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Briganten in Süditalien (i briganti)
In Italien, vor allem in Süditalien, u.a. in Kampanien, Kalabrien, den Abruzzen und in der Basilikata, dem unwegsamen Berggelände Lukaniens, war das brigantaggio, das Brigantenwesen, zunächst lediglich ein Unwesen von Ban­diten, die vor allem durchreisende Kutschen überfielen. Später, hauptsächlich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wuchs es sich zu einer politischen Bewegung aus.
Neben der allgemeinen Bezeichnung "Briganten" für gewöhnliche Banditen, bezeichnete man während den Napoleonischen Kriegen als Briganten auch die Soldaten des Königreichs beider Sizilien, die zusammen mit den Kämpfern aus dem Volke, die sich aus der verelendeten Landbevölkerung rekru­tierten, den Franzosen Widerstand leisteten.
Im Oktober 1860 wurde das Königreich der beiden Sizilien durch die Truppen Garibaldis dem Königreich Piemont-Sardinien angeschlossen, womit der italienische Staat entstand.

Das alte Regime der Bourbonen wurde durch die revolutionären Kräfte Garibaldis gestürzt, was unter den verarmten Massen die Hoffnung nach einer Änderung der sozialen Verhältnisse weckte, die jedoch sehr bald enttäuscht werden sollte. Denn die neue Regierung, die 1861 zur Macht kam, war der Ausdruck der Bourgoisie, jener historischen Rechte also, die eine Allianz zwischen den Großgrundbesitzern des Südens und den Wohlhabenden des Nordens schuf.

Wegen der Enttäuschung über die nicht eingehaltenen Versprechungen von Demokratisierung und Landreformen rekrutierten sich deshalb die Briganten-Banden dieser Zeit nicht mehr ausschließlich aus gewöhnlichen Verbrechern, sondern auch aus ehemaligen Soldaten des verflossenen Regimes, die den Bourbonen treu geblieben waren, und aus verelendeten Bauern und Tage­löhnern in anarchischem Protest gegen die reichen Großgrundbesitzer, die auch unter dem neuen Regime ihre Latifun­dien und ihre Macht behalten hatten. Andere Gründe, die viele Bauern zur Flucht in die Wälder zwangen, waren die Zwangs­rekru­tierungen der Armee des italienischen Königreichs und die er­höh­te Besteuerung.
Von den Wäldern aus terrorisierten sie vor allem die Landbesitzer und die Obrigkeit. Crocco, im Volk "re dei re" (König der Könige) genannt, befehligte zeitweise 43 Banden mit mehreren Tausend meist berittener Mitglieder. Die kursierenden Geschichten um die in Wildwest-Outfit auftretenden Banden­mitglieder und ihre Geliebten, brigantesse genannt, verklärten die Banditen zu Volkshelden wie Robin Hood. Crocco, später fast vierzig Jahre lang bis zu seinem Tod 1905 in Haft, verfasste im Gefängnis seine noch heute in der Basilikata gerne gelesenen Memoiren.
Fotos berühmter Briganten
Carmine Crocco Donatelli genannt "re dei re" (König der Könige)
Michele Schirò, der
Bande Casaletta
Teresa Ciminelli, Frau von Giuseppe Antonio Franco
Bernardo Colamattei in einer Aufnahme von 1868
Pagliuchella, Leutnant des Bandenchefs Cicco Cianci
Filomena Pennacchio, Giuseppa Vitale und Giovanna Vito
Um das Brigantenwesen einzudämmen, wurde 1863 das berüchtigte "Pica"-Gesetz verabschiedet. Das Gesetzt, das in vielen Punkten verfassungswidrig war, bestrafte nicht nur die Briganten, sondern auch ihre Familienangehörige und bloße Verdächtige. Die Auswirkungen des Gesetzes waren um so ernster, als ihre Ausführung mit größter Brutalität stattfanden. Summarische Erschie­ßungen und Inbrandsetzung der Dörfer, die den Briganten Zuflucht gewährt hatten, waren an der Tagesordnung.
Traurige Berühmtheit erlangen die Gräueltaten der Besatzungstruppen in Pontelandolfo und Casalduni.
Die Gefallenen in dieser "Guerilla" gingen in die Tausende, sowohl auf Seite der Briganten als auch aud jener der Piemonteser.
Viele Briganten, die der Verhaftung entgehen konnten, wanderten später in die USA aus. Zahlreiche Lieder, Geschichten, populäre Bücher, wissen­schaft­liche Abhandlungen und einschlägige Internet-Seiten befassen sich in Italien bis heute mit dem Thema der Briganti; im italienischen Sprachgebrauch wer­den die als politisch motiviert eingestuften briganti klar von den als simple Räuber betrachteten banditi unterschieden.
In Italien, vor allem in Süditalien, u.a. in Kampanien, Kalabrien, den Abruzzen und in der Basilikata wird die Erinnerung an die Briganten bis heute gepflegt.
Der Mythos lebt bis heute: So finden in Brindisi Montagna alljährlich in einem Freilichttheater Festspiele statt, bei denen Hunderte von Laienschauspielern die Geschichte der Briganten wieder aufleben lassen. Im historischen Themenpark Grancia sind Szenen aus dem Leben der Briganti nachgestellt. Der Figur des Crocco leiht der bekannte Schauspieler Michele Placido ("Allein gegen die Mafia") seine Stimme.

 
Fra Diavolo
Fra Diavolo (Bruder Teufel, eigentlich Michele Arcangelo Pezza, geb. am 7. April 1771 in Itri, gest. am 11. No­vem­ber 1806 in Neapel) ist eine sehr zweideutige Persönlichkeit der italie­ni­schen Geschichte. Von manchen wird er einzig und allein als Bandit gesehen, von anderen als Held.

Seinen Spitznamen hat einen kurio­sen Ursprung. Im Alter von fünf Jah­ren erkrankt Michele lebens­ge­fähr­lich. Seine Mutter, Arcangela Matrul­lo, legt daraufhin ein Gelübde ab, mit dem sie sich verpflichtet, das Kind, im Falle einer Heilung in Mönchs­kut­te einzukleiden.
Das bringt ihm zuerst den Spitz­na­men Fra Michele ein. Weil sich Mi­chele aber als ruheloser Raufbold entpuppt, verpasst ihm sein Lehrer bald den Spitznamen, unter dem er berühmt werden wird: Fra Diavolo

Jahre später, nach einem hef­tigen Streit, bei dem er zwei Männer tötet, flüchtet Fra Dia­volo in die Berge und wird zum Stra­ßen­räuber.
1798, als das französische Heer das Königreich Neapel bedroht, macht sich Fra Diavolo die Gelegenheit zunutze und bittet den König Ferdi­nand IV von Bourbon (der dringend Soldaten braucht) um Begnadigung. Im Gegenzug verpflichtet er sich zu 13 Jahre Militärdienst.
Daraufhin beteiligte er sich am be­waf­fneten Widerstand Ita­liens ge­gen Frankreich. Schließlich wird er aber von den Franzosen gefangen ge­nom­men und in Neapel gehängt.

Briganten
Briganten am Wege
von Dieter Richter

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