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Umgangsformen in Italien

Bekleidung
Die Italiener sind (immer noch, auch wenn die Amerikanisierung fort­schrei­tet) Ästheten, sie schätzen gut angezogene Menschen und freuen sich, wenn die Touristen beim Stadtspaziergang nicht allzu viel Haut zeigen.
Zwar haben sich längst auch in Italien bei den Herren die knielangen Bermu­das und die Trek­kinghosen mit ausgebeulten Beintaschen durchgesetzt, aber abseits der Strände wird man vergeblich Einheimische suchen, die in Bikini oder Ba­de­hose durch die Stadt bummeln, oder gar mehrfarbige, weite Shorts und är­mel­lose Unter­hem­den tragen. Denn es entspricht nicht im Geringsten dem Geschmack der Italiener, ganz im Gegenteil, es ist absolut verpönt. Selbst in Restaurants in Strandnähe, ganz zu schweigen von Museen und anderen öffentlichen Gebäuden ist eine zu saloppe Klei­dung nicht gern gesehen.
In Venedig kann einem sogar passieren, dass man, wenn man auf öffentlichen Plätzen in Badekleidung erwischt wird, Bußgelder von bis zu 200 Euro zahlen muss. Solche in den Augen der Venetianer als anstößig angesehene Kleidung hat die Stadtverwaltung der Lagunenstadt nämlich unter Strafe gestellt.
Beim Besuch von Kirchen sind bedeckte Schultern und Beine vor­ge­schrie­ben. Das gilt als Zeichen von Respekt.

Nackt baden

Nackt baden oder sonnen ist im ganzen Land nicht nur verpönt sonder aus­drück­lich verboten - dies gilt auch für Kinder. Trotzdem gibt es immer wieder Touristen, die an manchen Stränden die Hüllen fallen lassen. "Oben ohne" wird zwar nicht gern gesehen, setzt sich aber, wenn auch nicht in dem Maße wie beispielsweise in Frankreich, nach und nach durch.
Am Strand
Bei aller Freiheit: In Italien ist der Strandbesuch so streng reglementiert wie nirgendwoanders in Europa. Da kann es leicht geschehen, dass man ein Bußgeld zahlen muss.
Beispielsweise wird erwartet, dass sich die Badegäste ausschließlich in den dafür vor­ge­seh­enen Kabinen umziehen und nicht vor aller Augen. Auf den freien Stränden geht es zwangsläufig etwas lockerer zu, wobei es glück­li­cher­weise auch in Italien immer mehr mit Dusche und Umkleidekabinen aus­ge­stattete freie Strände (die so genannten spiagge libere attrezzate) gibt.
Tiere sollten nicht mit auf den Strand (obwohl ich persönlich schon Pitbull Terriers im Wasser planschen gesehen habe, ohne dass es jemand bean­stan­det hätte), laute Musik darf ebensowenig abgespielt werden (Gerhard Polts Film "Sprechen sie Deutsch?" wäre da nicht mehr zeitgemäß), wild zelten oder auf dem Strand übernachten ist auch nicht erlaubt.
Ein absolutes Nein gilt dem barbusigen Einkehren ins Strand-Restaurant.

Schmusen beim Sonnenuntergang ist zwar nicht verboten, falls man dabei aber zu weit geht, dann kann es richtig teuer werden.

Was viele Touristen völlig unterschätzen, ist die Gefährlichkeit des Meeres bei Wellengang. Deshalb sollte man das Warnsignal (rote Flagge = Badeverbot) strikt befolgen. Schließlich setzt man nicht nur sich selbst, sonder auch den Bademeister der Gefahr aus.

Rauchen
In Italien ist das Rauchen in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften, öffentlichen und privaten Büros, Kinos und Restaurants seit einigen Jahren grundsätzlich ver­boten. Nur selten gibt es Lokale mit separatem Raucher­zim­mer oder entsprechender Entlüftung, in denen das Rauchen erlaubt ist. Und es ist er­staunlich: Die Menschen halten sich daran, die Wirte beklagen sich nicht!

Wer sich nicht an das Rauchverbot hält, muss mit 25 bis 250 Euro Bußgeld rechnen. Noch mehr wird es, wenn er neben Schwangeren oder Kindern raucht. Die Wirte sind verpflichtet, unter Androhung von hohen Strafen, jeden rauchenden Gast anzuzeigen.

Meinungsunterschiede ...

... werden in Italien meistens mit größter Höflichkeit und Gelassenheit aus­ge­tragen, wie es auf dem folgendem Video zu sehen ist.

In Bars und Restaurants
In Italien weichen die Essenszeiten etwas von denen, die in Österreich und Deutsch­land üblich sind, ab, wenn auch nicht so extrem wie in Spanien. Es ist alles etwas nach hinten verschoben. Wenn man beispielsweise um 19 Uhr zum Abendessen in ein Restaurant geht, hat man es vermutlich allein für sich. Dafür rechnet man in keinem Restaurant damit, dass an einem Abend ein Tisch turnusmäßig von mehreren Gästen belegt wird.
In einer Speisegaststätte den erstbesten freien Tisch anzusteuern, gilt als unhöflich. Stattdessen sollte man sich vom Kellner einen Tisch zuweisen lassen. Wobei diese Zuweisung selbstverständlich nirgendwo den strikten Charakter hat, wie es in der früheren DDR üblich war.
Der Tradition entsprechend besteht ein italienisches Essen aus mehreren Gängen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn, nachdem man sich gerade mit einem Teller Spaghetti voll gegessen hat, der Kellner kommt und freund­lich fragt: "E di secondo cosa le porto?" (Was kann ich Ihnen als zweiten Gang bringen?). Das war früher, besonders in den "besseren" Restaurants ein absoluter (und teuerer) Zwang.
Mit dem Steigen der Preise und dem zunehmenden Schlankheitsbewusstsein der Italiener wird diese Sitte auch von den Italienern nicht mehr so ernst genommen. So überspringt man beispielsweise die antipasti, oder man teilt sich ein primo (den ersten Gang, also das Nudelgericht), oder man nimmt halt nur einen secondo (Hauptgang).

