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Die Normannen in Italien
Die Normannen (Nordmänner, Männer des Nordens, also Dänen, Schweden und Nor­weger) prägten die Geschichte Europas im Früh- und Hochmittelalter. Sie wurden auch Wikinger genannt und gingen zwischen dem 7. und dem 11. Jahrhundert auf Raubzüge und Handelsfahrten entlang der Küsten Europas und Teilen des Orients. Die Plünderungen begannen mit dem Überfall auf das Kloster Listefarne im Nordosten Englands (793). Danach erfolgte die Ero­be­rung des Nordatlantiks, Schottland, Irland, Island usw. durch die Normannen. Sie plünderten Paris (845 n. Chr.), Köln (860, 881) und Aachen (881), grün­de­ten Kiev und trieben Handel in ganz Europa, bis sie letztendlich in der Nor­mandie ankamen und ihren Weg zur Königsmacht begannen.
Zum Ende des 9. Jahrhunderts wurden die Normannen im Westfranken-Reich zunehmend sesshaft. Der Normannenführer Rollo bekam 911 vom König Karl III. dem Einfältigen mit dem Vertrag von St. Clair-sur-Epte das Gebiet an der Seine-Mündung zugesprochen. In diesem Vertrag wurde festgehalten, dass die Normannen dem Christentum beitreten, Karl den Lehnseid leisten und die Küsten vor anderen Normannen schützen sollten. Als Gegenleistung bekamen sie die Normandie als Lehen und Siedlungsgebiet. Das Herzogtum Normandie wurde gegründet.
1066 eroberten französische Normannen unter Wilhelm I. in der Schlacht bei Hastings England. Die skandinavischen Bindungen Englands wichen der fran­zösischen Kultur. Außerdem wurde England einer strengen Königsherrschaft nach normannisch-feudalem System unterworfen. Es folgte die Eroberung von Wales, Schottland und Irland durch die Anglo-Normannen
Die Eroberung Süditaliens und Siziliens ist vielleicht die beein­druck­end­ste Leistung der Normannen.

Erstmals in der Gegend urkundlich erwähnt wurden normannische Ritter im Jahre 999. Es waren normannische Pilger, die von ihrer Pilgerreise aus Jerusalem zurückkehrten und einen Zwischenhalt in Salerno einlegten. In Salerno halfen sie der Bevölkerung, sich der Sarazenen zu erwehren. Sie erhielten dort vom Prinz Guaimar IV das Angebot, auch weiterhin in seinem Dienste zu bleiben. Als sie ablehnten, sendete der Prinz einen Botschafter in die Normandie, mit der Aufgabe, eine Heerschar solch tapferer Kämpfer anzuwerben. Daraus folgte, dass einzelnen Ritter/Rittergruppen aus der Normandie nach Süditalien zogen, um hier als Söldner in die Dienste ver­schiedener Fürsten zu treten.

Die normannische Eroberung von Süditalien fand über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten im 11. Jahrhundert statt. Zuerst dienten die nor­man­nischen Söldner verschiedenen langobardischen und byzantinischen Herr­schern. Im Jahr 1016 reisten normannische Pilger zum Schrein des Erzengels Michael in Gargano, trafen dort auf den langobardischen Adligen Melus von Bari und wurden von ihm überzeugt, einen Angriff auf die Byzantiner in Apulien zu führen. Dies war dann auch die erste nachgewiesene norman­ni­sche militärische Aktion in Süditalien: 1017 zusammen mit Melus gegen die Griechen.

1030 erhielt einer der Normannen, Rainulf, für seine Dienste die Grafschaft Aversa (nördlich von Neapel). Es wurde das erste normannische Territorium in Süditalien. Mit der Zeit begannen die Normannen weitere Besitztümer und Vorformen von Kleinstaaten zu errichten. Diese schlossen sich zusammen, was die Normannen mit der Zeit zu einem de facto unabhängigen Machtfaktor in der Region machte.
Unter den Normannen waren auch mehrere Söhne aus der Familie der Hauteville. Als die Normannen nach Süditalien kamen, kreuzten sich dort die Interessen langobardischer Fürstentümer, der Byzantiner, Araber, Päpste und deutschen Kaiser. Im Laufe des 11. Jahrhunderts besiegten die Normannen aber die Fürsten, die Byzantiner und 1053 auch den Papst Leo IX.
Im Jahr 1059 vollführte das Papsttum eine radikale Wende in seiner Haltung gegenüber den Normannen. Galten sie bisher als Ungläubige, auf einer Stufe mit den Sarazenen, so suchte die Kirche nun das Bündnis mit ihnen. Der Hauptgrund lag in der schwachen militärischen Stellung des Papsttums selbst.

Im August des Jahres 1059 kam es zur Synode von Melfi. Papst Nikolaus II. bestätigte nicht nur die Gebietsansprüche der beiden Fürsten Ri­chard von Capua und Robert Guiskard, sondern machte sie zu seinen Lehnsleuten. Robert wurde in den Stand des Herzogs von Apulien, Kala­brien und des zukünftigen Siziliens erhoben. Mit dieser Formulierung unterstützte der Papst aus­drücklich die Rückeroberung Siziliens aus den Händen der Sarazenen.
1061 übertrug Robert Guiskard seinem Bruder Roger die Aufgabe, Sizilien zur erobern. Sizi­lien, das zum größten Teil von einer griechisch-or­tho­doxen Bevölkerung bewohnt war, war unter arabischer Kontrolle. Von 1061 bis 1091 fand die Eroberung Siziliens statt.

