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Girolamo Savonarola
Girolamo (Hyeronimus) Savonarola wurde am 21. September 1452 in Ferrara als Sohn einer adligen Familie geboren. Im Alter von 23 Jahren brach er sein Medizin- und Philosophiestudium ab, um in den Dominikanerorden von Bolo­gna einzutreten.
Im Abschiedsbrief an seinen Vater nannte er eine Reihe von Gründen für seinen Eintritt in das Kloster: "Das entsetzliche Elend der Welt, die Bosheit der Menschen, die Unzucht, die Ehebrüche, Räubereien, den Hochmut, Götzen­dienst und die rohen Gotteslästerungen." Demgegenüber betont er die feste Absicht, "wie ein vernünftiges Wesen zu leben und nicht wie ein Tier unter Schweinen".
Jahrelang zog er daraufhin als Bußprediger umher und fesselte seine Zuhörer mit flammenden Reden, in denen er ihnen das göttliche Strafgericht für ihre Laster und Eitelkeiten androhte.
Nach längeren Aufenthalten in verschiedenen Klöstern seines Ordens wurde der inzwischen weithin bekannte Mönch 1490 auf Bestreben von Pico della Mirandola und Lorenzo de Medici an das Kloster San Marco in Florenz berufen, prangerte aber auch hier die Lasterhaftigkeit der herrschenden Schicht und kirchlicher Würdenträger an.
Der 42-jährige Savonarola betrat in einem dra­matischen Augenblick die Bühne der italienischen Geschichte, die er für wenige Jahre mitgestalten würde. Der junge Herrscher des Stadtstaates Florenz, Piero de Medici, war soeben von den Bürgern der Stadt verjagt worden, weil er seine politische Unfähigkeit unter Beweis gestellt hatte. Er hatte in den Verhandlungen mit dem fran­zö­sischen König Karl VIII., der im Sturmlauf Italien erobert hatte, nichts für die Stadt erreicht. Nun sollte der Mönch es richten – und er schaffte es. In intensiven Gesprächen mit dem jungen König erreichte er, dass dieser Florenz verschonte. Im Gegenzug verbündete sich die Stadt mit Frankreich.
Die Bürger vertrauten Savonarola, weil er in seinen dramatischen Predigten den Gang der Geschichte vorhergesagt hatte. Ein "neuer Kyros" werde in Italien einfallen, prophezeite er in Anlehnung an den Perserkönig. Es kam Karl VIII., der das Königreich Neapel für sich beanspruchte. Zuvor hatte der unerschrockene Mönch sich mit Lorenzo de Medici "il Magnifico" (dem Präch­tigen) angelegt, und ihm unter anderem zum Vorwurf gemacht, dass er die Gemeinschaftskasse geplündert habe, aus der ärmere Töchter der Stadt ihre Mitgift bezogen. Wenig später (1492) starb Lorenzo mit nur 43 Jahren an der Gicht – und auch Papst Innozenz VIII. starb im selben Jahr. Dessen Tod hatte Savonarola ebenfalls vorhergesagt. Sogar seinen eigenen Tod sah er 1491 voraus, neun Jahre vor seiner Ermordung.
Als die Medici 1494 vertrieben wurden und Karl VIII. weiter nach Süden zog, deutete Savinarola dies als Erfüllung seiner Prophezeiung und versuchte, die Verwirklichung seines Ideals von einem Staatswesen durchzusetzen.
Er empfahl die Einführung einer neuen Verfassung nach venezianischem Vorbild: Eine Halbdemokratie. Anstelle einer einzigen Familie oder den rei­chen Grundbesitzern sollten nun etwa dreitausend Handwerker, Kaufleute und andere Mittelständler - fünf Prozent der Bevölkerung - die Geschicke der Stadt mitbestimmen und den Rat wählen.
Das war erst der Anfang. Es wurde eine Amnestie erlassen, denn für Giro­lamo stand Versöhnung am Beginn eines echten christlichen Lebens. Es folgte der Verbot für Kaufleute, Wucherzinsen zu erheben und es wurden Almosen gesammelt, um den Armen zu helfen. Savonarola verstand sich als Impuls­geber einer geistig-moralischen Erneuerung auf christlicher Grundlage.
