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Das Grab im Busento
Weshalb ich diese Ballade eines deutschen Dichters auf diesen Italien-Seiten aufführe? Sicher nicht deshalb, weil der Busento ein Fluss in Italien ist! Der Grund dafür ist, dass es eine großartige Übersetzung seitens des großen italienischen Dichters und Literatur-Nobel-Preisträgers Giosué Carducci gibt.
Selten habe ich ein Gedicht gelesen, das in der Übersetzung dem Original derart nahe kommt und dessen Rhythmen und Klänge so gut wiedergegeben wurden, dass es für mich schwer zu entscheiden ist, welches der beiden mir besser gefällt.

Mit ihren düsteren Farben und Tönen und den wehmütigen und feierlichen Stimmen ist es eine großartige Ballade, dennoch mit unterschiedlichen Ak­zenten in den beiden Versionen: elegisch im Original des Graf von Platen, episch in der Übersetzung von Carducci.

In diesem Gedicht geht es um Alarich, den König der Westgoten, der im Jahr 410 Rom erobert hatte. Gewillt, seinen Siegeszug bis nach Sizilien und Afrika fortzusetzen, begab sich Alarich nach Cosenza in Kalabrien, wo er zu Tode kam. Um das Grab ihres Königs vor Räubern und die Leiche vor Schändung durch die römischen Truppen zu schützen, leiteten die Goten den Fluss Busento um und ließen im Flussbett ein Grab schaufeln, in das sie Alarich bestatteten. Dann leiteten sie den Fluss wieder zurück, um das Grab vom Wasser des Flusses überströmen zu lassen. Nach der Sage wurde Alarich mit einem großen Schatz beigesetzt und man ließ alle Gefangenen, die Zeugen dieses Vorgangs waren, töten.


Das Grab im Busento
   

Nächtlich am Busento lispeln
bei Cosenza dumpfe Lieder;
Aus den Wassern schallt es Antwort,
und in Wirbeln klingt es wieder!

Und den Fluß hinauf, hinunter
zieh'n die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen,
ihres Volkes besten Toten.

Allzu früh und fern der Heimat
mußten hier sie ihn begraben,
Während noch die Jugendlocken
seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento
reihten sie sich um die Wette,
Um die Strömung abzuleiten,
gruben sie ein frisches Bette

In der wogenleeren Höhlung
wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam,
mit der Rüstung auf dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder
ihn und seine stolze Habe,
Daß die hohen Stromgewächse
wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male,
ward der Fluß herbeigezogen:
Mächtig in ihr altes Bette
schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern:
"Schlaf in deinen Heldenehren!
Keines Römers schnöde Habsucht
soll dir je dein Grab versehren!"

Sangen's und die Lobgesänge
tönten fort im Gotenheere;
Wälze sie, Busentowelle,
wälze sie von Meer zu Meere!
 
August von Platen

August Graf von Platen (gebo­ren 1796 in Ansbach, gestor­ben 1855 in Syrakus ) war der Nachkomme eines alten, verarmten Adelsgeschlechts. Von Platen ließ sich vom Militärdienst beur­lau­ben, um sich dem Sprach­stu­dium und der Poesie zu widmen. 1826 fuhr er nach Italien, wo er bis zu seinem Tode blieb.

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