Unglaublich, was für fantasievolle oder gar absurde Einfälle manch ein Bürgermeister hatte, um - basierend auf einem Gesetz der Regierung Berlusconi des Jahres 2008 – "die Sicherheit und die öffentliche Ordnung" zu gewährleisten. Beispielsweise darf man in Lerici (Ligurien) nicht im Badeanzug auf die Straße gehen und in Pordenone (Friaul) sollte man am besten nicht öffentlich mit der Verlobten streiten.
Besonders viele neue Verbote gibt es in den Städten des Nordens, in denen
- welch für ein Zufall - die rechtspopulistische Lega Nord einen sehr starken Einfluss hat und zahlreiche Bürgermeister stellt.
Essen im Freien: Seit etwa zwei Jahren gilt das Essen auf der Straße in zahlreichen Städten als Ordnungswidrigkeit, die mit saftigen Bußgeldern geahndet wird. Das Verbot gilt in Venedig, Rom, Florenz, Trapani und in vielen weiteren Städten.
In Genua ist es im historischen Zentrum verboten, alkoholische Getränke in der Flasche herum zu tragen. Sie dürfen nur in Taschen, also nicht sichtbar, transportiert werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Geldbuße von bis zu 500 Euro rechnen. Mit dieser Maßnahme will man das Trinken alkoholischer Getränke und deren Folgen in der Öffentlichkeit verhindern. In Venedig ist es unter anderem untersagt, auf der Straße zu picknicken. Wenn man an die Touristenmengen denkt, die den Markusplatz, die "gute Stube Venedigs", tagtäglich in einen "Abfalleimer" verwandeln, kann man für diese Maßnahme durchaus Verständnis haben. Nur schade, dass es besonders Jugendliche trifft, die sich die überteuerten Restaurants der Stadt nicht leisten können.
Kebab-Verbot: In Capriate (Lombardei) und Crespi d’Adda (Lombardei) beschloss der Gemeinderat (in der Mehrheit Angehörige der Lega Nord), unter dem Vorwand, "den Charakter des historischen Zentrums zu bewahren", keine Lizenzen mehr für den Verkauf von "Kebab oder ähnlichem" zu vergeben.
Burkini-Verbot: Das Verbot der Kebab-Stände betrifft zwar auch andere Fast-Food-Imbissstände, der Verdacht einer Kampagne gegen den Islam ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn man weitere Maßnahmen wie beispielsweise das Verbot, Ganzkörperbadeanzüge (sogenannte Burkini) zu tragen, in Betracht zieht.
Gianluca Buonanno, Bürgermeister von Varallo Sesia (Piemont), begründete das in öffentlichen Bädern, Flüssen und Seen geltende Verbot mit hygienischen Gründen und mit der Behauptung, dass das Burkini kleine Kinder beim Baden erschrecke (!). Der Verstoß kann mit 500 Euro Bußgeld geahndet werden.
Burkini
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Der Gemeinderat der Stadt Venedig begründete das Verbot des Eröffnens neuer Fast-Food- und Kebab-Schnellimbisse (das für zwei Jahre gilt) damit, dass die bunten Farben dieser Lokale nicht verträglich seien mit dem Stil und der Architektur der Stadt. Zudem würden die Touristen mit den Verpackungen von Pizzastücken und Hamburgern die Stadt verschmutzen. Ein Verkaufsverbot von Couscous und Kebab, aber ebenso von portionierter Pizza ist in Lucca (Toskana), dessen wunderschönes historisches Zentrum inmitten unversehrten Festungsmauern liegt, auch längst in Kraft getreten.
Kleiderordnung: In Venedig ist es untersagt, mit entblößtem Oberkörper herumzulaufen und sich auf öffentlichen Plätzen hinzulegen. Um Verständnis für diese Maßnahmen zu haben, braucht man nur an den Sinn von Kleiderordnung im gesellschaftlichen Bereich zu denken. Früher war es beispielsweise undenkbar, ohne Krawatte in die Oper zu gehen! Die Nichteinhaltung geforderter Kleiderordnung konnte dazu führen, dass Besucher von Veranstaltungen, Festen oder Konzerten nicht eingelassen wurden. Wenn man an die Touristenmengen denkt, die dem Markusplatz durch allzu saloppe Kleidung und unzivilisiertem Verhalten die Würde nehmen, kommt auch hier Verständnis auf. Auf der beliebten Urlaubsinsel Capri, aber auch in Positano, riskiert man saftige Strafen, wenn man auf der Straße mit Holzlatschen herumläuft - wegen des lauten Klapperns!