Kein christlicher Eiferer vor ihm hatte je eine verkommenere Welt und Kirche vorgefunden. Im Vatikan waren Ämterkauf, Prostitution und Giftmorde fast alltäglich. Der Borgia-Papst Alexander VI., war wegen seines zweifelhaften Lebenswandels besondere Zielscheibe des Eiferers.
Zum Verhängnis wurden Savonarola die offene Unterstützung durch König Karl VIII. von Frankreich und sein Kampf gegen Alexander VI., der wesentlich machtbewusster agierte als sein Vorgänger Innozenz.
Karls Feldzug geriet letztlich zum Fiasko, da er schon bald nach der trium­pha­len Einnahme Neapels Italien wieder verließ und Neapel bald danach wieder verloren ging.
Anfang Februar 1497 ließ Savonarola große Scharen von Kindern durch Flo­renz ziehen, die im Namen Christi alles beschlagnahmten, was als Symbol
für die Verkommenheit der Menschen gedeutet werden konnte: heidnische Schrif­ten, pornographische Bilder, "Luxusgegenstände" wie Gemälde, Schmuck, Kosmetika, Spiegel, weltliche Musikinstrumente und -noten, Spielkarten, aufwendige Möbel oder teure Kleidungsstücke. Am 7. Februar 1497, dem Karnevalsdienstag, wurden all diese Gegenstände auf einem riesigen Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoria verbrannt. Unersetzliche Kunstwerke und sonstige Kulturgüter gingen dabei unwiederbringlich verloren. Sogar der Maler Sandro Botticelli warf einige seiner Bilder selbst in die Flammen.
1495 untersagte Papst Alexander VI. Savonarola, weiterhin zu predigen. Für kurze Zeit hielt sich dieser auch daran, prangerte aber bald wieder die Miss­stände in der Kirche an.
Ohne den Rückhalt König Karls, aber auch aufgrund der Opposition der Franziskaner in Florenz kam es dort schließlich zu einem Stim­mungswandel, nachdem Savonarola schon 1497 vom Papst als "Häretiker, Schismatiker und Verächter des Heiligen. Stuhles" ex­kom­muniziert worden war. Als der Papst von der Signoria, dem Magistrat der Stadt, unter An­drohung des Interdikts für die ganze floren­ti­nische Republik forderte, Savonarola gefangen zu nehmen, wurde dieser von der auf­ge­brach­ten Menge aus dem Kloster geschleppt. Savonarola wurde eingekerkert, und durch Folter zu Geständnissen gepreßt, die er jedoch später widerrief. Er wurde zum Tode verurteilt. Savonarola wurde schließlich als ungehorsamer Mönch, Häre­ti­ker und Schismatiker mit zwei Mitbrüdern vor einer riesigen Menschen­men­ge zunächst gehängt und dann verbrannt, und zwar auf der Piazza della Si­gno­ria - dem gleichen Platz, auf dem er gut ein Jahr zuvor das Freudenfeuer der Eitelkeiten hatte veranstalten lassen.

Bis heute entzweit Savonarola die Gemüter. Von der Kirche wurde er bis heu­te nicht rehabilitiert, und gewiss war er ein Fanatiker, der sich zuletzt nicht nur in den Wirren der Machtpolitik, sondern auch seinen Utopien verloren hatte.
Papst Johannes Paul II. soll dem Vernehmen nach die Rehabilitierung und ein Seligsprechungsverfahren einleiten haben wollen.

 
Savonarola
Girolamo Savonarola war ein ita­lie­nischer Dominikaner und Buß­pre­di­ger. Er erregte Aufsehen mit seiner Kritik am Lebenswandel des herr­schen­den Adels und Kle­rus und war de facto Herrscher über Florenz von 1494 bis zu sei­ner Hinrichtung im Jahr 1498. Er bezahlte seinen reli­giö­sen Eifer mit dem Leben.

Savonarola
Von Savonarola bis
Robespierre
Religion
und Aufklärung
im Widerstreit

von Rüdiger Achenbach

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