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Mafia
Der Begriff Mafia wird heutzutage meistens als Synonym für die organisierte Kri­minalität verwendet. Im engeren Sinne steht der Begriff Mafia aber für ei­ne kriminelle Organisation, die ihren Ursprung in Sizilien hat. Spätestens seit dem Prozess gegen Joe Valachi, den ersten "Pentito" (Begriffserklärung am Seitenende), verwendet man für die sizilianische Mafia auch die Be­zei­chnung "Cosa Nostra" (Unsere Sache).
Die Entstehung der Mafia ist untrennbar mit den gesellschaftlichen und poli­ti­schen Entwicklungen auf Sizilien verknüpft. Wegen den instabilen Staats­ver­hält­nis­sen und der Fremdherrschaft hatten dort seit dem Mittelalter haupt­säch­lich die Feudalherren die Macht. Im 19. Jahrhundert übernahmen dann die Großgrundbesitzer diese Rolle. Zur Wahrung der Interessen dieser fak­ti­schen Machthaber wurden bewaffnete Wächter eingesetzt, um beispielsweise aufbegehrende Bauern oder Banditen zu bekämpfen.
Schon frühzeitig nutzten diese "Wächter" ihre Macht, um Bauern zu erpressen und auf diese Weise finanzielle Vorteile zu erzielen. Die maßgebliche Ent­wick­lung der Mafia erfolgte jedoch nach der Einigung Italiens im Jahr 1860. Denn der neuen italienischen Zentralregierung gelang es nicht, eine wirksame Kon­trol­le des Staates über Sizilien zu installieren. So gewannen die Großpächter und ihre privaten Schutztruppen immer mehr Einfluss. Im Rahmen dieser Ent­wicklung bildete sich aus den ehemaligen Feldhütern zunehmend die Orga­ni­sa­tion Mafia, wie wir sie heute kennen.
Zur Etymologie des Wortes Mafia muss gesagt werden, dass es vermutlich nicht aus dem Arabischen stammt (mahias für "Angeber, Zerstörer", mu' âfâ für "beschützen" oder von Ma' âfir, ein sarazenischer Stamm, der von 831 bis 1072 in Palermo regierte.)
Wahrscheinlicher stammt es vom toskanischen Wort "maffia" (Armut, Not). Im Falle der Abstammung aus dem toskanischen Dialekt, ist die Verbreitung des Mafia-Begriffs in Sizilien nach der Landung von Giuseppe Garibaldi [] (1860) wahrscheinlich, ähnlich wie auch andere Wörter aus dem Toska­ni­schen.
Einer weit verbreiteten Zuordnung nach, steht das Wort für die Abkürzung von "Morte Alla Francia, Italia Anela" (Den Tod Frankreichs ersehnt sich Ita­lien), bzw. "Morte Ai Francesi, Invasori, Assassini" (Tod den Franzosen, Inva­so­ren, Mördern), Sätze, die der Legende nach der Schlachtruf und Auf­takt der Sizilianischen Vesper [] am 31. März 1282 waren.
Einer Legende zufolge wurde die Sizilianische Vesper durch einen franzö­si­schen Besatzungssoldaten ausgelöst, der sich an einem hübschen Mädchen aus Palermo vergangen haben soll. Laut dieser Variante soll sich der Schrei der Mutter in den Straßen: "Ma - ffia, ma - ffia!" (Meine Tochter, meine Toch­ter!) später zum Inbegriff des Widerstandes entwickelt haben, in dessen Fol­ge die französische Anjou-Dynastie aus Sizilien vertrieben wurde.
Internationale Mafia
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Die Mafia sizilianischen Ursprungs unterscheidet sich von anderen Formen von kriminellen Verei­ni­gun­gen in ihrer Struktur: Sie besteht aus so genannten "Familien", nicht im Sinne von Blutsverwandtschaft, son­dern im Sinne eines streng hierarchisch gegliederten Verband von Mitgliedern sizilianischer Her­kunft, die alle einem strengen Codex folgen. Dessen Regeln hat jedes Fa­mi­lien­mit­glied genau einzuhalten; Verstöße, insbesondere gegen die Omertà (Begriffserklärung am Seitenende), wurden in der Vergangenheit in der Regel mit brutalen Mitteln (bis hin zu Mord) geahndet. Die Mafia ist vor allem auch eine patriarchale Organisation. Frauen haben keinen Zugang zur Hierarchie der "Familien", die Mitglieder sind ausschließlich Männer. Jede Mafia-"Familie" hat ein Oberhaupt, dem jedes Mitglied dieser "Familie" zu absolutem Gehor­sam verpflichtet ist. Diesen Anführern kann wiederum ein Oberboss ("capo dei tutti capi" = Boss aller Bosse ) vorstehen, der uneingeschränkte Macht über alle "Familien" ausübt.
