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Mathilde von Canossa

Mathilde von Tuszien (1046 - 1115), auch Ma­thilde von Canossa genannt, war Mark­gräfin auf der Burg Canossa im Emilia-Ro­magna-Apennin südlich von Reggio Emilia. Ihre Bekanntheit gründet sich – zumindest außerhalb Italiens – auf die Rolle, die sie bei den be­kann­ten his­to­ri­schen Ereignissen spielte, bei denen König Heinrich IV. beim Papst Gregor VII. Ab­bit­te leistete, um das gegen ihn ausge­spro­che­ne Kirchenbann rückgängig zu machen []. Sie aber auf die Vermittlungsrolle, die sie damals spielte, zu reduzieren, wäre, ihre Bedeutung zu reduzieren.
Mathilde kam in Mantua auf der Welt (andere Quellen nennen Canossa, Ferrara oder Lucca). Ihr Vater war Bonifaz III., Graf der Toskana, ihre Mutter Beatrix von Lothringen. Ihr Vater wurde 1052 ermordet und ihre älteren Brüder starben kurz darauf. So erbte Mathilde die um­fang­reichen Länder ihres Vaters, ein Gebiet, das die Toskana, einen großen Teil der Emilia, der Romagna, der Lombardei, des Veneto und Ligu­riens umfasste. Als Minderjährige stand sie zu­nächst unter der Regentschaft ihrer Mutter, die im Frühjahr 1054 aus politischen Gründen ihren Cousin Gottfried den Bärtigen heiratete, einen ausgemachten Feind des römisch-deut­schen Kaisers Heinrich III. Gottfried war Herzog von Nieder­lo­thrin­gen, bis ihn Heinrich III. ab­setzte. Weil er Gottfrieds nicht habhaft werden konnte, nahm der Kaiser im Jahr 1055 Beatrix und Mathilde als Geiseln, brachte sie nach Deut­schland und ließ sie erst 1056 nach seiner Ver­söhnung mit Gottfried kurz vor seinem Tod frei. Erst nach dieser Aussöhnung konnte Gottfried wieder über die Besitzungen seiner Stieftochter verfügen und übernahm nicht nur die Regent­schaft der Gebiete von Mathilde, sondern auch den Titel an. Erst nach Gottfrieds Tod im De­zem­ber 1069 konnte Mathilde selbst die Nachfolge ihres Vaters antreten, re­gier­te aber dennoch gemeinsam mit ihrer Mutter bis zu deren Tod 1076.
Etwa um die Zeit, als ihr Stiefvater Gottfried der Bärtige im Jahr 1069 starb, wurde Mathilde mit dessen Sohn Gottfried IV., auch Gottfried der Bucklige genannt, verheiratet. Die Tochter, die aus dieser Ehe stammte, starb wenige Monate nach ihrer Geburt. Bereits Ende 1071 verließ Mathilde ihren Mann und lebte von nun an getrennt von ihm auf ihren italienischen Gütern.
Die Ruine der Burg Canossa
1076 war ein entscheidendes Jahr für Mathilde: Papst Gregor VII. (1073 - 1085) wurde auf dem Reichstag zu Worms abgesetzt, worauf er Heinrich IV. exkommunizierte. Es folgten die Ermordung von Mathildes Mann und der Tod ihrer Mutter. Mathilde herrschte danach allein. Sie blieb eine „unverwirklichte" Frau mit der Last der Regentschaft. Dem Papst gegenüber blieb sie indessen immer treu, so wie es ihre Mutter und ihr Stiefvater auch getan hatten.
In diese Zeit (1077) fiel der historisch bedeutende Gang nach Canossa [] von Heinrich IV., Sohn des Kaisers Heinrich III. Eine der wich­tigs­ten Burgen Mathildes, der Stammsitz ihrer Vorfahren, war Canossa. Nach Canossa zog Heinrich IV. als Büßer und harrte – so die Überlieferung – vom 25. bis zum 27. Januar 1077 barfuß im Schnee vor den Toren der Burg aus, bis Gre­gor VII., der in der Burg als Gast von Mathilde verweilte, hauptsäch­lich auf Ver­mittlung der Marktgräfin, am 28. Januar endlich den Kirchenbann gegen ihn auf­hob.
Als im Jahr 1080 Heinrich IV. trotz seinen Versprechungen dem Papst ge­gen­über erneut Bischöfe ernannte, weigerte sie sich, den König, der gegen den Papst zu Felde zog, auf ihrem Territorium zu eskortieren. In den Kämpfen bei Volta Mantovana unterlagen Mathildes Truppen und der König konnte in Rich­tung Rom ziehen. Er konnte aber erst im Jahr 1084 die Stadt erstürmen, in der er einen Gegenpapst, Clemens III., auf den Heiligen Stuhl brachte. In den Jahren davor hatte er Mathildes Besitztümer konfisziert, ihre Burgen in den Apenninen aber nicht einnehmen können. Während Gregor VII. gezwungen war, in Exil zu gehen, gelang es Mathilde am 2. Juli 1084, die Truppen des Königs in der Schlacht von Sorbara (bei Mantua) zu besiegen. Daraufhin kehr­te Heinrich IV. auf deutschen Boden zurück und Mathilde erlangte wieder die Kontrolle über ihre beschlagnahmten Besitztümer.
Die Burg Rossena
Mathilde heiratete zwei Mal. Beiden Ehen wurden aus politischen Grün­den ge­schlossen und verliefen unglücklich. Die zweite Vermählung Mathildes fand im Jahr 1090 statt, zwischen der be­reits reifen Markgräfin und dem 16-jährigen Welf V. von Bayern, dem ältesten Sohn des Herzogs Welf IV. Es war auf Wunsch des Papstes Urban II. gewesen, der diese Familie noch enger an die päpstliche Sache fesseln wollte. Auch dies Ehe war aber nur von kurzer Dauer und blieb ohne Nachkommen.
Die Heirat zwischen Mathilde und Welf V. veranlasste 1090 Heinrich IV., wie­der nach Italien zurückzukehren. Mathilde musste in die Berge fliehen. Heinrich belagerte Mantua, die ein Jahr später kapitulierte. 1092 belagerte er die mathildischen Festungen Monteveglio und Canossa, konnte sie aber nicht einnehmen. Zwar konnte sich keine der beiden Parteien durchsetzen, aber Mathilde verlor ein Teil ihrer Besitztümer in der Toskana und in Teilen der Emilia. 1097 kehrte Heinrich schließlich ohne einen klaren Sieg nach Deut­schland zurück.
Der Turm Rossenella

Heinrich IV. starb im Jahr 1106. Sein Sohn Heinrich V. kam nach Italien und schloss mit Mathilde ein Abkommen. Er gab ihr den Titel von Vasallin von Norditalien zurück und ließ sie zur Vizekönigin Italiens krönen. Im Gegenzug sicherte sie ihm zu, dass sie, sollte sie ohne Erben sterben, ihm ihre ges­am­ten Besitz­tümer überlassen würde.

Mathilde starb am 24. Juli 1115 in Bondeno di Roncore, dem heutigen Bon­deno di Reggiolo, und fand in dem von ihr reich beschenkten Kloster San Benedetto di Polirone ihre Ruhestätte. 1632 wurden ihre Überreste in den Pe­ters­dom in Rom übertragen, und in einem vom bedeutenden italienischen Bildhauer und Architektenn Gian Lorenzo Bernini geschaffenen Grabmal beigesetzt. Sie bleibt eine von den zwei einzigen Frauen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Das zeigt, welche Bedeutung die katholische Kirche ihr beigemessen hat.
 
 
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