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| Der
Gang nach Canossa |
| Es handelt sich um einen der dramatischsten
Konflikte des gesamten Mittelalters, der vom Anspruch des
Papstes auf den Gehorsam des Kaisers geprägt war. |
| Januar
1077. Vor den hohen Mauern der norditalienischen
Burg Canossa steht, so wird es meistens geschildert, vor Kälte
zitternd und im Büßergewand, der deutsche
König Heinrich IV. Er wartet darauf, eingelassen zu werden.
In der Burg ist Papst Gregor VII, der im im Jahr zuvor den König
mit dem Bannfluch belegt hatte. |
| Der König
kommt als Büßer, damit er wieder in den Schoß
der Kirche aufgenommen werde. Nur wenn er das tut,
wollen ihn die deutschen Fürsten weiter als König
anerkennen. Auf diese Weise rettet Heinrich IV. seinen Thron,
doch um welchen Preis: Ein König, der zu Kreuze kriecht,
das wird die Gemüter über Jahrhunderte hinweg bewegen.
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| Der Gang nach Canossa
war ein wichtiger Meilenstein im sogenannten Investiturstreit.
Im 11. und 12. Jahrhundert stritten die durch den Kaiser vertretene
weltliche und die vom Papst repräsentierte geistliche Macht
um das Recht der Investitur, also um das Recht der Einsetzung
von Bischöfen und Äbten in ihre Ämter. |
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Der
Streit spitzte sich zu, als Heinrich IV. im Jahr 1071 den
erzbischöflichen Stuhl des Bistums Mailand
durch einen von Gregors Vorgänger Papst Alexander II.
exkommunizierten Erzbischof besetzen
wollte. Die vom Ritter Erlembald geführte Mailänder
Volksbewegung Pataria konterte mit einem eigenen Erzbischof
und übernahm de facto das Regiment in der Stadt.
Es begann eine Zeit der Verhandlungen zwischen Papst und König,
bei denen ein Teil der Reichsbischöfe
die Laieninvestitur durch den König unterstützten.
Die Verhandlungen schlugen aber fehl. Als Erlembald 1075 ermordet
wurde, setzte Heinrich IV. in mehreren Städten Italiens
weitere Erzbischöfe ein, worauf Gregor die Ratgeber des
Königs bannte.
Beim Reichstag in Worms im Januar 1076 kündigte Heinrich
daraufhin zusammen mit seinen Bischöfen dem Papst nicht
nur den Gehorsam auf, sondern forderte ihn sogar zum Rücktritt
auf.
Der Papst konterte auf der Fastensynode 1076. Er bannte den
König, ein unerhörter Vorgang, der bisher noch nie
da gewesen war.
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| Heinrich IV. unterlag also dem
Kirchenbann. Dies bedeutete, dass Heinrich alle kirchlichen
Sakramente wie Heirat, Absolution, letzte Ölung und ein
Begräbnis auf einem kirchlichen
Friedhof verwehrt waren. Aus der Sicht eines gläubigen
Menschen des Mittelalters war das tragisch. Es bedeutete den
Verlust des ewigen Lebens sowie
die Unmöglichkeit der Wiederauferstehung. |
| Wer meinte, die Bischöfe würden
standhaft an der Seite des Königs ausharren,
hatte sich getäuscht. Nach dem Kirchenbann fielen viele
der deutschen Fürsten, die Heinrich ehemals unterstützt
hatten, von ihm ab und zwangen ihn zu einer Lösung des
Problems. |
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Um einem päpstlichen Gericht auf deutschem Boden
worauf die Fürsten hofften zuvorzukommen, brach
Heinrich im Dezember 1076 nach Italien auf. Gregor erklärte
sich damit einverstanden, den Geächteten auf italienischem
Boden zu empfangen. In Canossa, einer Felsenburg fast 500
Kilometer nördlich von Rom, trafen die beiden Kontrahenten
im Januar 1077 aufeinander.
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| Die berühmte Begegnung
verlief wahrscheinlich viel undramatischer, als es meistens
geschildert wurde. Angeblich soll Heinrich im Januar drei Tage
lang im Büßergewand hungernd und frierend ausgeharrt
haben, bevor Gregor sich dazu herabließ, ihm Eintritt
in die Burg zu gewähren und ihm dort die Sakramente
zu spenden, wodurch Heinrich wieder in den Schoß von Mutter
Kirche aufgenommen wurde. In Wahrheit war die Bu0e ein formaler
Akt, den Heinrich vollzog und
den Papst Gregor VII. nicht ablehnen konnte. |
| Die neuere Forschung sieht im
Gang nach Canossa einen geschickten taktischen
und diplomatischen Schachzug, mit dem der König seinen
Gegner die religiös-politische Rechtfertigung für
seine Absetzung entzog. Mit seiner Geste hatte er aber auch
anerkannt, dass der Papst ein Kontrollrecht über den König
besaß. |
| Die deutschen Fürsten waren
verärgert darüber, dass es ihnen nun nicht erlaubt
war, den ungeliebten König zu stürzen. Die italienischen
Verbündeten des Königs verziehen ihm den Auftritt
im Büßergewand nicht. Die deutschen Fürsten
rebellierten schließlich offen und wählten im Jahr
1077 einen Gegenkönig, Rudolf
von Rheinfelden. Erst in einem mehrjährigen Krieg gelang
es Heinrich schließlich, den Gegenkönig zu besiegen.
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Der Niedergang des Papstes wurde nach Canossa beschleunigt.
Wegen fehlender Begründung einer weiteren Exkommunikation
Heinrichs, setzten die Kleriker Gregor VII. schließlich
ab und wählten den Erzbischof von Ravenna zum neuen Papst.
Gregor VII starb am 25. Mai 1086 im Exil in Salerno, ein Jahr,
nachdem sich sein Gegenspieler von Papst Clemens III. zum
Kaiser hatte krönen lassen. Heinrich überlebte seinen
Kontrahenten um 20 Jahre.
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| Canossagang |
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| Als
Gang nach Canossa bezeichnet man den im Januar 1077
erfolgte Gang von Heinrich IV, des späteren
Kaisers des Heiligen Römischen Reiches
nach Canossa zu Papst Gregor VII. Er hatte den
Zweck, die Aufhebung des Kirchenbanns zu erbitten.
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Deshalb wird heute der Gang nach Canossa im übertragenen
Sinne als Bezeichnung für einen erniedrigenden Bittgang
verwendet.
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Canossa.
Die Entzauberung
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