Die ligurische Metropole
Genua ist zwar als Hafenstadt, aber kaum als Touristenziel
bekannt. Laden doch der Hafen und die Industrieviertel, die
sich dem Durchreisenden präsentieren, nicht gerade
zum Verweilen ein.
Dabei hat diese Stadt weit mehr zu bieten: Die mittelalterliche
Altstadt gilt als eine der größten Europas, eine
Art Kasbah, die viel Atmosphäre und allerhand architektonische
Juwele zu bieten hat; und dann die vielen wundervollen
Ecken am Meer: den Corso Italia, Boccadasse, Capo
Santa Chiara mit seiner wunderbaren Aussicht, Quarto, Quinto, Nervi.
Boccadasse ist der
Endpunkt vieler Sonntagsspaziergänge auf dem Corso Italia,
der kilometerlangen Meeresuferpromenade von Genua.
An der Kirche von Sant'Antonio vorbei gerät man zu einem
Aussichtspunkt, das sich oberhalb von Boccadasse befindet,
und von dem aus man die einmalige Kulisse dieses Kleinen Ortes
genießen kann.
Sonntagsspaziergang am
"Corso Italia". Mit der Kirche von Sant'Antonio
Das alte Fischerdorf Boccadasse ist ein Stadtteil im Stadtteil, aber auch
ein antikes, ursprünglich gebliebenes Dorf mitten in einem
modernen Viertel. Sein Name soll auf die Form der kleinen Bucht
zurückgehen, die wie ein Eselsmaul aussieht, was im genuesischen
Dialekt "böcca d'äse" heißt.
Die Piazzetta, die Fischerboote,
der kleine Strand, die verschachtelten, übereinander getürmten kleinen Häuser Boccadasses mit ihren pastellfarbenen Fassaden und das pittoreske Durcheinander von schmalen Durchgängen, steilen Treppen und handtuchschmalen Gässchen sind der perfekte Rahmen für das unvergleichliche Panorama des Golfes
bis nach Portofino. Boccadasse ist ein
romantischer Ort für Verliebte.
Boccadasse
wie es war und wie es immer noch ist
Boccadasse ist ein Viertel, das
die Genueser heiß lieben, gerade weil es in all den Jahren
unverändert geblieben ist. In Boccadasse scheint die Zeit
stehen geblieben zu sein: Es gibt keine Badeanstalten, man hört
nichts vom Verkehr, Das Dorf scheint unverändert,
mit seinen kleinen Gassen, die auf einer Seite ansteigen
und über den Capo Santa Chiara hinunterführen
nach Vernazzola.
Blick auf Boccadasses Strand (Foto von Maurizio Frizziero)
Das alte Viertel (wo übrigens auch Livia,
die ewige Verlobte des Commissario Montalbano, von den Krimis
des Schriftstellers Andrea Camilleri) wohnt, ist ein bezaubernder
Ort, wo seit unzählbaren Generationen die Genueser an
lauen Sommerabenden oder sonnigen Wochenenden flanieren gehen,
das berühmte Eis essen – in Boccadasse gibt es seit 50
Jahren die ANTICA GELATERIA AMEDEO, eine der wenigen gelaterie (Eisdielen), die noch in jeder
Jahreszeit Eis herstellen –, Sonneruntergange bewundern, ihre
Kinder am Strand spielen lassen.
Sonntagsbesucher auf
dem Strand von Boccadasse
Boccadasse gleicht eigentlich einem Bühnenbild, das vom
Rest der Stadt umgeben ist. Dennoch gibt es noch heute eine
kleine Fischerflotte, die ihrem jahrhundertealten Beruf nachgeht.
So kann man noch Fischer, meist alte Männer, beim Flicken
der Netze beobachten, während zahlreiche Katzen in der
Sonne dösen, in hoffnungsvoller Erwartung, dass einer der
Fischer, berührt von ihrem leisen Miauen, ihnen ein kleines
Fischlein zuwirft.
Blick aufs Meer in Boccadasse (Foto von Maurizio Frizziero)
Die Gründung Boccadasses
scheint auf spanische Fischer zurückzugehen, die durch
Unwetter gezwungen waren, hier an Land zu gehen, wo sie blieben
und den kleinen Hafen gründeten. Heute lebt Boccadasse
kaum noch vom Firschfang, sondern auch dank der kleinen Kunstgalerien,
der Eisdielen, der Restaurants und vom Besuch junger und älterer
Sonnenhungriger, die sich auf seinen Felsen sonnen.
Boote in Boccadasse an
einem stürmischen Herbsttag
Oberhalb
des Ortes befindet sich der Kap von Santa Chiara, wo
sich zwei kleine Schlösser befinden und von wo man eine
herrliche Aussicht auf den Golf von Genua genießen kann
mit dem Berg Portofino als eindrucksvolle Kulisse.
Die Kleine Bucht am Capo
Santa Chiara
Was wohl kaum einer weiß: Der Name dieses
kleinen genueser Viertels stand Pate bei der Benennung des
Viertels La Boca in Buenos Aires, das größtenteils
von Genuesern besiedelt wurde.
Auf den Trikots des argentinischen Fußballverein Boca
Junior steht geschrieben zeniexes (Genueser).
"Mareggiata" (stürmisches Meer) in Boccadasse
Der genuesische Mundartdichter Edoardo Firpo widmete seinem geliebten Boccadasse ein paar Verse:
Sinngemäß übersetzt: "Mein Boccadasse, wenn man vom Chaos der Stadt bei dir ankommt, ist es, als würde man zurück in seine Wiege kommen, oder in die Arme einer Mutter fallen ....."
Boccadasse (Genua)
Jedes Mal, wenn ich nach Genua komme, fiebere ich dem Augenblick
entgegen, an dem ich das alte Fischerdorf Boccadasse
besuchen kann. Im Sommer ist ein semifreddo (Softeis)
ein absolutes Muss. Es ist eines der Besten Genuas. Im Winter,
wenn die mareggiata (stürmische See) die Wellen
über den Strand peitscht, kann man sich in die Zeit zurückversetzt
fühlen, als dieses Genueser Viertel noch ein autonomes
Fischerdorf war, als Fischen noch ein gefährlicher, anstrengender
Beruf war und nicht ein Zeitvertreib von alteingesessenen,
traditionsbewussten Menschen.
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