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Die Ermordung von Aldo Moro
Die Geschichte Italiens der Nachkriegszeit enthält eine große Zahl von nie ge­klärten Ereignissen wie Attentaten, Morden, Katastrophen und myste­riö­sen Un­fällen. Im Bewusstsein der Italiener, vor allem jener, die po­li­tische links orien­tier­t sind, sind alle diese Ereignisse nur Beweise dafür, dass die Gesell­schaft von der Mafia, den Geheimdiensten und von Rechtsextremisten unter­wandert ist.

Der Pro­fes­sor für Strafrecht an der Universität Bari und Spitzenpolitiker der Democrazia Cristiana Aldo Moro hatte seit 1955 mehrfach Ministerposten inne gehabt und war von 1963 bis 1968 und einmal von 1974 bis 1976 italienischer Minis­ter­prä­sident.

In den 1970er Jahren hatte in Italien die Kommunistische Partei (PCI = Par­ti­to Co­mu­nista Italiano) eine Stimmenmehrheit und der Staat stand am Rande des Bür­gerkriegs. In diesem politischen Umfeld war Aldo Moro der Ar­chitekt einer äußerst heterogenen Mitte-Links-Koalitionen (das sogenannte Centro­si­nistra) mit den Sozialisten. Darüber hinaus befürwortete Moro auch den so ge­nann­ten „Histori­schen Kompromiss" (Compromesso Storico), womit nichts anderes gemeint war, als das Ziel, die PCI von Enrico Berlinguer mit in die Regierungsverantwortung zu holen.

Als Aldo Moro, der zu diesem Zeitpunkt Parteichef der De­mocrazia Cristiana (DC) war, am 16. März 1978 auf dem Weg zu einer Sonder­sit­zung des Parla­ments war, wur­de er von bewaf­fne­ten Terroristen entführt. Dabei wurden seine fünf Leib­wächter er­schos­sen. Die links­orien­tierten „Roten Brigaden" (Brigate Rosse), die damals unter der Führung von Mario Moreti standen, bekannten sich kurz darauf zur Entführung.
Am 9. Mai, nach 55 Tagen Ge­fan­gen­schaft, wurde die Leiche des Politikers im Kofferraum eines Autos aufgefunden, in der Via Cae­tani, die be­zeich­nen­der­wei­se auf dem halbem Weg zwischen den Parteizentralen der Christ­de­mo­kraten und der Kommunisten liegt. Nachdem die For­derungen der Terroristen nach Frei­las­sung inhaftierter Gesinnungs­ge­nos­sen nicht erfüllt worden waren, war Aldo Moro mit 11 Schüssen getötet worden.

Dies sind die nachweisbaren Fakten - doch wie die tatsächlichen Hintergründe waren, das wird man wohl nie mehr erfahren können. Mehr als 30 Jahre sind nach dem Mord ver­gangen, es gab zahlreiche Untersuchungen, Publi­ka­tio­nen, Fil­me, Bücher und Radiosendungen zum Thema. Was damals aber tatsächlich ge­schah, das ist noch immer im Nebel.
Sicher ist nur, dass die Vereinigten Staaten eine Beteiligung an der Macht der zahlenmäßig stärksten kommunistischen Par­tei der westlichen Welt unter al­len Umständen verhin­dern wollten. Es scheint auch gesichert zu sein, dass sie sich zu diesem Zweck der Strukturen von Mafia und Geheimlogen bedienten, da diese besonders im Süden Italiens in starker Gegnerschaft zu den Linken standen.
Aldo Moros positive Einstellung zu einem Compromesso Storico passte nicht in das Szenario des damals herrschenden Kalten Krieges. Die USA hatten Aldo Moro vor dem Tabubruch gewarnt. Unzählich sind die Spekulationen um die Hintergründe und die Umstände der Ermordung Moros. Unter anderem gibt es Hinweise auf die Betei­li­gung der Geheimloge Propaganda Due [] und von Gladio [], der Mafia, der CIA und auch von politischen Gegnern innerhalb der selben Democrazia Cristiana, sogar von Giulio Andreotti [].

Die Hintergründe der Tat sind bis heute ungeklärt. Die Unter­su­chungs­kom­mis­sion „Terrorismus und Massaker" (1994-2000) des ita­lie­ni­schen Senats zog folgende Schlüsse: „Diese Massaker wurden von Personen in Institutionen des italienischen Staates organisiert oder unterstützt und von Männern, die mit dem amerikanischen Geheimdienst in Verbindung standen." Die Terroristen waren nur die Ausführer. Im Jahr 2006 eröffnete die Staatsanwaltschaft wie­der ein Verfahren zum Mord an Aldo Moros.

Die Ermordung Aldo Moros (1/5)
Um die weiteren Teile dieser WDR-Dokumentation zu sehen, kann man am Ende dieses Filmabschnitts auf "Die Ermordung Aldo Moros 2/5" klicken, usw..
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Moro hatte aus der Gefangenschaft zahlreiche Briefe an seine Partei­freun­de geschrieben, an Abgeordnete und kirchliche Prominenz, in denen er sie bittet, Verhandlungen mit den Ent­führ­ern aufzunehmen. Als er aber zur Erkenntnis kam, dass niemand, auch nicht die Parteifreunde der DC, ihn wirklich finden wollten, dik­tier­te er den „Rotbrigadisten" die Skandale der italienischen Nach­kriegspolitik und verfasste sein eigenes Testament.

Der US-amerikanische Terrorismusexperte Steve Pieczenik, der als Vertreter der amerikanischen Regierung den Krisenstab während der Moro-Entführung beraten hatte, wurde 2006 von Emmanuel Amara für seinen Dokumentarfilm „Les derniers jours d'Aldo Moro“ (Die letzten Tage von Aldo Moro) interviewt und äußerte sich mit folgenden Worten: „Ich bedaure den Tod von Aldo Moro, aber wir mussten die Roten Brigaden instrumentalisieren, damit sie ihn töten .... Als stellvertretender Staatssekretär der amerikanischen Regierung und persönlicher Berater des italienischen Innenministers war es meine Aufgabe, Italien zu stabilisieren, den Kollaps der Christdemokratischen Partei zu ver­hin­dern und dafür Sorge zu tragen, dass die Kommunisten durch die Ent­füh­rung nicht die Kontrolle der Regierung gewinnen würden.

Der 1986 entstandene Film des Regisseurs Giuseppe Ferrara Il caso Aldo Moro / I giorni dell'ira“ („Die Affäre Aldo Moro / Die Tage des Zorns“) liefert, unter Einbeziehung von Originalfilmmaterial, eine interessante Rekon­struktion der Ereignisse, die auch ein kri­tisches Licht auf die politische Klasse Italiens jener Zeit wirft.

 
Aldo Moro
Aldo Moro (geb. am 23. Sept. 1916 in Maglie, Apulien / gest. am 9. Mai 1978 in Rom) war ein ita­lienischer, christdemokratischer Politiker der 1960er und 1970er Jahre.

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