Essen und genießen

Colonia Eritrea



Zufälle des Lebens: Viele Jahre be­vor mein Vater den Äthiopischen Krieg als Re­por­ter und Ita­lien­gegner verfolgte, hielt sich der zukünftige Schwie­ger­vater seiner zukünftigen Tochter (also meiner Schwester) in Eritrea auf, wo er in Auftrag der italienischen Be­sat­zungs­macht eine Kommu­ni­ka­tions­in­frastruktur auf­bauen sollte. Viele, viele Jahre später wurden die beiden gute Freunde.
1869 kaufte der katholische Priester Giuseppe Sa­pe­to im Auftrag des genue­sischen Reeders Raffaele Rubattino und im stillschweigenden Einverständnis mit dem Ita­lienischen Königshaus dem Sultanat von Afar die Bucht von Assab ab. Mit der Eröffnung des Suez-Kanals begann auch Italien die Eroberung eines Küs­ten­strei­fens zu planen, der hohe stra­te­gi­sche Bedeutung bekommen sollte. Mit der Zu­stim­mung des italienischen Parlaments und des Königs Um­berto I. kaufte die Gesellschaft 1870 weiteres Gebiet dazu bis zum Hafen von Massaua und darüber hinaus.
Am 29. April 1870 wurde der Küstenstreifen von der ägyptischen Flotte zu­rück­erobert, die Gesellschaft zog sich zurück, weil die italienische Regierung es verpasst hatte, zur Absicherung einen Freund­schafts­vertrag mit den Briten abzuschließen. Am 15. März 1880 kaufte die Gesellschaft „Rubattino" Assab zurück. Im Juli 1882 übernahm der italienische Staat die Hafenstadt und rief die Kolonie Assab aus.
Als Ägypten 1882 von Großbritannien erobert wurde, drohte keine Gefahr mehr für Assab, denn Italien und Großbritannien hatten, um dem Expan­sions­drang Frank­reichs zu begegnen, ein freund­schaft­li­ches Verhältnis entwickelt. Diverse Or­ga­nis­ationen, zu denen auch die So­cie­tà Geo­gra­phi­ca Ita­liana und die Società di Esplo­ra­zio­ne Com­mer­cia­le zählten, unternahmen immer wieder Expeditionen ins Landesinnere von Eritrea und Abessinien.
Sie stießen dabei auf den heftigen Widerstand des abessinischen Kaisers Yohannes IV, der ebenfalls die Eroberung Eritreas geplant hatte, um für seinen Staat einen Zugang zum Meer zu gewinnen.

Horn von Africa
Eritrea
Ethiopia & Eritrea
Horn von Afrika.
Wegweiser zur Geschichte
Eritrea: Ein Reiseführer Ethiopia & Eritrea
(Lonely Planet)

Anfang 1885 besetzten italienische Truppen mit Hilfe eines britischen Kano­nen­bootes die Hafenstadt Massaua, im Sommer das davor liegende Archipel Dahlak. In Abessinien sah man die italienische Ausbreitung mit Unbehagen. Am 26. Januar 1887 überfielen und schlugen abessinische Truppen in Dogali ita­lienische Truppen, die ins äthiopische Hochland vorrücken wollten.
Zum Wiedererlangen des nationalen Prestiges be­schloss daher die italienische Regierung die Aus­wei­tung ihres Einflusses auf das gan­ze Ge­biet. Im Au­gust 1889 besetzten die Truppen Asmara und es erfolgte die Vereinigung und Erweiterung der Gebiete Assab und Massaua zur Kolonie Eritrea, die am 1. Januar 1890 offiziell ausgerufen wurde.
Die Ankunft der Italiener wurde von der Eritreische Bevölkerung in den Ebe­nen mit Wohlwollen be­trach­tet, da sie bis dahin immer wieder von den Amharen und Tigray (Äthiopiern) des Hochlands überfallen und bedrängt worden waren.
Die „Co­lo­nia Eri­trea“ war also die ers­te ita­lie­ni­sche Ko­lonie in Afri­ka. Ihre Be­sied­lung, ins­be­son­de­re mit Bau­ern, wur­de kon­ti­nu­ier­lich vo­ran­ge­trie­ben, be­son­ders in der Haupt­stadt Mas­saua, die bis 1939 eine Be­völ­ke­rung von 58.000 Ita­lie­nern auf­wei­sen konn­te, ge­gen­über ei­ner Ge­samt­be­völ­ke­rung von 93.000 Ein­woh­nern. 1893 wurden 400.000 Hektar Land enteignet und man führte zahlreiche Pflichten und Verbote für die Bevölkerung ein. Beides führ­te 1894 zu einer Revolte, die blutig nie­der­ge­schlagen wurde. Bald folgte auch ein Krieg um Äthiopien, der in der Schlacht von Adua für die italienischen Truppen ein katastrophales Ende nahm.
Der 1897 als Gouverneur von Eritrea eingesetzte Ferdinando Martini handelte deutlich umsichtiger als sein Vorgänger im Umgang mit Äthiopien, kämpfte gegen Korruption und führte Ordnung ein. Es kam unter seiner Führung zu einem Übergang von einer reinen Militär- zu einer Zivilregierung.
Das be­scher­te der Kolonie einen wirtschaftlichen Aufschwung und führte zu einer zunehmenden Verstädterung (Schulen, Krankenhäuser, Straßen, Eisenbahn) und zur Bildung neuer Sozialklassen. Negativ hervorzuheben für diese Zeit war aber die Ausbeutung der Eritreer als billige Arbeitskräfte und Soldaten.
Bis 1907, als Ferdinando Martini Eritrea verließ, blieb die Lage für die Italiener sehr stabil. Durch die Anerkennung der Rechte der Eritreer auf ihren Land­be­sitz und eine strikte Recht-und-Ordnung-Politik herrschte Frieden, eine Art Pax Italica. Die neue Kolonie war zum Ziel zahlreicher Immigranten ge­wor­den, auch aus dem Norden Äthiopiens.
Was Beschäftigung, Nahrungsangebot und die Erhältlichkeit von Be­darfs­gü­tern betrifft, waren die 1920er und 1930er Jahre zweifelsohne gute Jahre. Dürreperioden bedeuteten nicht gleichzeitig Hungersnot, denn die Regierung konnte diese durch Nahrungsmittelimporte vermeiden. Ebenso wenig gab es bewaffnete Konflikte zwischen den ethnischen Gruppen. Gegen Ende der 1930er Jahre hatte eine ganze Generation von Eritreern in Frieden unter der italienischen Verwaltung gelebt. Das führte zu einem starken nationalen Be­wusstsein, in dem sich die Eritreer von den Äthiopiern, die fortan als unter­ent­wickel­te­res Volk betrachtet wurden, distanzierten.
Die italienische Kolonialherrschaft endete im Zweiten Weltkrieg, als Groß­bri­tannien Eritrea eroberte, nach­dem die Italiener sich am 1. April 1941 in Asmara geschlagen geben mussten. Großbritannien über­nahm für den Rest des Krieges die Herrschaft in Per­son von General Platt als General Officer Commanding in Eritrea..

Am 2. Dezember 1950 verlängerte die Ge­ne­ral­ver­samm­lung der Vereinten Nationen das britische Mandat über Eritrea, welches Italien im Vertrag von 1947 anerkannt hatte. Eritrea wurde am 15. Sep­tem­ber 1952 in die Obhut der kurz davor ge­grün­de­ten Ver­ein­ten Nationen übergeben.

 
 
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