Wissenswertes

Gatti (Katzen)



Anfang 2010 schockierte der italienische Fern­seh­koch Beppe Bigazzi seine Zu­schauer mit einem Rezept für gebratene Hauskatze, mit dem er Tier­schüt­zer und Politiker auf den Plan rief. Schließlich wurde er vom TV-Sender Rai Uno entlassen. Tatsächlich soll sich der „Vorfall" folgendermaßen abgespielt haben. Bigazzi hatte ein toskanisches Sprichwort zitiert: "a berlingaccio chi non ha ciccia ammazza il gatto": („Wer am Donnerstag vor Aschermittwoch kein Fleisch mehr hat, tötet die Katze“), welches daran erinnert, dass die är­meren Bevölkerungsschichten früher, als sie im Winter nicht genügend Prote­ine zu sich nehmen konnten, auch Katzenfleisch aßen. Noch in den 1930er und 1940er Jahren aß man nicht selten Katze anstelle des teureren Ka­nin­chens. Bei späteren Interviews betonte der Fernsehkoch, dass er aus­schließ­lich auf diese his­to­ri­sche Tatsache aufmerksam machen wollte. Der Umwelt­ver­band Aidaa (Associazione italiana difesa animali ed ambiente) stellt fest, dass es leider immer noch eine traurige Realität ist, dass jährlich etwa 6-7000 Katzen verspeist werden, obwohl dies natürlich gesetzlich verboten ist.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Rom leben in Italien 7,4 Mil­lionen Hauskatzen und weit über eine Million als Streuner auf der Straße. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind die 8,4 Mil­lio­nen Hauskatzen in Deut­schl­and eine wesentlich kleinere Zahl. Anders in Österreich, wo es 1,5 Mil­lio­nen sein sollen. Kaum zu glauben, dass es in Deutschland mehr streu­nen­de Katzen gibt (etwa 2 Millionen) als in Italien, wo es „gefühlt" viel mehr sind.
Es kann natürlich sein, dass die italienischen Sta­tis­ti­ken etwas be­schö­nigt wurden ...
Tatsächlich sind die Straßenkatzen vom Stadtbild der großen Städte kaum wegzudenken. Besonders häu­fig begegnet man sie in Rom, als hätten sie sich dort ein Stelldichein gegeben. Für ihr Wohlbefinden sorgen nicht nur die rö­mischen Mäuse, sondern auch die zahlreichen "Katzen-Mütter" (die so­ge­nann­ten „gattare“), die den Katzen mehr oder weniger re­gel­mäßig Futter bringen. Kaum leert eine „gattara“ irgendwo in der Stadt einen Topf Spaghetti auf ei­nen Plastikteller, schon umringt sie eine Heerschar miauender Katzen. Die 1973 verstorbene Schau­spie­le­rin Anna Magnani soll eine besonders enga­gier­te „gattara“ gewesen sein.
Katzen in Rom
Besonders bekannt für die zahlreichen Katzen, die es bevölkern, ist das Aus­grabungsareal „Largo Torre Argentina“, wo sich Säulen, Mauerreste, Mar­mor­stufen und ein paar Pinien befinden. Um der großen Katzenpopulation habhaft zu werden, gibt es seit 1994 am Rand dieses Areals eine Pflegestation, in der ein kleiner Verein die rund 400 Tiere betreut, die hier leben. Freiwillige Helfer kümmern sich um Fütterung, Sterilisation und Impfungen der Katzen.
Längst haben die Katzen die Herzen der Touristen erobert, die in den Tieren auch herrliche Fotomotive entdecken. Es gibt in Rom so­gar „Cat-Watching„- Fremdenführungen, die von der Stadtverwaltung in Rom unterstützt werden, weil man erkannt hat, dass die Katzen eine her­vor­ra­gen­de touristische Wer­bung für die Ewigen Stadt darstellen. Doch das friedliche Leben der Vierbeiner zwischen den Ruinen ist jetzt in Gefahr. Dem Torre-Argentina-Katzenheim droht die Ausquartierung.

