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Gino Bartali

Gino Bartali (1914-2000) gehörte neben Fausto Coppi zu den populärsten ita­lienischen Radsportlern. Sein Spitzname war Ginettaccio. Bartali war einer der besten Klet­terer aller Zeiten, mit ein­em von Natur aus extrem langsam schla­genden Her­zen. Vor je­dem Ren­nen verrichtete der Mönch, so wurde er auch genannt, ein langes Gebet und er unternahm bei jeder Tour eine Wall­fahrt nach Lourdes - auch wenn die Stadt der Hei­ligen Bernadette und das Etappenziel weit aus­ei­nander lagen. Er war der große Gegner von Fausto Coppi. Legendär war ihre Ri­va­lität, die das Nach­kriegs­italien in zwei Lager spaltete (auch wegen den entgegengesetzten po­li­ti­schen Einstellungen der beiden). Mit dem fünf Jahre jüngeren Cam­pio­nis­simo verband Bartali eine knallharte Dauer­rivalität. Ihre Kletterduelle bleiben Legendenstoff. Ihre Hassliebe wurde auf jenem berühmten Foto zur sym­bol­träch­tigen Szene, auf dem sie sich am Berg eine Flasche reichen - wo­bei lan­ge Zeit offen blieb, wer wem das Wasser reichte. Ein Film, den die RAI 2006 realisierte, scheint zu beweisen, dass es Bartali war, der dem Gegner die Flasche reichte.

Gino Bartali und Fausto Coppi verkörperten im Italien der ersten Nach­kriegs­zeit die zwei Pole einer Gesellschaft zwischen alter Tradition und Moderne. Fausto Coppi, der für das katholische Italien mit seiner außerehelichen Ge­lieb­ten ein fortwährender Skandal repräsentierte, stand dem frommen Bartali gegenüber. Die riesige italienische Fan-Gemeinde war in die unversöhnlichen Lager der "Bartalisten" und der "Coppisten" geteilt. Die glühendste Fans von Coppi kamen aus dem urbanen Nord­italien, Bartalis fanatische Verehrer vom Lande.

Gino Bartali, Radprofi von 1935 bis 1953, galt als der beste Bergfahrer seiner Zeit. So gewann er insgesamt siebenmal die Bergwertung des Giro d'Italia. Dreimal (1936, 1937 und 1946) triumphierte er auch in der Ge­samtwertung des Giro. 1938 konnte er erstmals die Tour de France für sich entscheiden. Im besten Renn­fah­rer­al­ter musste er seine Karriere wegen des Zweiten Weltkriegs für mehrere Jahre unterbrechen: "Der Krieg hat mir meine schönsten Jahre gestohlen", brummte Bartali später in seiner un­nachahmlichen heiseren Stim­me. 1948 trat er wieder bei der Tour an und ge­wann die "Große Schleife" nach zehn Jahren ein zweites Mal auf be­ein­druck­ende Weise mit fast einer halben Stun­de Vorsprung vor dem Zweit­plat­zier­ten. Damit wurde er zum Volkshelden. Kein Fahrer vor oder nach ihm hat es geschafft, den Triumph in Paris nach zehn Jahren zu wiederholen.
1949 musste der mittlerweile 35-jährige Bartali bei der Tour de France die Überlegenheit des jüngeren Coppi anerkennen und erreichte mit dem zweiten Rang sein letztes hervorragendes Ergebnis bei der Tour.
Eine Auswahl seiner Siege
3 Mal den Giro d'Italia: 1936, 1937 und 1946
1 Mal den Giro d'Italia di Guerra (im Krieg) 1942
2 Mal den Tour de France: 1938 und 1948
4 Mal die italienische Straßen-Radmeisterschaft: 1935, 1937, 1940 und 1952
2 Mal den Tour de Suisse: 1946 und 1947
3 Mal den Giro di Lombardia: 1936, 1939 und 1940
4 Mal die Milano-Sanremo: 1939, 1940, 1947 und 1950
5 Mal den Giro della Toscana: 1939, 1940, 1948, 1950 und 1953
3 Mal den Giro del Piemonte: 1937, 1939 und 1951
Zu Bartalis Geschichte gehört auch sein Einsatz 1943 und 1944 zur Rettung von mindestens 800 Juden. Er schmuggelte im Rahmen seines Fahrrads Fotos und Spezialpapier zur Erstellung von gefälschten Ausweisen für Juden, die sich in Klöstern versteckt hielten. Verbürgt ist auch Bartalis Reaktion, als die fa­schis­ti­schen Machthaber versuchten, ihn einzuschüchtern. "Ich mache, was mir beliebt" erwiderte er den Schwarzhemden. Hand an den vierfachen ita­lie­nischen Meister zu legen, wagten sie nicht. Viel zu groß war damals seine Popularität.
 
Die großen Widersacher
Man musste "dazu" gehören, sich bekennen, Partei er­grei­fen - für eines der beiden La­ger! Obwohl ich, als klei­nes Kind, Anfang der 50er kein wirkliches Inte­res­se am Rad­sport hatte, fühlte ich mich, wenn auch unbe­wusst, gezwungen, mich zwischen den beiden Rad­sport­le­genden Gino Bartali und Fausto Cop­pi [ ] zu ent­schei­den. Ich wurde zum Coppi-Fan. Merkwürdig: aus heutiger Sicht habe ich aus­ge­spro­chen mehr Sympathien für Gino Bartali.

Bartali  und Coppi

Coppi und Bartali

Giro d'Italia
Der Giro d’Italia gilt als das zweit­wichtigste Etappen-Radrennen der Welt – nach der Tour de France und vor der Vuelta a España. Er wird so­wohl für Männer als auch seit 1988 für Frauen ausgetragen. Seit 1909 wird der Giro alljährlich – mit Aus­nahme der Jahre des Ersten und Zweiten Weltkriegs – während drei Wochen im Mai ausgetragen und führt dabei in wechselnder Stre­ck­enführung quer durch Italien und das nahe Ausland.

Giro d'Italia
The Giro D'Italia:
Coppi Vs. Bartali at the
1949 Tour of Italy
von Dino Buzatti

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Girofieber
Girofieber. Radsport höchstpersönlich
von Marco Pinotti
und Gijs Zandbergen

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