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Leonardo Sciascia

Der sizilianische Autor Leonardo Sciascia (ausgesprochen "Schascha") wurde am 8. Januar 1921 in Racalmuto (Sizilien) als Sohn eines Bergarbeiters ge­boren und starb am 20. November 1989 in Palermo.
Weltberühmt wurden seine Romane "Der Tag der Eule", "Tote auf Bestellung", "Tote Richter reden nicht", "Der Abbé als Fälscher". Viele seiner Werke wur­den auch verfilmt. Sciascia, dessen Auseinandersetzung mit der Ermordung Moros von der Zeitung "Le Monde" mit Zolas "Ich klage an" verglichen wurde, hatte seine Feinde in der Mafia und im Behörden- und Justizsumpf der Anti-Mafia.
Er hinterließ der Welt ein umfangreiches Werk voller Kriminalgeschichten, die einen völlig eigenen Stil hatten und wenig gemein mit den üblichen Krimis.
Italo Calvino kommentierte Sciascias Roman "Jedem das Seine" mit den Wor­ten: "Lieber Leonardo, ich habe deinen Krimi, der kein Krimi ist, mit der glei­chen Leidenschaft gelesen, mit der man Krimis zu lesen pflegt, und außerdem mit dem Vergnügen, zu verfolgen, wie die Krimi-Form demontiert wird, oder besser gesagt, wie die Unmöglichkeit des Kriminalromans in sizilianischer Umgebung demonstriert wird."
Bei Sciascia gibt es zwar auch Verbrechen und Ermittler, aber es kommt nicht oft zu einer Aufklärung des Verbrechens, da die Mächtigen der Gesellschaft es immer wieder schaffen, das zu verhindern, wobei der Ermittler eher als Stö­ren­fried in diesem Zusammenspiel der Kräfte angesehen. Die Mafia nimmt bei Sciascia als verdeckte Macht in jeder Geschichte auf irgendeine Art und Weise Gestalt an, ohne sich jedoch selbst zu verraten oder als klassische Mafiosi in Erscheinung zu treten.
Leonardo Sciascia wurde von 1935 bis 1942 an der Fachhochschule für Lehrer in Caltanissetta ausgebildet. Nach einem Intermezzo als Angestellter einer Behörde war er von 1949 bis 1957 Volksschullehrer in Caltanisetta und dann bis 1968 in Palermo. Parallel dazu beschäftigte er sich als Schriftsteller und Journalist. Die Zeitschrift Galleria und später auch Quaderni di Galleria wur­den in diesen Jahren von Sciascia geleitet. Danach entschloss er sich, nur noch zu schreiben.
Sciascias moralisches Engagement veranlasste ihn, sich aktiv politisch zu engagieren. 1975 wurde er als unabhängiger Kandidat über die Liste des PCI (Partito Comunista Italiano) in den Stadtrat von Palermo gewählt, trat aber schon 1977 von seinem Posten zurück, weil er sich mit den Kommunisten überworfen hatte. Von 1979 bis 1983 war er als Abgeordneter des Partito Radicale Mitglied des Europäischen und italienischen Parlaments.
Außer einer großen Anzahl von Kriminalromanen mit deutlich politischem Hintergrund schrieb er auch Erzählungen, Essays und Gedichte. Dafür erhielt er eine Reihe von Preisen, u.a. den Premio Crotone (1962) und den Prix Seguier (1975). 1986 erhielt er für sein Buch Cronachette den prestige­träch­tigen Premio Bagutta.
In einem Aufsehen erregenden, "Die Profis der Antimafia" betitelten Artikel im Corriere della Sera vom 10. Januar 1987 diskreditierte er die Anti­ma­fia­be­we­gung um die Staatsanwälte Caponnetto, Falcone, Borsellino, Guarnotta und Di Lello mit der Bemerkung, dass die beste Methode um in Sizilien in der Politik Karriere zu machen, sei, einen Prozess gegen die Mafia zu leiten. Er bezwei­fel­te die Aussagekraft der Überläufer (pentiti) wie Tommaso Buscetta, die dem Antimafiapool so viele Erfolge beschert hatten. Seine Polemik und die Kritik anderer Zeitungen führte ein Jahr später zur Auflösung der zentra­li­sierten Ermittlungen gegen die Cosa Nostra Palermos und Italiens.
Leonardo Sciascia war einer der heftigsten und mutigsten Ankläger des po­li­tischen Systems in Italien. Denn dieser unerschrockene Einzelgänger pran­ger­te in seinen Romanen nicht nur die Machenschaften der sizilianischen Mafia an. Sein aufklärerischer Impetus richtete sich in erster Linie gegen die Macht­strukturen der nur attrappenhaft demokratischen Regierungsgewalt in Rom. In seinen Werken werden neben gesellschaftlichen Strukturen insbesondere politische Machtsysteme behandelt und aufgegriffen, vom faschistischen bis zum christdemokratischen Italien, von den italienischen Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Macht im allgemeinen.

Zahlreiche seiner Bücher wurden verfilmt.

Literatur (eine Auswahl)
Le parrocchie di Regalpetra (Salz, Messer und Brot), 1956/57
Gli zii di Sicilia (Sizilianische Verwandtschaft), 1958
Il giorno della civetta (Der Tag der Eule), 1961
Il consiglio d'Egitto (Der Abbé als Fälscher), 1963
A ciascuno il suo (Tote auf Bestellung), 1966
Il contesto (Der Zusammenhang/Tote Richter reden nicht), 1971
Il mare color del vino (Das weinfarbene Meer), 1973
La scomparsa di Majorana (Das Verschwinden des Ettore Majorana), 1975
Candido, ovvero un sogno fatto in Sicilia (Candido oder ein Traum in Sizilien) , 1977
L'affare Moro (Die Affäre Moro), 1978
Nero su nero (Schwarz auf schwarz), 1979
Il teatro della memoria (Aufzug der Erinnerung), 1981
La sentenza memorabile, 1982
Cronachette, Palermo, 1983
Porte aperte (Man schläft bei offenen Türen), 1987
Il cavaliere e la morte (Der Ritter und der Tod), 1988
Una storia semplice, 1989
L'affare Moro (Die Affäre Moro), 1989
Dichter gegen die Mafia

Leonardo Sciascia, einer der be­deu­tendsten zeitge­nös­si­schen Schrift­steller Italiens hat die gesell­schaft­lichen und po­li­tischen Verhältnisse seiner Hei­mat in den Mittelpunkt sei­ner Romane gerückt, die Mafia und die archaische, gewalt­tä­tige, von Korruption und Ver­brechen zer­fressene Insel waren seine Themen.


Leonardo Sciascia
Der Tag der Eule
von Leonardo Sciascia

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Leonardo Sciascia
Das Verschwinden des
Ettore Majorana

von Leonardo Sciascia

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Leonardo Sciascia
Salz, Messer und Brot
Sizilianische Geschichten

von Leonardo Sciascia

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Sizilien
Mein Sizilien
von Leonardo Sciascia

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