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Schwarzen Katzen wird im Allgemeinen (nicht nur in Italien) nachgesagt, dass sie Unglück bringen. In Italien hat dieser Aberglaube für die Tiere aber be­son­ders schlim­me Auswirkungen. Nach Schätzung der Tierschutz­or­ga­ni­sa­tion Aidaa werden in Italien jährlich 60.000 schwarze Katzen wegen dieses Aberglaubens getötet. Der Präsident der Tier­schutzorganisation macht auch die Kirche dafür mitver­ant­wor­tlich: „Seit Jahrhunderten habe die Kirche die schwarze Katze mit Hexerei und dem Teufel in Zusammenhang gebracht. Nun sei dieser Aberglaube in den Köpfen vieler Menschen verankert„.
In der italienischen Volksmythologie gibt es ein Angst erregendes Lebewesen, den Gatto Mam­mo­ne (etymologisch von Gatto = Katze, und Mammon = Teu­fel), eine riesengroße Katze, die sich wie ein Teufel be­wegt und verhält und das Vieh auf der Weide erschreckt. In anderen Über­lie­fe­rungen ist das We­sen hin­ge­gen ein po­si­ti­ver Geist, der vor dem bö­sen Zau­ber an­de­rer Geis­ter schützt. Der Gatto Mammone taucht nicht selten in italienischen Märchen auf, beispielsweise im Pentameron von Giambattista Basile, ein Märchen, in dem wie Sche­herazade in Tau­send­und­eine Nacht Giam­bat­tis­ta Ba­si­le 50 Einzel­er­zähl­un­gen eingebettet hat. Deshalb wur­de die im 17. Jahr­hun­dert entstandene Samm­lung unter dem Titel „Das Märchen der Märchen" ver­öffentlicht. Nicht selten wird der Gatto Mammone von erziehenden Eltern als „Kinderschreck" benutzt.

Katze behindert ehelichen Sex: Eine Katze stürzte Anfang 2011 eine Ehe in die Krise. Ein 60-jähriger Ehemann aus Mailand machte seine Katze dafür ver­ant­wort­lich, dass es im Bett nicht mehr so richtig klappte. Der neu­gie­ri­ge, bohrende Blick der Katze würde ihn hemmen, be­haup­te­te er. Und weil seine Frau das Tier nicht aus dem Schlaf­zim­mer bannen wollte, verklagte der Mann beide. Vor Gericht erklärte er: „Meine Frau und die Katze haben sich gegen mich verbündet. Jagt diese Katze aus dem Schlaf­zim­mer, dann wird es im Bett wieder klappen.“ Der Richter versuchte zu ver­mit­teln und bestimmte schließlich, dass die Katze drei Monate lang nicht mehr das Ehebett des Ehe­paa­res betreten durfte. Sollte dies zu nichts führen, wür­de sich der Mann einer ärztlichen Untersuchung unterziehen müssen.
Tag der Katze: Seit 1990 gilt der 17. Februar in Italien als Tag der Katze. Eingeführt wurde er von der Journalistin Claudia Angeletti, die auf den Seiten ihrer Fachzeitschrift „Tuttogatto“ (Alleskatze) ihren Lesern vorschlug, einen Tag für das Feiern ihres Lieblingshaustiers zu erkoren.
Apropos Tierliebe: Die Turiner Stadt­ver­wal­tung hat 2011 erstmals zu Sil­ves­ter „i botti“ (das Zünden von Feuerwerkskörpern) ver­bo­ten. Die­ses Feuerwerksverbot wurde ausdrücklich zum Schutz von Katzen und Hunden erlassen, weil diese aus Schreck über den Lärm vielfach in Panik geraten, und nicht selten flüchten und deshalb leicht überfahren werden. Bei Zuwi­der­han­deln drohen Geldbußen bis zu 500 Euro.