Eine Rechnung pro Tisch im Restaurant ist bei den Italienern ganz normal und es wird vom Kellner fast als Zumutung gesehen, wenn jeder Gast auf seine eigene Rechnung besteht. Wenn in Italien mehrere Personen gemeinsam essen gehen, gibt es beim Bezahlen eine einzige Rechnung, die in einer Summe bezahlt wird. Meistens wird dann ganz einfach der Rechnungsbetrag durch die Anzahl der Personen geteilt (egal, ob der auch tatsächlich so viel gegessen hat oder nicht), oder jeder steuert freiwillig mit einen ange­mes­se­nen Betrag bei. Peinlich wird es, wenn die ausländischen Gäste genauestens anhand der Speisekarte ihre Kosten zusammenrechnen und dabei auch noch den Beitrag für das coperto (das "Gedeck", das zwischen 0,50 und 5,00 Euro betragen kann) vergessen.

Jeder Kaffee hat in Italien seine Tageszeit. Nach dem Aufstehen trinkt man ggf. einen Espresso (bzw. einen caffè []), zum Frühstück einen Cappuccino oder einen latte macchiato - und ab mittags nur noch Espresso.
Trinkgelder

Das Trinkgeld heißt auf Italienisch "mancia", Trinkgeld geben, "lasciare la/una mancia". In den Reiseführern liest man zwar immer noch, dass in Hotels und Res­tau­rants fünf bis zehn Prozent, in Cafés zehn bis fünfzehn Prozent der Rech­nung als Trinkgeld erwartet werden, aber auch hier hat sich in Italien einiges geändert.
Trinkgeld zu geben ist in der italienischen Gastronomie kaum noch üblich. Schließlich sind die Preise ja "servizio compreso". Das sogenannte "coperto" sollte aber nicht mit einer Service-Steuer verwechselt werden. Es ist nur eine Art Grundgebühr für das Gedeck. Wer besonders zufrieden war, kann ein paar Münzen geben. Aber bitte nur unauffällig auf dem Tisch liegen lassen. In den Bars stehen dafür Tellerchen oder Spar­schwei­ne an der Theke.
Im Hotel könnten SIe dem Zimmermädchen etwa fünf Euro pro Woche geben. Im Taxi wird Trink­geld zwar nicht erwartet, über ein Aufrunden freuen sich aber die Taxifahrer.

Weitere Umgangsformen
Vorsicht übrigens beim Grüßen in Italien: "Ciao" sagt man nur zu jungen Leuten oder sehr guten Bekannten.
Üblicher und etwas formeller ist buon giorno ("guten Tag") oder buona sera ("guten Abend"). Wenn Sie jemanden nicht gut kennen, sollten sie sich kei­neswegs mit ciao verabschieden, arrivederci (oder arrivederla) tut's besser.
Im Gespräch legen die Italiener (wie auch ihre nördlichen Nachbarn, die Österreicher) großen Wert auf den Titel. Jeder Akademiker sollte mit dottore, jeder Lehrer mit pro­fessore angesprochen werden. Und wenn Sie es mit einem Ingenieur zu tun haben (der in Italien ja auch dottore ist), sprechen Sie ihn lieber mit ingegnere an, das gibt mehr Prestige - dottore ist schließlich jeder.
Blumen
Sie werden zu jemand nach Hause eingeladen?Sie möchten der Gastgeberin eine Freude machen, indem sie ihr einen Strauß Blumen mitbringen. Achtung. Den größten Fauxpas würden Sie zun, wenn sie einen Strauß Chrysanthemen mibrächten. Denn diese gelten als Trauerblumen. Man verwendet sie haupt­säch­lich als Grabschmuck auf Friedhöfen.
Tabuthemen

In Italien ist das Thema Fschismus und Mussolini kein Tabu wie in Deutschland die Zeit unter Hitler. Man spricht ziemlich offen über die da­maligen Ver­hält­nisse, aber lassen Sie als Fremder das Thema lieber aus, soloang sie die Meinung ihres Gesprächspartners nicht kennen.

Ein absolutes Tabuthema ist in Italien (außer unter engsten Verwandten) das Einkommen. Wenn sie einen Bekannten mit einer - in Amerika durchaus übli­chen - Frage wie "How much do you make a year?" überfallen, brauchen Sie sich nicht, wundern, wenn ihnen eisige Reserviertheit entgegenkommt.

Einkaufen
Beim Einkaufen kommt es oft vor, dass Sie an den Waren keine Preise finden, denn es gibt keine gesetzliche Verpflichtung dazu. Zögern Sie aber nicht, nach den Preis zu fragen, und genieren Sie sich nicht, ggf. auf ein anderes Geschäft auszuweichen..

Dass Italiener mit dem Anstellen an der Bar oder im Geschäft ihre Probleme haben, ist bekannt. Wer die robusteren Ellbogen hat oder am lautesten schreit, kommt eher dran. Aber auch hier hat sich in den letzten Jahrzehnten etwas geändert. In immer mehr Bäckereien, Gemüseläden, oder Wurst- und Käse­theken im Supermarkt muss eine Nummer gezogen werden, erst nach dem Aufruf der jeweiligen Zahl, kommt man an die Reihe.

 
 
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