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Stefano Benni

Ich las "Bar Sport", das erste (1976) und be­kann­teste Buch von Stefano Benni vor vielen Jahren. Es gilt in Italien inzwischen als Klassiker der hu­mo­ristischen Literatur. Dieses Buch beschreibt auf surrealistische, und dennoch völlig glaubwürdige Art die Realität der italienischen Bars [ ], be­sonders jener in der Provinz.
Wenn man sich durch das Buch blättert, lernt man skurrile Gestalten kennen, von denen man meinen könnte, es könnte sie doch gar nicht geben. Den Angeber, das Lügenmaul, den Carabiniere, den Fußballfanatiker, der alle Mannschaften aller Ve­reine in- und auswendig kennt, den schüchternen Buchhalter, der unsterblich in die Kassiererin verliebt ist, und Dutzende andere Personen, jede für sich interessant und doch völlig "normal". Schade, dass es keine deutsche Übersetzung dieses Werkes gibt.
In italien gehört Benni inzwischen zu den erfolgreichsten Autoren, von seinen Büchern wurden mehr als 2,5 Millionen Exemplare verkauft. Beim Film "Musica per vecchi animali" führte er 1989 Regie. Von 1992 an schrieb er auch einige Theaterstücke, von denen viele am Teatro dell'Archivolto in Genua uraufgeführt wurden. Als Kolumnist schreibt er regelmäßig für das Wochenmagazin "Panorama" und die Tageszeitung "Il Manifesto".
Seine Kurzgeschichten und Romane sind oft surreal bis makaber und brutal - und bringen doch gerade deshalb die Realität des italienischen Alltags sehr nahe. Seine rund zwanzig Bücher – vom Politthriller über Märchen bis hin zur Groteske – überschreiten mutwillig die Grenzen der verschiedenen Genres und sind besonders bei jungen Lesern sehr beliebt.
Oftmals handeln seine Geschichten von Freundschaft, Solidarität und Fan­tasie. Seine Satire greift nicht selten die verlogenen Politiker und die angepassten Massenmedien an. Bennis Stil ist reich an Wortspielen, Wortneubildungen, Anspielungen auf Ereignisse, Personen und andere literarische Werke.
Die Mediensatire "Baol" (1990) spielt deutlich auf George Orwells "1984" an: So ist das "Ministerium der Wahrheit" bei Benni ein TV-Archiv, das mit ge­fälschten Aufnahmen die Massen kontrolliert. Mit schwarzem Humor entfaltet sich in seinen Romanen eine Medien- und Politsatire, die die triste Welt der Großstadt, den gierigen Neoliberalismus, sowie die Folgen der Globalisierung spöttisch überzeichnet. Dieser moralische Anspruch, der unter der grellen Oberfläche seiner Romane ein ernstes und bisweilen melancholisches Bild vermittelt, unterscheidet Benni von den Autoren der Popliteratur.
Bennis kürzlich in Deutschland erschienener Roman "Achille piè veloce" (Der schnellfüßige Achilles) erzählt von der spannungsvollen Freundschaft zwischen einem frustrierten Verlagslektor und einem fantasiebegabten Schwerst­be­hin­derten. Voller unerwarteter Wendungen und gespickt mit zahlreichen An­spie­lungen auf Literatur und Politik wird mit abgründigem Humor und bisweilen derber Sprache eine anrührende Geschichte erzählt.
 
 

Stefano Benni

Stefano Benni (geboren am 12. August 1947 in Bologna) ist ein italienischer Schriftsteller, Journalist und Satiriker.

Geister
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