese Musikform auf. Die berühmteste "klassische" Tarantella ist wohl jene von Gioachino Rossini, genannt La danza. Weitere Komponisten, die sich mit der Tarantella befassten, sind zum Beispiel Schubert, Rossini, Liszt, Rach­ma­ni­now, Tschaikowski, Chopin. Ottorino Respighi arrangierte im 19. Jahrhun­dert sein Ballett La boutique fantasque als Tarantella, Kurt Weill komponiert die Gerichtsszene seiner Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als Tarantella. Das bekannte neapoletanische Volkslied "Funi­culì, Funiculà", das eine Huldigung an den Vesuv ist, wurde 1880 anlässlich der Eröffnung der Seilbahn auf den Vesuv von Luigi Denza komponiert. Es erklingt auch in Form einer schnellen Tarantella.
Tarantella napoletana
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In den 1960er Jahren war die traditionelle Musik durch die fortschreitende Amerikanisierung schon fast vollständig verdrängt. Bis der Komponist, Thea­termann, Autor und Opernregisseur Roberto de Simone in den 1970er Jahren mit seiner Oper "La Gatta Cenerentola" nach dem Märchen in nea­po­li­ta­ni­schem Dialekt von Giambattista Basile aus dem Jahre 1600 das musikalische Erbe der Tarantella wieder entdeckte und sie zu neuem Leben erweckte. Die Oper ging in der ganzen Welt auf Tournee und wurde ein großer Erfolg.

Bis ans Ende der 1950er Jahre fand in Galatina (Apulien) am Festtag des Heiligen Paulus (29. Juni) eine gemeinsame Heilung der Krankheit statt. An die­sem Tag kamen die Kranken aus der Umgebung, baten um Unter­stüt­zung und tanzten die Pizzica auf dem Kirchplatz und in der Kirche. Im Laufe der Zeit wurde diese Zeremonie zu einer Art Karneval, mit teils obszönen Aspekten und wurden von der Kirche verboten.

Nacht des Heilgen Paulus in Galatina
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Aber die tradition der Tarantella hatte immer schon Elemente, die auch die Jugendlichen von heute begeistern können. Wenn auch der wirkliche Ta­ran­tismo als Phänomen de Facto verschwunden ist, bleibt die Pizzica fest ver­an­kert in der Tradition und dem Folklore Apuliens, insbesondere des Salento. In den 1970er Jahren wurde die Musik und der Tanz der Pizzica wiederentdeckt. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Feste veran­stal­tet, die als Mittelpunkt die Pizzica des Salento haben, unter anderen die Notte della Taranta (Nacht der Taranta) in Galatina, die jedes Jahr Hun­derte von Begeisterten und Neugierigen anzieht.
 
Tarantella
Salento
Salento ist der Name einer 100 km langen und 40 km breiten Halbinsel im äußersten Südosten Italiens. Der Salento wird auch als der "Absatz" des italienischen "Stiefels" bezeich­net. Administrativ gehört die Halb­insel zur Region Apulien und um­fasst die Provinz Lecce und Teile der Provinzen Taranto und Brindisi.

Tarantella und Tarantismus
Tarantella und Tarentismus
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Tarantella
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Tarantella per fischietto

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Caruso
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Caruso
O sole mio
der unbekannte Caruso

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Rossini - La Danza
Rossini - La Danza
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Tarantella
Tarantella
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