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Die Italienische Regentschaft am Quarnaro und der Freistaat Fiume
Fiume, das ist der italienische Name der kroatischen Stadt Rijeka an der Kvarner-Bucht an der Adria. „Fiume“ bedeutet auf Italienisch „Fluss“ (wie auch „rijeka“ diese Bedeutung auf Kroatisch hat). Von 1779 bis 1919 war die Stadt der Habsburger Krone unterstellt. Von 1919 bis 1920 stand sie unter der so genannten „Regentschaft am Quarnaro“ und bis 1924 war sie als Frei­staat Fiume unabhängig. Von 1924 bis 1947 gehörte Fiume dem Kö­nigreich Italien an, um dann bis 1992 Teil Jugoslawiens zu werden. Seitdem ist die Stadt Bestandteil von Kroatien.
Fiume galt vor dem Ersten Weltkrieg für die Italiener als „terra irredenta“ („un­erlöstes Land“), womit jene Gebiete gemeint waren, die, weil von ita­lie­nischen Volksangehörigen bewohnt, den Anschluss ans italienische Mutterland wünschten. Nach der 1861 vollzogenen Einigung Italiens zielte das König­reich Ita­lien darauf ab, alle Gebiete, die ganz oder teilweise von einer italie­nisch­spra­chi­gen Bevölkerung bewohnt waren, in den neuen italienischen Staat ein­zu­glie­dern. Dazu gehörten insbesondere das Trentino, Dalmatien und Istrien. Während es in Istrien und Dalmatien an der Küste und in den Städten eine italienischsprachige Mehrheit gab, waren diese Gebie­te vor allem auf dem Land mehrheitlich von Kroaten besiedelt.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden die meisten der beanspruchten Gebiete Ita­lien zugesprochen, da das Königreich 1915 auf der Seite der En­ten­te in den Krieg ein­getreten war. Eine Reihe von weiteren Forderungen Ita­liens wur­den da­ge­gen nicht erfüllt. Beispielsweise war ein Anschluss Fiumes trotz der ita­lie­nisch­spra­chi­gen Mehrheit der Stadt (60%) nicht vorgesehen. 24% der Bevölkerung Fiumes war kroatisch, 5% slowenisch, mit kleineren deutsch- und ungarischsprachigen Minderheiten. Man sprach damals in Italien von „vittoria mutilata“ (verstümmeltem Frieden).
Während die Zukunft der Stadt bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 dis­ku­tiert wurde, war es nach dem Abzug der Österreicher in Fiume zunächst zu zwei geg­ne­ri­schen Stadtverwaltungen gekommen (italienisch und kroatisch), weil sowohl Italien als auch das entstehende Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen die Staatshoheit beanspruchten.
Zwei Tage nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Saint Germain (10. Sep­tember 1919), in dem zwar Triest, Istrien, Zadar und Teile der Küs­ten­gebiete Italien zugewiesen worden waren, Dalmatien und Fiume aber dem Kö­nig­reich der Serben, Kroaten und Slowenen, wurde die Stadt von 2600 ita­lie­ni­schen „Arditi“ (einer nach dem Krieg demobilisierten Elitetruppe) unter der eigen­mäch­ti­gen Führung des italienischen Nationalisten und Schriftstellers Gabriele d'Annunzio gegen den Willen der italienischen Re­gie­rung besetzt. Die Truppen der Entente intervenierten nicht. D'Annunzio wollte damit voll­en­de­te Tat­sa­chen schaffen, bevor die Stadt dem Königreich der Serben, Kroaten und Slo­wenen zugesprochen wurde.
D'Annunzio hält eine Rede vor seinen „arditi"
Die italienische Regierung machte d'An­nun­zio aber einen Strich durch die Rech­nung, denn sie beabsichtigte nicht, Fiume zu annektieren, stattdessen verhängte sie eine Blockade über die Stadt. Als sich auch nach einem Jahr keine Wende abzeichnete, rief d'An­nunzio am 8. September 1920 die Ita­lie­nische Re­gentschaft am Quarnaro (Reggenza Italiana del Car­naro) aus und über­nahm selbst das Kommando in der Stadt. Die Regentschaft sollte sechzehn Monate lang anhalten. Der Na­me leitet sich ab vom Golf von Quarnaro, an dem die Stadt liegt. Die Re­gent­schaft blieb aber ohne inter­na­tio­na­le Anerkennung.
