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Der
Marsch auf Rom
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Obwohl Italien zu den Siegern des Ersten Weltkriegs zählte,
hatte der Friedensvertrag von Versailles die Interessen
Italiens nicht ausreichend berücksichtigt,
das Schlagwort der vittoria mutilata, des "verstümmelten
Sieges" machte sich breit.
Die Herrschenden hatten wenig anzubieten als Gegenleistung
für die fürchterlichen Verluste (600.000 getötete,
700.000 verkrüppelte Soldaten) und die riesigen Kriegsschulden.
Die Lebenshaltungskosten liefen davon. Das Ergebnis waren
jene zwei Jahre, die in die italienische Geschichte unter
dem Namen Biennio Rosso (die Zwei Roten Jahre) eingegangen
sind.
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Nach dem Krieg war es zu schweren Tumulten in Zusammenhang
mit Protesten und Streiks gegen die rasant gestiegenen
Preise gekommen.
In den Jahren 1919/1921, dem "roten Biennium", verschlimmerte
sich die Situation. Sie nahm quasi-revolutionäre Formen
an. Es gab Landbesetzungen, Fabrikbesetzungen. Fabrikräte
kontrollierten die besetzten Anlagen, "Rote Garden",
eine Verteidigungsorganisation der Arbeiter, verteidigten
sie. Demonstrationen und Straßenschlachten kamen über
das Land herein. Die Zahl der in Gewerkschaften organisierten
Arbeiter steigerte sich auf vier Millionen. Die Industrie-
und Landarbeiter stellten weitreichende Forderungen nach Lohnerhöhungen,
Arbeitszeitverkürzungen und mehr betrieblicher Mitbestimmung.
Auf dem Land forderten sie unter anderem eine Aufteilung des
Großgrundbesitzes und feste Einstellungsquoten für
Landarbeiter.
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| Obwohl Streiks und Landbesetzungen
insgesamt einen eher spontanen Charakter hatten und keineswegs
Teil einer großangelegten sozialistischen "Revolution"
waren, bekamen es Industrielle und Großgrundbesitzer mit
der Angst zu tun. Es hatte Ausschreitungen gegeben, Tote, die
Revolution schien vor der Tür zu stehen. Die Mittelklasse
und die Bourgeoisie sahen gerade unter dem Eindruck der siegreichen
russischen Revolution und den Aktionen der Sozialisten die Gefahr
von links als weit größer an, als die von rechts.
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| Die 1919 gegründete faschistische
Bewegung Mussolinis verstärkte diese Ängste nach Kräften,
indem sie gegen die vermeintliche Gefahr einer bolschewistischen
Revolution agitierte und sich selbst mit ihren militärisch
organisierten Schlägertrupps, den sogenannten squadre,
als Garant der vermeintlich bedrohten Ordnung empfahl. Überall
gingen die squadre gegen die Sozialisten vor, verübten
Anschläge auf Parteizentralen, schüchterten Funktionäre
ein oder ermordeten sie. Die Anhängerschaft Mussolinis
war eine Ansammlung von abtrünnigen Sozialisten, Republikanern,
Anarchisten, konservativen Monarchisten, Revolutionären
und aufsässigen Soldaten - ein Sammelbecken der Enttäuschten
und Unzufriedenen. |
| Die Faschisten, die vor September
1920 noch schwach und vernachlässigbar waren, bekamen immer
mehr Zulauf. 1921 und 1922 breitete sich die Bewegung
enorm aus und wurde 1922 mit über 300.000 Mitgliedern zur
stärksten Massenbewegung Italiens. |
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Die squadristi (von den Großagrariern und Industriellen
kräftig unterstützt) vertrieben die Sozialisten
aus den Fabriken und drangen immer mehr von den Städten
aufs Land vor, wo sie Organisationen und Einrichtungen der
Arbeiterbewegung zerstörten und sogar sozialistisch
beherrschte Rathäuser angriffen. Sie gingen dabei
äußerst brutal vor. Sie erschlugen ihre Opfer oft
mit dem Schlagstock oder zwangen sie dazu, große Mengen
Rizinusöl zu trinken, ein Abführmittel, das in hohen
Dosen tödlich wirkt.
Aus Furcht vor inneren Unruhen ließ der italienische
Staat die squadristi gewähren, teilweise schritten
Ordnungskräfte nicht ein oder billigten sogar Aktionen
gegen Sozialisten
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Als entscheidende Niederlage der Sozialisten kann der Generalstreik
vom Juli/August 1922 gelten, den die faschistischen Trupps
in den großen Städten mit Gewalt auflösten.