In Italien war der Faschismus unter Mussolini ein starker Gegner der Mafia und zwar der zugleich radikalste und erfolgreichste. Durch die Anwendung seiner totalitären Staatsordnung gelang es Mussolini, die Mafia innerhalb weniger Jahre bis zur Bedeutungslosigkeit zurückzudrängen.
Was kaum bekannt ist, ist dass das die Mafia in Sizilien im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe der USA wieder aufgebaut wurde. Denn Amerika benötigte in Italien Verbündete, um die Invasion auf Sizilien voranzubringen. So nutzte die Re­gie­rung der USA den Kontakt zum Mafioso "Lucky" Luciano, um Ver­bindungen zur Mafia in Sizilien herzustellen, die verständlicherweise den Faschisten sehr feindlich gegen­über­stand [].
Die meisten italienischen Verbrecherorganisationen wie die Camorra [] in Neapel und Kampanien, die ’Ndrangheta [] in Kalabrien und die Sacra Corona Unita [] in Apulien werden heute ganz allgemein "Mafia" genannt. Darüber hinaus wird der Begriff immer häufiger auf andere Verbrecher­or­ga­nisationen angewendet, wie die "russische Mafia", die "albanische Mafia" oder die "japanische Mafia" (Yakuza) .
Auf dem letzten Weltwirtschaftsgipfel in Davos wurden die italienischen Mafia-Organisationen als die mächtigsten der Welt beschrieben. Allein Cosa Nostra, Camorra und 'Ndrangheta verdienten durch Finanzkriminalität, Drogenhandel, Schmuggel, Produktfälschungen, Prostitution und Menschenhandel 112 Mil­liarden Dollar pro Jahr.
Pentito
Wörtlich übersetzt bedeutet "pentito" "reuig". Wobei dieses Wort in diesem Zusammenhang ein reiner Euphemismus ist. "Pentiti" sind jene Mafiosi, die mit der Justiz zusammenarbeiten (ähnlich dem deutschen "Kron­zeu­gen"), um Strafmilderung zu er­lan­gen. Einer der bekanntesten "Pentiti" war der Ma­fia­boss Tommaso Bu­scet­ta, der Kronzeuge in den drei Maxi- Pro­zessen gegen die Mafia in Italien wurde. Als Folge seiner Aussagen wurden 14 seiner Ver­wandte, da­run­ter zwei Söhne und zwei Neffen, er­mordet. Buscettas Strafe wurde auf drei Jahre begrenzt. Er lebte an­schlie­ßend unter dem Schutz des US-amerikanischen Zeugenschutzprogramms in einer Kaserne in den USA.
Omertà
Die Erklärung dieses Begriffs in Wikipedia (deutsch) ist völlig irreführend. "Omertà" ist das "Gesetzt des Schweigens". Es ist kein "Gesetz", das nur für Mitglieder der Mafia gilt. Es ist eine Haltung gegenüber der Staatsgewalt, die auch von Nicht-Mafiosi eingenommen wird. Die "Omertà" impliziert "die grund­sätzliche Verweigerung mit den staatlichen Institutionen zu kooperieren, auch wenn man selbst Opfer eines Verbrechens gewesen ist." Selbst wenn jemand verurteilt wird für ein Delikt, dessen er nicht schuldig ist, wird von ihm erwartet, dass er die Strafe absitzt, ohne der Polizei die Informationen über den wirklichen Täter zu liefern. Das gilt selbst dann, wenn der Täter nichts mit der Mafia zu tun hat. Innerhalb der Mafia wird der Verstoß gegen die "Omertà" mit dem Tode geahndet.
Aussprache: Beim Wort "Omertà" wird die Endsilbe (das "à") stark betont.

Eine irrige Auffassung ist, dass es die Mafia war, die die "Omertà" einführte. Tatsächlich gab es diesen Codex lange vor dem Aufkommen der Mafia selbst. Historiker datieren es in das 16. Jahrhundert als eine Oppositions-Maßnahme gegen die spanische Herrschaft.

Die "Omertà" als Codex verliert in Sizilien zunehmend an Halt. Die heu­tige "Omertà" seitens der Bevölkerung ist mehr ein "Schwei­gen" aus Angst, das nicht so leicht auzumerzen ist.
 
Sizilien

Die Insel Sizilien liegt südwestlich vor der "Stiefelspitze" Italiens und hat eine Fläche von 25.703 km² und rund 5 Millionen Einwohner. Sie ist in neun Provinzen aufgeteilt. Die größte Stadt Siziliens und deren Region­haupt­stadt ist Palermo. Weitere große Städte sind Catania, Messina und Syrakus.


Sizilien
Sizilien:
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