Zusammen mit dem Anarchisten Alceste de Ambris gab d'Annunzio der Repubblica del Carnaro eine Verfassung, die "Carta del Car­na­ro", die zwar viele Details des spä­te­ren faschistischen Systems bein­hal­tete, aber auch sehr fort­schrittliche Inhalte hatte, wie die vollständige Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau, aktives und pas­sives Wahl­recht für die Letzteren und eine strik­te Tren­nung von Staat und Kirche. Sie sah auch die recht­li­che Aner­ken­nung von Ge­werk­schaf­ten und die Pressefreiheit vor. Wegen der Er­eig­nisse im Herbst und Win­ter 1920 in Fiume wurde die Verfassung aber nicht mehr um­ge­setzt. Mussolini würde später die Carta als zu liberal als Ganzes ablehnen.
Die Handschrift des Schriftstellers d´Annunzio war besonders deutlich im Be­reich der Kultur zu erkennen. Täglich trug d'Annunzio Gedichte und Manifes­te von sei­nem Balkon aus vor, abends wurde mit Tänzen, Konzerten und Feuer­wer­ken gefeiert. Fiume war zu dieser Zeit zu einer Art Festival der Avant­gar­de ge­worden.
Am 12. November 1920 einigten sich das Königreich Italien und das Kö­nig­reich der Ser­ben, Kroaten und Slowenen (das später in Königreich Jugo­sla­wien um­be­nannt werden sollte) im Grenzvertrag von Rapallo über Grenzfragen. Darin war unter anderem vorgesehen, dass Fiume mit ihrem Hinterland zum unabhängigen Freistaat Fiume werden sollte.
Davon überzeugt, dass Rom niemals die Stadt angreifen würde, ignorierte d'Annunzio den Vertrag von Rapallo und weigerte sich, Fiume zu verlassen. Nach dem Beschuss seines Palastes durch das italienische Kriegsschiff Andrea Doria und den Kämpfen, die vom 24. bis zum 30. Dezember 1920 andauerten und fünfzig seiner Männer das Leben kosteten, ergab sich der „Kommandant" schließlich am 31. Dezember und übergab die Stadt den italie­ni­schen Trup­pen. Die Kämpfe gingen unter dem Namen „Natale di sangue“ (blutige Weih­nacht) in die Geschichte ein.
Der Freistaat Fiume hielt sich bis zum 27. Januar 1924, als mit dem Vertrag von Rom Italien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen sich auf Grenzänderungen einigten: Fiume wurde dabei durch Italien annektiert. Als Gegenleistung erhielt der serbisch-kroatisch-slowenische Staat Sušak, ei­nen Teil der Hafenstadt Rijeka. Der Hafen wurde von da an von beiden Län­dern gemeinsam verwaltet.
 

Gabriele d'Annunzio

Gabriele D'Annunzio (1863 - 1938) war ein ita­lie­nischer Schrift­steller, Dich­ter, Journalist, Soldat und Po­li­tiker [].
Er war ein leidenschaftlicher italie­ni­scher Natio­nalist und befürwortete den Eintritt seines Landes in den Er­sten Welt­krieg, in dem er sich auch persönlich als „Coman­dante“ an Kampf­handlungen beteiligte. Auf­se­hen­erregend war sein Flug über Wien, bei dem er Flugblätter über der Stadt abwarf.
Gabriele d'Annunzio
D'Annunzio starb am 1. März 1938 in seiner Villa „Il Vittoriale“ in Gar­do­ne am Gardasee, die heute als Mu­seum zu besuchen ist.

Gabriele d'Annunzio
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Fiume oder der Tod
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Fiume
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D'Annunzio erobert Fiume

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Nordkroatien - Zagreb & Kvarner Bucht
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