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Bambini

Das Sprachliche
Kind heißt auf Italienisch "bambino", die Kinder sind "i bambini". Dazu gibt es auch die Form "bimbo" (Achtung! Das ist nicht die politisch unkorrekte Be­zeichnung für einen Schwarzen) und "bimbi" in der Mehrzahl. Aber aufge­passt: "Bambini" hat nicht die doppelte Bedeutung des deutschen Wort "Kinder": einerseits "kleine Menschen" andrerseits "Söhne", "Töchter" bzw. "Nach­kom­men". Wenn ich auf Deutsch von "meinen Kindern" spreche, können diese auch Erwachsene sein. Auf Italienisch muss ich dann "i miei figli" sagen. Bambini sind also ausschließlich Kleinkinder.
Wenn es ums Geschlecht geht, muss man im Italienischen übrigens Farbe be­kennen: "i bambini" sind alle, egal ob Mädchen oder Jungen. Bei den ein­zel­nen Kindern ist jedoch die Endung entscheidend: Mädchen enden auf -a: la bimba, la bambina. Und bei den Jungen ist es ein -o: il bambino.

"Bambini" bleiben die Kleinen in Italien nicht lange - sehr bald nennt man sie "ragazzi" (die Einzahl ist "il ragazzo" bzw. "la ragazza"). Ein entsprechendes Wort gibt es in der deutschen Sprache nicht. "Jungs" oder "Mädchen" sind Begriffe, die die größte Ähnlichkeit aufweisen: Aber als "ragazzi" können auch ältere junge Männer gelten.

Kinderliebe
Als Kind in Italien aufwachsen - das stellt man sich herrlich vor. Alles scheint sich in diesem Land um das Wohlergehen der Kleinen zu drehen, anders als im restlichen Europa. Wenn Kinder herumtollen und lärmen, regt das keinen auf, im Gegenteil, sie sind sich des Verständnis der Erwachsenen sicher. Anwesenden, und es ist auch selbstverständlich, dass die Kleinen bis spät am Abend mit am Tisch sitzen. Ein "bam­bi­no" verschafft einer Mutter sofort einen Sitzplatz im überfüllten Bus, wobei sich dann nicht sie hinsetzt, sondern der Sprössling, sofern er kein Baby mehr ist. Kinder beherrschen mit voller Lautstärke die Öffentlichkeit, das Familienleben und die Freizeitgewohnheiten.

Was allerdings ausgedient hat in Italien, das ist das Klischee der Großfamilie: Die Zeiten, in denen mehrere Generationen an einem Raum füllenden Tisch saßen, an dem jede Menge Kinder für Durch­ei­nan­der sorgten, gehören der Vergan­gen­heit an. In den 1990er Jahren lagen die Ita­lie­ner am Ende von Europas Geburten­zif­fer, und wenn sich das in den letzten Jahren etwas geändert hat. Die Geburtenzahl betreffens ist Italien immer noch Schlusslicht in Europa. Statistisch gesehen hat eine Frau in Italien gerade mal noch 1,2 Kinder, also weniger als der EU-Durchschnitt von knapp 1,5. Die Modernisierung der italienischen Ge­sell­schaft, deren Ursachen die Industrialiesierung, die Migration in die Groß­städte und die Mobilität war, hat die Groß­familie weggefegt. Wie in vielen anderen europäischen Ländern wird auch in Italien die "Kleinfamilie" zur Regel.

Ob klein oder groß: Die italienische Fa­mi­lie kann immer noch als Vorbild für Zusammenhalt und Kinderliebe gelten. Und selbst wenn die Geburtenrate etwas anderes vermuten lässt: Die Italiener bleiben kinderlieb, das merkt man, wenn man mit Kindern unterwegs ist, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, im Norden oder im Süden. Der Kellner im Restaurant streichelt dem Kleinen im Restaurant leiebevoll den Kopf, und Menschen mit Klein­kin­dern werden am Strand oder auf der Pro­me­nade nicht selten mit: "Ma che ca­ri­no!" ("Was für ein süßes Kind") angesprochen.

Die Kehrseite der Medaille
Aus einer in mehreren europäischen Ländern durchgeführten Studie geht her­vor, dass die italienischen Kinder in Europa wegen ihrer Ungezogenheit nicht gerade beliebt sind. Die in Italien vergötterten "bambini" sind im Ausland ein Schreckgespenst für Hoteliers, Fluggesellschaften und Urlauber. Sie sind laut, gehorchen selten und sind demnach zu einem Horror von Kellnern, Stewar­dessen und Bademeistern geworden. 39 % der in ganz Europa befragten Fe­rien­gäste, Reiseveranstalter und Hoteliers sind der Ansicht, dass man den italienischen Kindern am besten aus dem Weg geht. Französische Kinder, als Gegenbeispiel werden von nur 26% der Befragten nicht gerne gesehen.

Den italienischen Kindern wird vorgeworfen, im Flugzeug nicht still zu sitzen, zu häufig zu weinen und zu laut zu sein. In den Hotels spielen sie mit dem Lift, stören die Gäste und belästigen die Feriengäste beim Mittagessen, ergab die Studie. Kellner beklagen sich über ihre schlechten Manieren. Die "bambi­ni" essen mit den Händen, beschmutzen die Tischdecken und sind mit dem Personal des Hotels ungezogen.

Ein paar Daten
Laut einer Studie verbringen italienische Kinder im europaweiten Ver­gleich am wenigsten Zeit mit ihren Vätern. Durchschnittlich nur 22 Minuten am Tag, im Vergleich zu den 57 Minuten norwegischer Kinder und den 60 Minuten der schwedischen. In Deutschland ist der Vater 55 Minuten für seine Kinder da, in Großbritannien 50, in Frankreich 38, in der Schweiz 37 Minuten. Der Grund sei hauptsächlich die "Dominanz" der Frauen in den Schulen und zu Hause.
Italien ist besorgt wegen der stark zunehmenden Zahl von überge­wich­ti­gen Kindern. 36 Prozent der Kinder um die zehn Jahre bringt zu viel auf die Waage. Das ist der höchste Prozentsatz in der EU. Laut einer Studie der Universität Turin hat der Taillenumfang der Buben zwischen sechs und zwölf Jahren bei gleicher Körpergröße in den letzten 30 Jahren um sechs Zentimeter zugenommen. Bei den Mädchen seien es fünf Zentimeter gewesen.

Aus einer Studie der Universität Florenz geht hervor, dass die Hälfte der "bambini" zwischen 7 und 11 Jahren bereits ein Handy besitzt. 100% der Teen­ager zwischen 14 und 18 Jahren besitzt ein Mobilfunktelefon,was in Europa ein Rekord ist.

35% der italienischen Kinder unter 13 Jahre benutzt bereits das Internet. Dies geht aus einer Studie des Ministerium für Forschung hervor.
 
Bambini
Auch das ist ein Zeichen der ver­än­der­ten Situation der italienischen Familie: Wer passt tagsüber auf die Kinder im Vorschulalter auf? Laut einer Studie der Istat sind es in mehr als 50% der Fälle die Groß­el­tern. 28% der Kinder gehen in eine Kin­der­krippe oder Kindergarten, auf 9,2% passt eine Tagesmutter auf, und nur in 7% der Fälle ist es ein Elternteil (meist die Mutter).

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