Mussolini nutzte die Gelegenheit dazu, Neuwahlen zu fordern,
ordnete die Mobilmachung der faschistischen Schwarzhemden
an und drohte mit einem "Marsch auf Rom",
falls dieses Anliegen nicht erfüllt würde.
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Die Politiker, die seine Reden und Drohungen gehört
hatten, nahmen ihn zuerst gar nicht ernst. Als sich aber immer
deutlicher abzeichnete, dass er seine Androhung wahrmachen
würde, bestürmte Emanuele Pugliese, der römische
Militärkommandant, den Ministerpräsidenten Luigi
Facta, den Notstand auszurufen, aber dieser weigerte
sich. Erst in der Nacht vom 27. zum 28. Oktober, kurz nach
Mitternacht, als sich bereits Tausende Faschisten auf dem
Weg nach Rom befanden und aus den Provinzen Nachrichten über
Besetzungen von staatlichen Einrichtungen eintrafen,
berief Facta das Kabinett ein.
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Die faschistischen squadre besetzen nach und nach
die Telefonzentralen und alle Regierungsgebäude, beschlagnahmten
Eisenbahnen und verbündeten sich sogar mit der italienischen
Armee. Auf vier Kolonnen aufgeteilt, marschieren 26.000 Faschisten
sternförmig auf Rom zu und erreichen die Stadt am 28.
Oktober. Die Regierung beschloss daraufhin den Belagerungszustand
auszurufen. Das Notstandsdekret, das der Armee das
sofortige Losschlagen gegen die Faschisten ermöglichen
sollte, wurde vorbereitet und Facta brachte es am nächsten
Morgen zu König Vittorio Emanuele III., dessen Unterschrift
nötig war, damit es in Kraft treten konnte.
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| Einige der konservativen
Berater des Königs wie der ehemalige italienische Premier
Antonio Salandra rieten ihm von der Unterschrift ab, unter anderem
weil sie glaubten, in einer Koalition mit den Faschisten hohe
Ämter zu erhalten. Mussolini signalisierte Verhandlungsbereitschaft.
Sie dachten außerdem, die Faschisten seien der Armee zahlenmäßig
weit überlegen, Mailand sei bereits in ihrer Hand
und Rom könne nicht mehr gehalten werden. Sie warnten
daher vor unnötigem Blutvergießen im Falle der Unterschrift
des Dekretes. |
Vittorio Emanuele verweigerte
deshalb am Morgen des 28. Oktober 1922 die Unterschrift des
Dekrets. Facta trat daraufhin zurück und schlug Salandra
als neuen Regierungschef vor. Dieser überredete aber den
König, Mussolini zum neuen Ministerpräsidenten zu
ernennen.
Als sich herumsprach, dass er Mussolini mit der Regierungsbildung
beauftragen wollte, ließen Polizei und Armee
den Schwarzhemden freie Hand. Mussolini selbst, der es vorzog
nicht am Marsch teilzunehmen, beschäftigte sich gleich
mit der Bildung einer neuen Regierung. |
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Der "Duce" der faschistischen Bewegung bestieg
noch am Abend des 29. Oktobers einen Nachtzug von Mailand
nach
Rom und kam am Morgen des 30. Oktober 1922 am Bahnhof Roma
Termini an. Er begab sich zunächst ins Hotel und dann
im Schwarzhemd zum König, an den er als erstes die Worte
gerichtet haben soll: "Majestät, ich komme vom Schlachtfeld."
Das war angesichts der angenehmen Umstände seiner Reise
reiner Hohn.
Das "Schlachtfeld", das waren die vom Herbstregen
aufgeweichten Felder einige Dutzend Kilometer vor den Toren
Roms, auf denen mittlerweile mehrere Zehntausend Faschisten
eingetroffen waren (wahrscheinlich dürften es zwischen
40.000 und 50.000 Mann gewesen sein, die zu Fuß oder
in zum Teil gekaperten Sonderzügen in der Nähe der
Hauptstadt eingetroffen waren).
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Nach der Ernennung Mussolinis zum Regierungschef zogen die
Faschisten am 31. Oktober 1922 in Rom zu einer Siegesparade
ein, während derer es, wie schon in den Tagen zuvor,
zu blutigen Überfällen auf sozialistische und kommunistische
Pressebüros und Anhänger kam.
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Benito Mussolini (geb. am 29. Juli 1883 Predappio,
Emilia-Romagna / gest. am 28. April 1945 bei Dongo am
Comer See - erschossen) war von 1922 bis 1943 faschistischer
Diktator Italiens. Als Führer des faschistischen
Regimes führte er den Titel Duce del Fascismo.
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Kurze Geschichte des
italienischen Faschismus
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Marsch auf Rom und
Umgebung. Ein Bericht
von Emilio Lussu
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