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| Die
Schlacht am Piave |
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Meine Beziehung zu Italien wurde
stark von der Ausgrenzung geprägt, die ich, als in Italien
aufgewachsener Österreicher, in der Schule spürte,
als im Geschichtsunterricht die Heldentaten der Italiener
im "Großen Krieg" 1914-1918 mit "patriotischer"
Inbrunst zelebriert wurden. Als Kind machte mir diese Art
von Geschichtsunterricht, in dem die Österreicher
immer die Rolle der "Bösen" und der Unterdrücker
spielten und die Italiener die der Helden, schwer zu schaffen.
"Muti passaron quella notte i fanti, tacere bisognava
andare avanti ... e il Piave mormorò, non passa lo
straniero
" (Schweigend verbrachten jene Nacht
die Soldaten, man musste schweigen, man musste vorwärts
marschieren ... und der Piave flüsterte: Der
Feind wird nicht durchkommen!) Wie oft musste ich als
Kind diese Lieder über mich ergehen lassen und sogar
mitsingen - und das viele Jahre nach dem "zweiten"
Weltkrieg!
Welch eine von der Zeit überholte Rethorik noch heute
in der italienischen Nationalhymne [
] enthalten ist, wird die Lekture dieser am Nationalismus
des 19. Jahrhunderts orientierter Text rasch vermitteln.
Vor einigen Jahren, spürte ich, mit der Absicht, ein
Stück Familiengeschichte aufzuarbeiten, einige jener
Orte auf, die von meinem Großvater (er war Major im
Österreichischen Heer und hatte an den Isonzo-Schlachten
teilgenommen) in seinen Kriegstagebüchern erwähnt
wurden,
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Bei jener Gelegenheit
las ich mit großem Interesse über die damaligen Kriegsgeschehnisse
in einem Buch des Historikers Heinz Von Lichem, als ob
ich den vergessenen Geschichtsunterricht nachholen müsste.
Ich war so gefangen von der Schilderung dieser Ereignisse und
ich ergriff beim Lesen wieder mit solcher Leidenschaft Partei
für Österreich, als würde in diesem Buch die
Revanche stattfinden.
Da gab es also die ersten 6 Isonzo-Schlachten, bei denen es
den Italienern unter Cadorna gelang, die Gegend südlich
von Görz (Monte San Michele, Hochplateau von Doberdò)
zu erobern. Es waren verbissene, blutige Stellungsschlachten,
Massenangriffe die für Tausende den Tod bedeuteten, und
ununterbrochener Artilleriebeschuss. Insgesamt hielt aber die
Österreichisch-Ungarische Front.
In den weiteren Schlachten verstärkte sich das Gemetzel.
In der 11. Isonzo-Schlacht steigerte Cadorna schließlich
seine Angriffskraft auf eine Million Kämpfer - hier sieht
man welche Lügen die Kriegsrethorik hervorbringt, denn
bei einer hundertprozentigen Überlegenheit wird von "inferiorità
per numero e per mezzi" (Unterlegenheit an Zahl und Mitteln)
gesprochen -, ohne jedoch seinem Ziel, Triest zu erobern, näher
zu kommen.
Ich zitiere aus Von Lichems Buch:
"Die eiserne Isonzo-Mauer Österreich-Ungarns bekam
trotz ungeheuren Menschenopfern keinen Riss. Dann setzten das
Österreichisch-Ungarische Heer zusammen mit den deutschen
Verbündeten auf den großen Schlag an. Am 24. Oktober
1917 beginnt es. Angriff von allen Berggipfeln von der Flitscher
Klause bis südlich von Tolmein (in den Julischen Alpen,
heute Slowenien). Unvorstellbar muss jenes Bild gewesen sein,
als sich auf die Sekunde genau um 8 Uhr morgens des 24. Oktober
1917 vom Rombon bis zur Hermada am Meer die Männer in Bewegung
setzten. Am 27. Oktober, nach andauernden Kämpfen, in denen
die Schlacht auch nicht eine Sekunde anhielt, waren Flitsch-Tolmein-Karfreit
durchbrochen, war die italienische Front am mittleren Isonzo
und am Unterlauf überrannt worden. |
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Vom 1. Bis 10. November wird die Tiefebene
förmlich überrannt. Dann standen die Heere am Piave.
Die Italiener hatten insgesamt eine Million Mann verloren
(Tote, Verwundete, Deserteure) und nahezu das gesamte Kriegsmaterial.
Ein ungeheurer, nie erwarteter Erfolg war erreicht worden."
Karfreit ist übrigens der deutsche
Name für Caporetto (Slowenisch Kaborid).
Beim Lesen dieser Ereignissen merkte ich, wie unmöglich
es ist, unparteiisch zu sein. Mit Spannung setzte ich die
Lektüre fort, als ob der Ausgang des Krieges noch völlig
offen gewesen wäre. In Wahrheit blieb mir nur die Unwissenheit,
über "wie" es passierte.
"Am Ostufer des Piave wurde den österreichisch-ungarischen
Truppen der Befehl zum Abbruch der Offensive, gegen den Willen
von nahezu 100% des Offizierskorps und der Mannschaften gegeben.
Dieser Befehl wurde der Anlass zum Untergang Altösterreichs
und führte in weiterer Folge dazu, dass der deutsche
Verbündete, zu Recht verärgert, seine Truppen am
Piave sofort nach Erteilung jenes Befehles abzog. Hier verspielte
Österreich-Ungarn den Sieg, das Armee-Oberkommando Österreich-Ungarns
hat in diesen Tagen am Piave vollkommen versagt. Man ließ
den Italienern die Zeit, dass sie mit Hilfe englischer und
französischer Truppen das Piave-Westufer uneinnehmbar
machen konnten."
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Die Piave-Schlacht
Der Piave ist ein Fluss in Oberitalien, der an den
Südhängen der Karnischen Alpen entspringt
und in den Golf von Venedig mündet.
Im 1. Weltkrieg bildete der Unterlauf des Piave ab
November 1917 die neue Frontlinie nach der 12. Isonzo-Schlacht.
Ein Versuch der k. u. k. Streitkräfte, ab 15. 6. 1918
die italienische Front mit einer neuen Offensive zu
durchbrechen, scheiterte unter schweren Verlusten.
Der Großangriff der Alliierten im Piavegebiet am 24. 10.
1918 führte zum Zusammenbruch der Südwestfront,
zur militärischen Katastrophe der k. u. k. Armee in Venetien
(Vittorio Veneto) und zum Abschluss des Waffenstillstands
von Villa Giusti bei Padua |
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Erster
Weltkrieg
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Der erste Weltkrieg
Eine europäische Tragödie
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Piave 1918
von Peter Schubert
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