Geschichte

Die Normannen in Italien



Die Normannen (Nordmänner, Männer des Nor­dens, also Dänen, Schweden und Nor­weger) prägten die Geschichte Europas im Früh- und Hoch­mit­tel­al­ter. Sie wurden auch Wikinger genannt und gingen zwischen dem 7. und dem 11. Jahr­hun­dert auf Raub­züge und Handelsfahrten entlang der Küsten Europas und Teilen des Orients. Am 8. Juni 793 wurde das Kloster Lindisfarne im Nord­osten Eng­lands von den Normannen (Wi­kin­gern) über­fal­len. In den darauf­fol­gen­den 250 Jahren beherrschten die skandinawischen Räuber aus Norwegen, Schweden und Dänemark die Nord­see. Laut der Angel­säch­si­schen Chronik fin­gen sie 851 damit an, die bri­ti­schen Inseln zu besiedeln. Die Nor­man­nen plün­der­ten Paris (845 n. Chr.), Köln (860, 881) und Aachen (881), grün­de­ten Kiev und trieben Handel in ganz Europa, bis sie letztendlich in der Nor­mandie an­kamen und ihren Weg zur Königsmacht begannen.
Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wurden die Nor­mannen im Reich der West­fran­ken zunehmend sesshaft. Der Nor­mannenführer Rollo kommandierte im Jahr 911 den letzten großen Überfall der Nor­mannen auf Frankreich. Danach schloss er mit 911 König Karl III. dem Einfältigen den Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte , mit dem er das Gebiet an der Seine-Mündung als Lehen zuge­spro­chen bekam. Als Gegenleistung traten die Normannen dem Chris­ten­tum bei und Rollo leistete den Eid, die Küsten vor an­de­ren Nor­man­nen zu schüt­zen sollten. Das Herzogtum Normandie wurde gegründet.
1066 eroberten französische Normannen unter Wilhelm I. in der Schlacht bei Hastings England. Die skandinavischen Bindungen Englands wichen der fran­zösischen Kultur. Außerdem wurde England einer strengen Königsherrschaft nach normannisch-feu­dalem System unterworfen. Es folgte die Ero­be­rung von Wales, Schottland und Irland durch die Anglo-Normannen
Die Eroberung Süditaliens und Siziliens ist vielleicht die beein­druck­end­ste Leistung der Normannen.

Erstmals in der Gegend urkundlich erwähnt wurden normannische Ritter im Jahre 999. Es waren nor­mannische Pilger, die von ihrer Pilgerreise aus Jerusalem zurückkehrten und einen Zwischenhalt in Salerno einlegten. In Salerno halfen sie der Bevölkerung, sich der Sarazenen zu erwehren. Sie erhielten dort vom Prinz Guaimar IV das Angebot, auch weiterhin in seinem Dienste zu bleiben. Als sie ablehnten, sendete der Prinz einen Botschafter in die Normandie, mit der Aufgabe, eine Heerschar solch tapferer Kämpfer anzuwerben. Daraus folgte, dass einzelnen Ritter/Rittergruppen aus der Normandie nach Süditalien zogen, um hier als Söldner in die Dienste ver­schiedener Fürsten zu treten.

Die normannische Eroberung von Süditalien fand über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten im 11. Jahrhundert statt. Zuerst dienten die nor­man­nischen Söldner verschiedenen langobardischen und byzantinischen Herr­schern. Im Jahr 1016 reisten normannische Pilger zum Schrein des Erzengels Michael in Gargano, trafen dort auf den lan­go­bar­di­schen Adligen Melus von Bari und wurden von ihm überzeugt, einen Angriff auf die Byzantiner in Apulien zu führen. Dies war dann auch die erste nachgewiesene norman­ni­sche militärische Aktion in Süditalien: 1017 zusammen mit Melus gegen die Griechen.

1030 erhielt einer der Normannen, Rainulf, für seine Dienste die Grafschaft Aversa (nördlich von Neapel). Es wurde das erste normannische Territorium in Süditalien. Mit der Zeit begannen die Normannen weitere Besitztümer und Vorformen von Kleinstaaten zu errichten. Diese schlossen sich zusammen, was die Normannen mit der Zeit zu einem de facto unabhängigen Machtfaktor in der Region machte.
Unter den Normannen waren auch mehrere Söhne aus der Familie der Hauteville. Als die Normannen nach Süditalien kamen, kreuzten sich dort die In­te­res­sen langobardischer Fürstentü­mer, der By­zan­ti­ner, Ara­ber, Päp­ste und deut­schen Kaiser. Im Laufe des 11. Jahrhunderts besiegten die Normannen aber die Fürsten, die Byzantiner und 1053 auch den Papst Leo IX.

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Im Jahr 1059 vollführte das Papsttum eine radikale Wende in seiner Haltung gegenüber den Nor­man­nen. Galten sie bisher als Ungläubige, auf einer Stufe mit den Sa­ra­ze­nen, so suchte die Kirche nun das Bündnis mit ihnen. Der Hauptgrund lag in der schwachen militärischen Stellung des Papsttums selbst.

Im August des Jahres 1059 kam es zur Synode von Mel­fi. Papst Ni­ko­laus II. be­stä­tig­te nicht nur die Ge­biets­an­sprü­che der bei­den Fürs­ten Ri­chard von Ca­pua und Ro­bert Guis­kard, son­dern mach­te sie zu sei­nen Lehns­leu­ten. Ro­bert wur­de in den Stand des Herzogs von Apulien, Kala­brien und des zukünftigen Siziliens erhoben. Mit dieser Formulierung unterstützte der Papst aus­drücklich die Rückeroberung Siziliens aus den Händen der Sarazenen.
1061 übertrug Robert Guiskard seinem Bruder Roger die Aufgabe, Sizilien zur erobern. Sizi­lien, das zum größten Teil von einer griechisch-or­tho­doxen Be­völ­ke­rung bewohnt war, war unter ara­bi­scher Kon­trol­le. Von 1061 bis 1091 fand die Eroberung Siziliens statt.