1060 fiel zunächst Reggio Calabria. Im Mai 1061 fiel Messina nach einem Täuschungsmanöver Roberts. Damit stand der wichtige Brückenkopf nach Sizilien. In der Folge gerieten die Eroberungen allerdings ins Stocken, denn Roberts Kräfte wurde immer wieder auf dem Festland gebunden. Denn die Byzantiner zettelten von der Hafenstadt Bari - damals eine der wichtigsten Städte des Südens - aus immer wieder Aufstände gegen die Hauteville an.

Um die stark befestigte Stadt Palermo einzunehmen, musste der Herzog alle Kräfte bündeln. Daher war es erforderlich, dass Robert zunächst Bari ero­ber­te. Dieses gelang nach dreijähriger und zäher Belagerung 1071. Ohne Pause ging es dann weiter nach Sizilien. 1072 eroberte Robert schließlich Palermo und setzte Roger als Herzog von Sizilien ein. 1085 unternahm er eine erneute Offensive gegen die beiden letzten Widerstand leistenden Städte Syrakus und Noto. Im März 1086 ergab sich Syrakus und im Februar 1091 Noto. Mit dem Fall der beiden Städte war die Eroberung Siziliens abgeschlossen.

1076 fiel Gisulf II von Salerno mit Piraten und Banden ins Gebiet der Nor­man­nen ein. Richard von Capua und Robert Guiscard verbündeten sich daraufhin und belagerten Salerno. Am 13. Dezember 1076 fiel die Stadt und der Herzog zog sich mit deiner Familie in die Zitadelle zurück, die erst im Mai 1077 erobert werden konnte. Der Herrscher von Amalfi, Marinus wurde erst 1101 besiegt, als ein Teil der Adligen von Amalfi ihn verrieten und auf die Seite der Normannen wechselten.

Im Jahr 1137 fiel das Fürstentum von Neapel nach zähem Widerstand in die Hand der Normannen. Es war einer der letzten süditalienischen Staaten, der in den Besitz der Normannen kam. 1139 fügte Roger das Fürstentum seinen Besitzungen hinzu und es wurde während 167 Jahren Bestandteil des nor­man­nischen Königreichs Sizilien.
Unter dem Sohn Rogers, Roger II. (1101-1154), kamen die getrennt be­herrschten Gebiete Süditalien und Sizilien wieder in eine Hand. Er baute eine starke zentrale Verwaltung auf, die sich vor allem auf Beamte stützte. Mit ihnen kontrollierte er den Adel, die Städte und die Kirche. 1127 wurde Roger Herzog von Apulien, Kalabrien und Sizilien. 1130 ließ er sich zum König von Sizilien krönen. Palermo wurde zur Hauptstadt seines Reiches, Zentrum von Verwaltung, Heer und Wissenschaft.
Das Besondere an Sizilien war das Völkergemisch aus Arabern, Normannen, Griechen, Sizilianern und Juden. Es herrschte religiöse Toleranz, vor allem auch gegenüber den Muslimen. Roger zog sie sogar in Verwaltung, Industrie und Wissenschaft heran. 1140 verkündete Roger die Assisen von Ariano: es ist ein einheitliches Gesetzeswerk mit Elementen fränkisch-normannischer Herrschaft, byzantinischer Verwaltung und römischen Rechts.
Wilhelm I., der Böse (1154-1166) stand immer im Schatten seines über­mächtigen Vaters. Seine Hauptaufgabe sah er darin, die Ländereien zu si­chern gegen: Barone, Päpste, Kaiser Friedrich I. und gegen die byzanti­ni­schen Kaiser. Sein größter Erfolg war die Abwehr aller diplomatischen und militärischen Eroberungsgelüste der beiden Kaiser.
Sein Beiname "der Böse" trug er zu Unrecht, er wurde ihm von der Kirche gegeben, da er sich des öfteren am Kirchengut vergriff, was durchaus zeitgemäß war.
Wilhelm II. der Gute (1166-1189) erhielt von kirchlichen Kreisen seinen Beinamen, weil er Kirchen baute, statt sie zu plündern.
Wilhelm II. setzte zunächst die Politik seines Vaters fort: durch geschickte Heiratspolitik sicherte er den Frieden nach außen. Dadurch abgesichert un­ternahm er ein großangelegtes Expansionsprogramm: Er wollte das östliche Mittelmeer erobern, wurde aber 1174 von Sultan Saladin zurückgeschlagen.
Auch Wilhelms letzter großer Plan, die Führung des 3. Kreuzzuges zu über­nehmen, scheiterte, da er 1189 starb.

1189 endete die normannische Herrschaft in Sizilien und Süditalien, denn Wilhelm verstarb ohne Sohn. Nachfolger seines Reiches wurde der mit Konstanze verheiratete Heinrich, der zukünftige Kaiser Heinrich VI. von Hohenstaufen. Damit begann die Herrschaft der Staufer in Sizilien und Süditalien.

 
Robert Guiskard
Robert Guiskard 1015-1085.
Ein Normanne erobert Süditalien

von Richard Bünemann

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Normannen
Die Normannen
von Nicola Di Mauro
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Die Welt der Wikinger
von Arnulf Krause
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