Auf den Stränden: In Eraclea (Venetien) ist es untersagt, Fußball auf dem Strand zu spielen, Löcher in den Sand zu buddeln, Sandburgen zu bauen (wenn dies auf jenem Fünfmeterstreifen geschieht, der für Rettungseinsätze frei bleiben muss) und Muscheln zu sammeln. Letzteres aus ökologischen (!) Gründen. Dass man das Handy leise stellen, Musik nur mit Kopfhörern hören und Zigarettenkippen nicht im Sand zurückzulassen soll, müsste eigentlich selbstverständlich sein. Auf dem Dante-Strand bei Ravenna gehen die Verbote noch weiter: das Verteilen von Werbezetteln ist verboten, das Oben- ohne-Sonnen auch und die ersten 200 Metern des Strandes soll man frei halten. In Forte dei Marmi (Toskana) hat der Bürgermeister Umberto Buratti an öffentlichen Stränden Massagen untersagt. Und wehe, man isst ein Sandwich auf einem Strand in Positano oder auf Capri (Kampanien). Achtung: Wenn man seinen Platz in der ersten Reihe auf dem Strand dadurch verteidigen will, dass man mit dem Handtuch oder dem Sonnenschirm sein Revier markiert, muss man mit Strafen rechnen wegen "nicht rechtmäßiger Nutzung des öffentlichen Raumes". Last but not least: Dass Katzen und Hunde nicht unbedingt an den Strand gehören, das kann der Normalsterbliche immerhin noch nachvollziehen
Frage nach dem Sinn: Marco Michielli, Präsident der Hoteliersvereinigung Venetiens, fragt sich "wie man den Touristen alle diese Verbote bekannt machen will, zumal sie von Ort zu Ort verschieden sind". Laut Michielli macht sich das ganze Ausland über Italien lustig, vor allem aber die Konkurrenz.
Immer im Namen von Anstand und gegen Ortsverschandelung darf man in Lerici (Ligurien) nicht im Badeanzug auf auf die Straße gehen oder die nassen Handtücher auf den Balkon hängen. In Brescia (Lombardei) drohen 100 Euro Bußgeld, wenn man sich auf einer Piazza auf die Stufen eines historischen Monuments setzt. Nebenbei bemerkt: An öffentlichen Sitzbänken mangelt es in Italienischen Städten gewaltig!
Ein Lichtblick: Nach all den Verboten, bei denen viele den Verdacht aufkommen lassen, sie dienten vornehmlich dazu, die Kassen der Gemeinden aufzufüllen, endlich ein ohne Zweifel gutes Verbot: Seit dem 1. Januar 2011 ist in Italien der Verkauf von herkömmlichen biologisch nicht abbaubaren Plastiktüten verboten. Wenn man bedenkt, dass die Italiener pro Jahr 25 Milliarden von den aus Erdöl erzeugten Tüten bisher verwendet haben, ist das die gute Nachricht des Jahr!
Liberalitas Italiae
Dem deutschen "Hinauslehnen verboten" steht in den italienischen Eisenbahnwaggons noch immer der Hinweis entgegen "È pericoloso sporgersi" (es ist gefährlich, sich hinauszulehnen). Man hätte früher sagen können: "Verbieten"? Das sei typisch deutsch. Das tolerantere "Empfehlen" hingegen, typisch italienisch. Doch inzwischen hat sich etwas geändert in der "lässigen", "toleranten" Republik. Durch eine steigende Zahl von "örtlichen Anordnungen" ist ein Berg von Verboten entstanden, der manchmal an der Liberalität Italiens starke Zweifel aufkommen lässt.
Kulturschock Italien
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Italien Autofreie Urlaubsorte
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Venedig abseits der Pfade
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Mein Capri
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Man spricht Deutsch
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Einfach besser leben
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