1060 fiel zunächst Reggio Calabria. Im Mai 1061 fiel Messina nach einem Täuschungsmanöver Roberts. Damit stand der wichtige Brückenkopf nach Sizilien. In der Folge gerieten die Eroberungen allerdings ins Stocken, denn Roberts Kräfte wurde immer wieder auf dem Festland gebunden. Denn die Byzantiner zettelten von der Hafenstadt Bari - damals eine der wichtigsten Städte des Südens - aus immer wieder Aufstände gegen die Hauteville an.

Um die stark befestigte Stadt Palermo einzunehmen, musste der Herzog alle Kräfte bündeln. Daher war es erforderlich, dass Robert zunächst Bari ero­ber­te. Dieses gelang nach dreijähriger und zäher Be­la­ge­rung 1071. Ohne Pause ging es dann weiter nach Sizilien. 1072 eroberte Robert schließlich Pa­ler­mo und setzte Roger als Herzog von Sizilien ein. 1085 unternahm er eine erneute Offensive ge­gen die beiden letzten Widerstand leistenden Städte Syrakus und Noto. Im März 1086 ergab sich Syrakus und im Februar 1091 Noto. Mit dem Fall der beiden Städte war die Eroberung Siziliens ab­geschlossen.

1076 fiel Gisulf II von Salerno mit Piraten und Ban­den ins Gebiet der Nor­man­nen ein. Richard von Capua und Robert Guiscard verbündeten sich daraufhin und belagerten Salerno. Am 13. Dezember 1076 fiel die Stadt und der Herzog zog sich mit deiner Familie in die Zitadelle zurück, die erst im Mai 1077 erobert werden konnte. Der Herrscher von Amalfi, Marinus wurde erst 1101 besiegt, als ein Teil der Adligen von Amalfi ihn verrieten und auf die Seite der Normannen wechselten.

Im Jahr 1137 fiel das Fürstentum von Neapel nach zähem Widerstand in die Hand der Normannen. Es war einer der letzten süditalienischen Staaten, der in den Besitz der Normannen kam. 1139 fügte Roger das Fürstentum seinen Besitzungen hinzu und es wurde während 167 Jahren Bestandteil des nor­man­nischen Königreichs Sizilien.
Unter dem Sohn Rogers, Roger II. (1101-1154), kamen die getrennt be­herrschten Gebiete Süditalien und Sizilien wieder in eine Hand. Er baute eine starke zentrale Verwaltung auf, die sich vor allem auf Beamte stützte. Mit ihnen kontrollierte er den Adel, die Städte und die Kirche. 1127 wurde Roger Herzog von Apulien, Kalabrien und Sizilien. 1130 ließ er sich zum König von Sizilien krönen. Palermo wurde zur Hauptstadt seines Reiches, Zentrum von Verwaltung, Heer und Wissenschaft.
Der „Palazzo dei Normanni“ in Palermo
In Sizilien gab es zu jener Zeit ein Völkergemisch aus Arabern, Normannen, Griechen, Sizilianern und Juden. Under Roger II. herrschte religiöse Toleranz, auch gegenüber den Muslimen, die auch in der Verwaltung, der Industrie und in der Wissenschaft eingesetzt wurden. 1140 verkündete Roger die 44 Ge­setze der Assisen von Ariano: das war ein einheitliches Gesetzeswerk, das seine Wurzeln in verschiedenen Kulturen hatte, mit Elementen aus der rö­mi­schen, byzantinischen, langobardischen, arabischen und normanni­schen Rechtstradition.
Wilhelm I. der Böse (1154-1166) stand immer im Schatten seines Vaters. Sein größter au­ßen­po­li­ti­scher Erfolg war der Friedensschluss mit Papst Ha­drian IV. im Konkordat von Benevent im Juni 1156, der unter Ausklammerung der terri­to­ria­len Streit­fra­gen an der Nord­gren­ze des Königreiches eine fast vollständige Anerkennung der Vorrechte des sizilischen Königs gegenüber der Kirche brachte. Auch die Handels- und Rechtsschutzverträge mit Genua und Venedig stärkten das normannische Reich.
Wilhelm II. der Gute (1166-1189) erhielt von kirchlichen Kreisen seinen Beinamen, weil er Kirchen baute, statt sie zu plündern, wie sein Vater, des­sen Politik er zunächst weiterführte. Abgesichert durch eine geschickte Heirats­po­litik un­ter­nahm er ein großangelegtes Expansionsprogramm: Auf dem Zug nach Konstantinopel wurde sein Heer aber ge­schla­gen. Ein Feldzug Wilhelms gegen Ägypten scheiterte auch, bei den Vorbereitungen zum Dritten Kreuzzug starb der König.
Mit dem Tod Wilhelms des Guten endete die nor­man­ni­sche Herrschaft in Si­zi­lien und Süditalien, denn Wilhelm starb ohne einen männlichen Erbe. 1186 heiratete Heinrich VI., der Sohn Kaiser Friedrichs Barbarossa, die Erbin des Nor­man­nen­rei­ches Konstanze, Postum geborene Tochter von Roger II. und dessen 3. Frau Beatrix von Retheldie. Damit begann die Herrschaft der Staufer in Sizilien und Süditalien.
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