Die Katzen von Rom
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In der italienischen Sprache findet man die Katze in vielen Sprich­wör­tern und Redensarten wieder. So heißt es beispielsweise: „Tanto va la gatta al lardo che ci lascia lo zampino“, was wörtlich „Die Katze geht solange an den Speck bis sie ihre Pfote einbüßt" bedeutet und dem Sinn nach dem deutschen Sprichwort „Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht“ ent­spricht. „Quando il gatto non c'è i topi ballano“ findet sich in „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse“ wieder. „Quattro gatti“ (vier Katzen) be­deu­tetnur ein paar Men­schen“. „Gattonare“ nennt man das Krabbeln der Klein­kinder und „Qui gatta ci cova“ (wörtlich: Hier brütet die Katze“) bedeutet „Das geht nicht mit rechten Dingen zu„. „Avere una gatta da pelare“ (wörtlich: „Eine Katze zum kahl scheren haben“) bedeutet „Sich eine schwie­ri­ge Aufgabe aufhalsen„. Last but not least: „Fare la gatta morta“ („die tote Katze mimen“) bedeutet „scheinheilig tun“, „seine wahren Absichten ver­bergen„. Im Allge­mei­nen verwendet man diesen Begriff, um eine Frau zu beschreiben, die einen Mann mit List und Schmei­cheleien umgarnt.

Einfuhrbestimmungen für Katzen: Voraussetzung für die Einfuhr nach Italien von Katzen (aber auch von Hunden und Frettchen), die älter als vier Monate sind, ist die Mitführung des blauen Heimtierpasses (mit Angaben zur Iden­ti­fi­zierung des Tieres, des Besitzers und der erfolgten Toll­wut­imp­fung). Außerdem muss das Tier entweder durch einen Mikrochip oder durch eine lesbare Tätowierung gekennzeichnet sein. Die Tollwut-Schutzimpfung muss mindestens 21 Tage alt sein, sie darf nicht älter als 12 Monaten sein. Aus Sicherheitsgründen sollte Ihr Liebling immer in einer Transportbox mit­fahren - in Italien riskiert man übrigens ein Bußgeld, wenn das Tier nicht gesichert wird.

Urlaub mit Katze: Wenn Sie Ihre Katze öfter im Urlaub mit nach Ita­lien nehmen möchten, sollten Sie einiges beachten. Die meisten Katzen mö­gen räumliche Veränderungen nicht gern. Nehmen Sie unbedingt gewohnte Spielsachen und Lieblingsfutter mit. Gestalten Sie die Fahrt so ruhig und angenehm wie möglich. Lassen Sie der Katze genug Zeit, um sich an die neue Umgebung in Italien zu gewöhnen. Anzuraten ist der Abschluss ei-ner Katzenkrankenversicherung. Neben den Vor­sor­ge- und  Impfkosten beinhaltet eine gute Ver­si­che­rung auch Kranken- und Unfallschutz, Ver­kehrs­un­fall- und Aus­landsschutz. Man sollte sehr da­rauf ach­ten, dass die Katze in Italien mö­glichst nicht mit ein­hei­mi­schen Katzen zusammentrifft, um eine Über­tra­gung von möglichen Krankheiten zu vermeiden. Sollte Ihre Katze besonders stress­anfällig oder sensibel sein, sollten Sie darüber nachdenken, sie nicht mit in den Urlaub zu nehmen.

Katzennamen: Möchten Sie wissen, welche Katzennamen in Italien am meisten verbreitet sind? An erster Stelle steht Romeo. An zweiter Stelle Pallina/o (Kugelchen), dann folgen Micio/a (Mieze), Luna (Mond), Chicco, Birba (Bengel), Trilly, Leo und Minù. Sehr verbreitet sind auch Nerone (Nero), Macchia (Fleck), Mimì, Penelope, Sissi, Stella (Stern), Tigre (Tiger), Zorro, Priscilla, Cleopatra, Pulce (Floh), Trudy und Willy.

 
 
Die Katzen von Rom
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Die Katze: Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung
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Katzensprache: Kätzisch für Zweibeiner
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Italienisch ganz leicht
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