Film/ Medien

Johnny Stecchino (1991)


Hätte man vor 1997 jemanden au­ßer­halb Italiens gefragt, wer Roberto Benigni sei, er hätte nur den Kopf geschüttelt. Dann kam La vita è bella (Das Leben ist schön) und plötzlich war er weltweit bekannt.
Johnny StecchinoDante (Roberto Benigni) ist ein kindlich-nai­ver Busfahrer für geistig zu­rück­ge­bliebene Kinder, der seine Schütz­linge im Zoo-Chor singen lässt und Süßigkeiten liebt, ein ge­bo­rener Verlierer, der besonders in der Liebe wenig Glück hat. Um so über­raschter ist er, als er durch einen Auto­unfall seiner Traum­frau Maria (Nicoletta Braschi) begegnet und als die sich an­scheinend Hals über Kopf in ihn verliebt. Sie nennt ihn zärtlich Johnny, zeich­net ihm ein Muttermal auf die Wange, lässt ihm einen Zahn­sto­cher zwischen den Zähnen tragen, kauft ihm einen eleganten Anzug und geht mit ihm in teure Restaurants.
Die Wahrheit ist aber eine ganz andere. Denn Dan­te gleicht dem Geliebten der Frau, dem si­zi­lianischem Ga­no­ven Johnny Stecchino (Johnny Zahn­sto­cher), der sich seit Jahren im Keller seiner Villa vor der Mafia versteckt hält, bis aufs Haar.

Maria lockt Dante nach Palermo, damit er, anstelle von Johnny beseitigt wird. Somit könnte sie, nun­mehr von der Mafia unbehelligt, mit ihrem Geliebten nach Amerika fliehen. Klar, dass der schüchtern-chaotische Dante ihrer Ein­ladung nach Sizilien folgt. Und so stolpert der ahnungslose von einer Nacht mit Maria träumend zwischen Mafia, Gewehrsalven, kor­rupten Ministern, Rauschgift und Bananen seinem geplanten Ende entgegen. Aber immer wie­der ge­lingt es ihm, sich auch aus den brenzligsten Situationen zu retten. Den un­aus­weich­lichen Show­down löst Maria weiblich-intelligent auf ihre Weise.

Trailer (Englisch)
Roberto Benigni
Der 1952 geborene Roberto Benigni wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und begann Anfang der 70er-Jahre beim alternativen Theater. Mit seinen grotes­ken Ein-Mann-Bühnenshows hatte er dabei großen Erfolg. 1976 schaffte er den Sprung ins Fernsehen und war in einer damals recht populären TV-Serie zu sehen.
In den folgenden Jahren sah man ihn immer wieder in kleinen Rollen, aller­dings auch in Filmen von be­deutenden Regisseuren, wie in „Die Liebe einer Frau" (1978) von Costa-Gavras.
Johnny Stecchino
Johnny Stecchino
1982 gab Benigni mit „Tu mi turbi“ sein Regiedebüt. Es folgte eine Reihe von Filmen, die kaum über Ita­lien hinausdrangen. Seinen internationalen Durch­bruch hatte er 1986 in der amerikanischen Pro­duk­tion „Down by Law“ von Jim Jarmusch. Der Film machte Benigni erstmals über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. Mit Jim Jarmusch drehte er Jahre später auch einen Beitrag zu der Kurzfilmreihe „Coffee and Cigarettes“.
1988 folgte mit „Ein himmlischer Teufel" eine wei­tere Regie-Arbeit. Danach stand er wieder für Federico Fellini in „Die Stimme des Mondes" (1989) vor der Kamera. Die Verwechslungskomödie „Zahnstocher Johnny" (1991) realisierte er dann wieder in Eigenregie.

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Viele seiner Filme, wie z.B. „Der Sohn des rosaroten Panthers" (1993), oder „Das Monster" (1994), wo Benigni einen unbedarften Tölpel spielt, der in den Verdacht gerät, ein psychopathischer Frauenmörder und Serienkiller zu sein, wirken albern, eine An­samm­lung von Gags ohne Niveau. Dennoch hatte er in Italien mit derartigen Filmen einen ziemlich großen Erfolg.
Kaum jemand hätte ihm deshalb zugetraut, dass er „La vita è bella“ („Das Leben ist schön“, 1998), einen Film über den Holocaust, tatsächlich ohne schalen Bei­ge­schmack über die Bühne bringen würde. Der jüdische Buch­händler Guido (Benigni) wird mit seiner Familie ins KZ verschleppt, wo er seinen vierjährigen Sohn Giosuè vor den Nazis versteckt. Um ihm das Leben erträglich zu machen, erzählt er ihm, dies alles sei nur ein lustiges Spiel zwischen Wärtern und Gefangenen, und wer am Ende die meisten Punkte gesammelt habe, be­kom­me einen Panzer geschenkt..

Mit „La vita è bella“ kam endlich der große, inter­na­tionale Erfolg. Der Film wurde in aller Welt mit Prei­sen überschüttet.
Eine riesige Enttäuschung war dagegen seine „Pi­nocchio"-Adaption (2002)
– in Italien allerdings auch sehr erfolgreich.
Roberto Benigni ist nicht der Regisseur, den Bil­dungs­bürger oder Intel­lekt­uelle so ohne weiteres zur Kenn­tnis nehmen. Eigentlich ist er das genaue Ge­genteil. Er macht Klamauk und alberne Witzchen zum Schen­kel­klopfen. Die meisten seiner Filme wurden deshalb von der Kritik mit wenig Begeiste­rung auf­ge­nommen. Und das ist schade, denn diese Filme sind sicherlich Kla­mauk, aber auch immer wieder gewürzt mit viel Ein­falls­reichtum und einer ordentli­chen Prise Menschlichkeit und Humor.
Seit 1991 ist Roberto Benigni mit der Schauspielerin Nicoletta Braschi ver­heiratet, die in vielen seiner Filme (wie in „La vita è bella“) die weibliche Hauptrolle spielt.
 
 
Johnny Stecchino
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Das Leben ist schön
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Down by law
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