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Giulio Andreotti

Giulio Andreotti (Rom, 14. Januar 1919) ist einer der bekanntesten italie­ni­schen Politiker, ferner Journalist, Schriftsteller und einer der wichtigsten Per­sönlichkeiten der ehemaligen Democrazia Cristiana (DC) / Christdemokra­ti­schen Partei.
Andreotti hat maßgeblich die politische Szene Italiens in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bestimmt. Er hat zahlreiche wichtige Ämter bekleidet: Andreotti war insgesamt in 33 Regierungen. Er war sieben Mal Minister­prä­sident, 8 Mal Verteidigungsminister, 5 Mal Außenminister, mehr­mals Fi­nanz­minister und Industrieminister, 1 Mal Innenminister. Dabei stellte er den Rekord der kürzesten und der zweitkürzesten Amtperiode mit 8 bzw. 10 Tagen auf. Seit 1946 ist er im Parlament. 1991 wurde er vom italienischen Parlament zum Senator auf Lebenszeit ernannt.

Man sagt Andreotti nach, er habe konkrete Zusammenarbeit mit der Mafia prak­tiziert. Deshalb gilt er als das prominenteste Symbol der Verstrickung der italienischen Nachkriegspolitik und besonders der Democrazia Cristiana mit dem organisiertem Verbrechen und den anderen dunklen Geschäften zum Zwecke der Ausbeutung des Staates für private Interessen.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften wurde Andreotti, beginnend 1944, enger Mitarbeiter von Alcide De Gasperide, der später Ministerpräsident wurde. Im Jahr 1946 wurde er Mitglied der verfassunggeben­den Ver­samm­lung. 1947 wurde er zum ersten Mal zum Abgeordneten gewählt. 1968 war er dann Fraktions­vorsitzender der DC, sowie von 1979 bis 1983 Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten.
Italienischer Ministerpräsident
17. Februar 1972 – 26. Februar 1972
26. Juni 1972 – 12. Juni 1973
29. Juli 1976 – 16. Januar 1978
11. März 1978 – 31. Januar 1979
20. März 1979 – 31. März 1979
22. Juli 1989 – 29. März 1991
12. April 1991 – 24. April 1992
Im April 2006 bewarb sich Andreotti für das noch Parteienbündnis Casa delle Libertà (Haus der Freiheit) von Ministerpräsident Berlusconi bei der Wahl zum Senats­präsidenten. Er erhielt aber nicht die erforderliche absolute Mehrheit, obwohl die Casa della Libertà nocht in der Regierung war, und unterlag dem Kandidaten der Linke Franco Marini.
In keinem anderen demokratischen Land in Europa war ein Politiker so lange an der Macht wie Andreotti. Es wird vermutet, dass er in fast alle grö­ße­ren Skandale der italienischen Nachkriegszeit ver­wi­ckelt war (besispielsweise in die gigantische Fehlplanung des Flughafen Fiumicino, in die Affäre mit den fingierten Kriegsschäden und die Affäre der illegalen Waffen­lie­ferungen an Libyen), doch trotz 27 gegen ihn ermittelnden parlamentarischen Unter­su­chungs­kommis­sio­nen erreichte er immer einen Freispruch, und sei es nur deshalb, weil eine Verurteilung schwere Folgen für die von ihm geführten und meistens wackeligen Koalitionen gehabt hätte. Bei diesen Untersuchungen ging es meistens um Korruption, Misswirtschaft, Vetternwirtschaft, Sub­ven­tions­betrug oder illegale Auf­trags­vergaben. Andreotti war auch in den Skan­dal der Loge P2 verwickelt, obwohl ihm niemals die Mitgliedschaft in der Loge nachgewiesen werden konnte.
Verwicklung mit der Mafia
Andreotti konnte es 28 Mal verhindern, dass seine parlamentarische Immu­nität aufgehoben wird. Erst der 29. Versuch führte zum Erfolg. 1993 fingen die Prozesse wegen seiner vermeintlichen Mafiabegünstigungen an. Beim ersten Prozess ging es um die Ermordung des Journalisten Mino Pecorelli im Jahr 1979. Pecorelli war ein Journalist, der etwa ein Jahr nach der Entführung (und Ermordung) des italienischen Politikers Aldo Moro [] ermordet wurde. Nach Ermittlungen der Justiz wollte Andreotti den Tod des Journalisten Pecorelli, weil dieser versuchte, die Briefe Aldo Moros in die Hand zu bekommen, die zu Andreottis politisches Ende geführt hätten. Der Prozess endete im September 1999 mit einem Freispruch. In zweiter Instanz verurteilten die Richter in Peru­gia am 17. November 2002 in Perugia Andreotti zu 24 Jahren Haft. Dieses Urteil wurde wiederum nam 2. Mai 2003 in der Berufungsverhandlung in Pa­ler­mo aufgehoben. Das Gericht bestätigte das Urteil der ersten Instanz von 1999. Im selben Jahr wurde Andreotti aufgrund der Ver­jäh­rung vom Vorwurf der Verbindung zur Mafia freigesprochen.
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Andreotti wurde nämlich verdächtigt, während der Zeit, als er führender Poli­tiker war, Kontakte zur Mafia gehabt zu haben. So soll er sich 1987 mit Sal­va­to­re Riina ge­trof­fen haben, dem da­maligen "Boss der Bosse" der sizilia­ni­schen Mafia, der jahrzehntelang flüchtig war und für etwa 1000 Morde ver­ant­wortlich war. Dass Andreotti sich mit Riina habe, wurde aufgrund der Aus­sa­gen des "pentito" (Kronzeugen) Baldassare Di Maggio murmaßt. Die Aussagen des Kronzeugen seien aber sehr "konfus und widersprüchlich" gewesen.

 

Giulio Andreotti

Im Widerspruch zum Spruch "Die Macht verschleißt") war einer seiner bekanntesten Sprüche: "Die Macht ver­schleißt den, der sie nicht hat".

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